Rhein-Pfalz Kreis „Reise zu sich selbst“

Pfarrer Volker Theison hat die Geschichte eines ehemaligen Gemeindemitglieds in einen Roman gepackt.
Pfarrer Volker Theison hat die Geschichte eines ehemaligen Gemeindemitglieds in einen Roman gepackt.

Auf einer früheren Pfarrstelle hatte eines Tages ein Gemeindemitglied dem Pfarrer zehn Schreibmaschinenseiten mit akribischen Aufzeichnungen in die Hand gedrückt. Sie wurden zur Grundlage des im vergangenen Herbst erschienenen 436 Seiten starken Romans von Pfarrer Volker Theison. Erlebt habe sein Held diese Veröffentlichung nicht mehr, sagt der 1943 geborene Theologe, der in seinem Buch andere Namen für die Figuren verwendet. Es ist die Geschichte des Banater Schwaben Wilhelm Meindel, der während des Zweiten Weltkriegs wegen seiner deutschen Wurzeln in die Waffen-SS eingezogen wird. Kurz vor Kriegsende desertiert er. Er mischt sich unter Flüchtlinge und Heimatvertriebene, kommt von einem Lager ins nächste, lebt ständig in der Furcht, enttarnt zu werden. Als er erfährt, dass seine Frau zur Zwangsarbeit nach Sibirien verschleppt wurde und die beiden Kinder in jugoslawischen Lagern festgehalten werden, macht er sich auf den Weg, um die Kinder zu befreien. „Es ist ein gefährliches Unternehmen voller Ungewissheiten, die sich vor ihm auftürmen wie das Gebirge auf dem Buchumschlag“, sagt Volker Theison. „Und es ist für ihn eine Reise zu sich selbst und zu tieferem Begreifen.“ Meindel gelingt sein Vorhaben, und als die Ehefrau in den 50er-Jahren freigelassen wird, ist die Familie wieder vereint. Der Autor schildert eine der vielen Szenen des Romans: Als ein russischer Soldat Meindel gefangen nehmen will, entreißt dieser ihm das Gewehr. Doch Meindel, plötzlich inspiriert von der Ballade „Die Füße im Feuer“ von Conrad Ferdinand Meyer, erschießt den Gegner nicht, sondern wirft das Gewehr ins Gebüsch. Für Theison ist klar: Krieg führt zur Verrohung des Menschen und bringt seine bisherigen moralischen Grundsätze ins Wanken. „Der Krieg bringt nur Verlierer, selbst der Sieger verliert seine Menschlichkeit“, sagt Theison. Doch zwischendrin gebe es auch Momente wie diesen, als Meindel sich gegen das Töten entscheidet. Als Schriftsteller ist der protestantische Pfarrer, der von 1968 bis 2008 40 Jahre lang im Dienst der Pfälzischen Landeskirche stand und seit 2008 in Dirmstein lebt, nicht unerfahren. Eine Hauptaufgabe seines Berufs sei das Predigen, sagt er. Dadurch sei er es gewohnt, „Gedanken in Sätze zu fassen, ihnen eine Richtung zu geben. Von da zum Schriftstellertum ist es nicht mehr weit“, sagt Theison. Zu Beginn seiner Dienstzeit veröffentlichte er bis in die 1980er-Jahre hinein in der Pfälzischen Verlagsanstalt Lesestücke, Kurzgeschichten, Gedichte. „Danach ließ mir der Pfarrdienst keine Zeit zum Schreiben.“ Das Schöne am Schreiben sei, dass man sich selbst einen Freiraum schaffen könne: „Schreiben heißt stehen bleiben, innehalten, sich finden.“ Fünf Jahre lang hat Volker Theison an dem Roman gearbeitet. Das schönste Kompliment habe ihm ein früheres Gemeindemitglied, ebenfalls Donauschwabe, gemacht. „Obwohl ja viel in diesem Roman fiktiv ist, hat dieser Mann sofort gewusst, um wessen Geschichte es sich handeln könnte.“ Für ein weiteres Buch hat Volker Theison „Einiges im Hinterkopf“, wie er sagt, aber vorerst will er Lesungen anbieten und mit Menschen über das Buch ins Gespräch kommen. Und er möchte die Menschen dazu ermuntern, nicht oberflächlich zu sein, sondern in sich hineinzuhören, die Seele zu spüren. Und vielleicht auch zu erkennen, dass bei allem Chaos das Leben einem roten Faden folgt. Termin Lesung mit Volker Theison am Freitag, 23. Februar, 19 Uhr, protestantisches Gemeindehaus Dirmstein, Laumersheimer Straße 2, und Freitag, 23. März, katholisches Pfarrheim Dirmstein, Hauptstraße 6. Lesezeichen Volker Theison: „Geheimnisvolles Nichts“, R.G. Fischer Verlag, 436 Seiten, 28,95 Euro.

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