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Dienstag, 05. März 2019 Drucken

Frankenthal Land

Kopfzerbrechen um Kitaplätze

Bobenheim-Roxheim: Für mehr als 50 Kinder fehlen in der Gemeinde Kindergartenplätze. Die Verwaltung hat deshalb ihre Optionen ausgelotet für den Fall, dass die Containerkita am Rathaus nicht dauerhaft betrieben werden darf. Die Grünen bringen eine weitere Möglichkeit ins Spiel: einen Waldkindergarten.

Von Waltraud Werdelis

Ein Foto aus den Anfangstagen des Containerkindergartens vor zwei Jahren. Wenn aus dem Provisorium keine Dauerlösung werden kann, hat die Gemeinde ein großes Problem.

Ein Foto aus den Anfangstagen des Containerkindergartens vor zwei Jahren. Wenn aus dem Provisorium keine Dauerlösung werden kann, hat die Gemeinde ein großes Problem. ( Foto: BOLTE)

Ein hessischer Waldkindergarten. So ähnlich stellen sich die Grünen das Konzept für die siebte Kita in Bobenheim-Roxheim vor.

Ein hessischer Waldkindergarten. So ähnlich stellen sich die Grünen das Konzept für die siebte Kita in Bobenheim-Roxheim vor. ( Foto: dpa )

Trotz der jüngsten enormen Anstrengungen in Form von Neubauten kann die Gemeinde den Bedarf an Betreuungsplätzen in den sechs Kindertagesstätten im Ort immer noch nicht oder besser gesagt schon wieder nicht decken. Deshalb hatte der Gemeinderat zuletzt beschlossen, die gemieteten Containermodule, die zweimal als Ausweichquartier genutzt wurden und werden, zu kaufen und dauerhaft als siebte Kita zu betreiben. Denn ein eigenes Grundstück zum Neubau sei derzeit nicht vorhanden, sagt Bürgermeister Michael Müller (SPD).

So einfach ist das aber nicht, denn für die dauerhafte Nutzung mobiler Gebäude gelten andere baurechtliche Regeln, als wenn sie vorübergehend als Provisorium dienen (wir berichteten im Dezember). Die Gemeinde geht davon aus, dass sie die Module nur noch etwa zwei weitere Jahre so wie bisher einsetzen darf. Würde sie die Container kaufen und entsprechend der baurechtlichen Anforderungen umrüsten, würde das nach Berechnungen von Fachbereichsleiter Frank Unvericht 695.500 Euro kosten beziehungsweise nach Abzug von Landeszuschüssen 282.100 Euro.

Die zweite Möglichkeit wäre der Neubau einer zweigruppigen Kita oder die Erweiterung einer der katholischen Einrichtungen, während die Container zum dritten Mal als Provisorium genutzt werden. Hier rechnet Unvericht mit Kosten (für die Gemeinde) von mehr als 1,5 Millionen Euro, einen Grundstückskauf nicht eingerechnet. Die dritte Option ist die Umwandlung von Gruppen in den bestehenden Kindergärten mit dem Ziel, in manchen Gruppen mehr Kinder betreuen zu können als bisher. Zur Verdeutlichung: Wenn in einer Gruppe nur Kinder ab drei Jahren sind, dürfen es 25 sein, bei einer Altersspanne ab null Jahren sind es nur 15 Plätze. Für diese Variante nennt Unvericht einen Aufwand von 239.080 Euro inklusive Containermiete bis Juli 2021.

Bei der Gruppenumwandlung denkt die Verwaltung offenbar vor allem an die kommunale Ikita (Integrative Kindertagesstätte), in der behinderte und nicht behinderte Kinder betreut werden. So eine Einrichtung hat naturgemäß einen anderen Betreuungsschlüssel und andere Gruppengrößen als eine herkömmliche Kita. Dort würde also Platz für neue Kinder geschaffen, wenn die integrative Arbeit reduziert oder nach und nach aufgegeben würde. Auf der anderen Seite verlöre die Gemeinde dann die beträchtlichen Pflegesätze.

Alle drei Rechenmodelle sind mit Vorsicht zu genießen. So bedeutet zum Beispiel Option eins nicht automatisch, dass die Kreisverwaltung für die umgerüsteten Container tatsächlich eine Baugenehmigung erteilen wird. Zudem sind die Zuschüsse an bestimmte Bedingungen geknüpft. Auch ergeben sich bei jeder Möglichkeit andere Vor- und Nachteile. Einige Stichworte sind Flächenverbrauch, Abschreibungen und Verwaltungsaufwand.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zeigten sich dessen Mitglieder beeindruckt von der umfangreichen Vorarbeit der Verwaltung im Vorfeld einer Ratsentscheidung. Die Möglichkeiten sollen aber noch eingehender geprüft werden, zumal Unverichts Zusammenstellung fast gänzlich auf die Kosten abhebt. „Uns fehlt noch der qualitative Aspekt“, sagte Holger Voll (SPD) und meinte damit unter anderem mögliche pädagogische Konzepte. Vor allem mit dem Vorschlag, das integrative Konzept der Gemeindekita in der Breslauer Straße aufzugeben, schienen sich die Ratsmitglieder nicht auf Anhieb anfreunden zu können.

Manfred Alban Pfeifer von Bündnis 90/Die Grünen schlug die Einrichtung eines Waldkindergartens vor. Dafür brauche man kein teures Gebäude, sondern nur eine Hütte oder einen Bauwagen. Außerdem könne so eine Kita eine Bereicherung des Betreuungsangebots sein. Mittlerweile haben die Grünen diesen Vorschlag in einen förmlichen Antrag verwandelt und der Verwaltung zur Prüfung übergeben.

Einstimmig votierte der Rat dafür, die Container bis auf Weiteres zu mieten und noch nicht zu kaufen. Die Fraktionen sollen ihre Fragen zu dem Thema aufschreiben, damit in der April-Sitzung des Rats weiter diskutiert und entschieden werden kann.

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