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Frankenthal

Frankenthal: Neues Gutachten zum Gewerbegebiet „Römig“

Von Rebekka Sambale

und Jörg Schmihing

Aus dem Kreisel wurde eine Ampel-Kreuzung. Die Stadt Ludwigshafen befürchtet, dass diese den Verkehr eines dritten und möglicherweise vierten Bauabschnitts am Römig nicht ausreichend regeln kann.

Aus dem Kreisel wurde eine Ampel-Kreuzung. Die Stadt Ludwigshafen befürchtet, dass diese den Verkehr eines dritten und möglicherweise vierten Bauabschnitts am Römig nicht ausreichend regeln kann. ( Archivfoto: BOLTE)

Wie viel Verkehr wird im Frankenthaler Gewerbegebiet „Am Römig“ tatsächlich fließen, wenn alle derzeit geplanten Flächen belegt sind? Diese Frage hat wieder den Ortsbeirat Ruchheim beschäftigt. Dort wurde bekannt: Ludwigshafen hat ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnisse sollen Anfang 2018 vorliegen.

Vier Verkehrsgutachten wird es bald zum Gewerbegebiet „Am Römig“ geben. Das aktuellste – vom Oktober 2016 – wurde erst kürzlich veröffentlicht. VGP, der Investor für das Amazon-Gelände, hatte es in Auftrag gegeben. Die darin enthaltenen Werte hatten für Aufruhr gesorgt (wir berichteten). Die dort als „Worst-Case-Szenario“ – also für den schlimmsten anzunehmenden Fall – berechneten Zahlen lagen deutlich über bislang bekannten. Das Unternehmen Kartoffel Kuhn (Römig 1), geschätzte Werte für Amazon (Römig 2) und geschätzte Werte für einen weiteren Logistiker (Römig 3) waren dort einberechnet. Das Ergebnis: Bei besonders hoher Belastung könnten dort pro Werktag 6769 Kfz-Fahrten entstehen.

Weiteres Gutachten in Auftrag gegeben

Jetzt hat das Baudezernat der Stadt Ludwigshafen ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Das wurde am Montag überraschend im Ortsbeirat Ruchheim bekannt. Grünen-Politikerin Jutta Kreiselmaier-Schricker hatte mehrere Fragen zum „zurückgehaltenen“ Verkehrsgutachten vom Oktober gestellt. Unter anderem, seit wann Ludwigshafener Politiker von dem Gutachten wussten. Die Antwort darauf blieb die Verwaltung dem Ortsbeirat zwar schuldig, vermeldete aber, dass die Stadt ein neues Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben habe. Obwohl noch nicht „alle potenziellen Gewerbeflächen ,Am Römig’ belegt“ seien, zeige das Oktober-Gutachten, dass die „ursprünglich für das Gebiet angesetzte Verkehrsmenge bereits erreicht“ sei, heißt es von der Stadt als Begründung.

Mögliches Römig 4

Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) hatte schon zum Bebauungsplan für Römig 3 und dem damit verbundenen Verkehr Bedenken angemeldet, nun bezieht sich die Stadt auf ein mögliches Römig 4. Mit dem Gutachten wurde das Ulmer Büro Modus Consult beauftragt, das auch die bisherigen Untersuchungen erstellt hat. Mit Ergebnissen rechnet die Stadt Anfang 2018, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitgeteilt hat. Kreiselmaier-Schricker und die Bürgerinitiative „Lebenswertes Ruchheim“ befürchten immer wieder, dass nicht nur eine Fläche Römig 4 auf Frankenthaler Gemarkung, sondern auch ein Gewerbegebiet „Nördlich A 650“ auf Ludwigshafener Seite bebaut werden könnte. Von der Stadt heißt es nun, mit dem neuen Gutachten werde „vorsorglich überprüft“, ob mit Frankenthal „vereinbarte Entwicklungsmöglichkeiten für die weiterhin zu berücksichtigende Fläche ,Nördlich A 650’ eingeschränkt werden“.

Bisher weder Anfragen noch Investor 

Für eine vierte Entwicklungsstufe am Römig gebe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder Anfragen, geschweige denn einen konkreten Investor, stellte Frankenthals Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage klar. Wenngleich er aktuell die Notendigkeit für ein weiteres Gutachten zur Verkehrssituation rund um den Knotenpunkt der Landesstraßen 524 und 527 nicht sehe, habe er Verständnis, dass Ludwigshafen dies selbst bewerten wolle, sagte Hebich. Seine Vermutung: Die Verwaltung der Nachbarstadt wolle mit den Ergebnissen der zusätzlichen Studie möglicherweise die Diskussion im direkt an den Römig angrenzenden Stadtteil Ruchheim ein wenig „runterfahren“ und „politische Klimapflege“ betreiben.

Amazons Logistikzentrum soll 2018 eröffnen

Der OB ist insbesondere über den Zeitpunkt für das neuerliche Gutachten verwundert. Mehr als den Ist-Zustand könne die Expertise wohl kaum erfassen. Die vom ersten Römig-Betrieb Kartoffel Kuhn ausgelöste Verkehrsbelastung sei bekanntermaßen geringer als in früheren Untersuchungen prognostiziert. Das Logistikzentrum des US-Internethändlers Amazon wiederum wird nach Angaben des Unternehmens im ersten Halbjahr 2018 eröffnen. Unabhängig von diesen Fragen betont Hebich: „Wir halten uns an den mit Ludwigshafen abgeschlossenen städtebaulichen Vertrag.“ Der basiere auf einer Gesamtbetrachtung des inzwischen zu einer Ampelkreuzung ausgebauten Verkehrsknotens L 524/L527.

Dokument erscheint im Amtsblatt

Zu der Frage, wann die Nachbarstadt über den Abwägungsprozess zum Bebauungsplan „Römig 3“ informiert werde, sagte Martin Hebich: Das entsprechende Dokument sei nach dem Aufstellungsbeschluss im Stadtrat verfasst worden und erscheine im nächsten Amtsblatt. Dies wiederum müsse er bestätigen und beurkunden. Danach gehe das entsprechende Schreiben auf den Weg. Hebich: „Das ist der vorgeschriebene Ablauf, der seine Zeit braucht.“

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