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Freitag, 28. Dezember 2018 Drucken

Frankenthal

Frankenthal: Gefährlicher Fußweg für Amazon-Mitarbeiter

Von R. Sambale & S. Wenzel

Nachdem die Menschen die Autobahnbrücke der A 650 unterquert haben, führt ein Weg übers Feld in Richtung des Amazon-Logistikzentrums am Römig.

Nachdem die Menschen die Autobahnbrücke der A 650 unterquert haben, führt ein Weg übers Feld in Richtung des Amazon-Logistikzentrums am Römig. ( Foto: rxs)

Viele Amazon-Mitarbeiter laufen von Ruchheim aus zu Fuß zum Logistikzentrum im Industriegebiet Am Römig. Dabei gibt es weder einen Geh- noch Radweg dorthin. Besonders im dunklen Winter führt das zu gefährlichen Situationen. Alle Beteiligten wissen um das Problem. Nur die Lösung fehlt. Die RHEINPFALZ ist den Menschen an einem Mittwochmorgen im Dezember gefolgt.

Um 7.40 Uhr, noch in der Dunkelheit, macht sich die Gruppe auf den Weg. Es ist ein schneller, aber nahezu lautloser Tross. Männer wie Frauen, viele jüngere Leute. Einige wenige tragen Warnwesten. Die meisten sind dunkel gekleidet. Sie sind unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz im Gewerbegebiet Am Römig, wie jeden Tag.

Die Ruchheimer Ortsvorsteherin Heike Scharfenberger (SPD) ist verärgert. Zahlreiche Amazon-Mitarbeiter, die mit der Rhein-Haardtbahn ankommen, laufen zu Fuß zur Arbeit, statt den Bus zu nehmen. Es gibt keinen durchgängigen Geh- oder Radweg. Ohne Sicherung laufen die Menschen entlang der vielbefahrenen Straßen. „Ich bekomme Briefe von besorgten Bürgern“, sagt Scharfenberger.

Amazon nicht für Straßenbau zuständig

Rund 2000 Menschen arbeiten im Amazon-Logistikzentrum. Dem Unternehmen ist es „wichtig, dass die Mitarbeiter ein sicheres Arbeitsumfeld vorfinden“, teilt es auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Dazu gehöre auch der Weg zur Arbeit. „Wir sprechen offen, wir hören zu, wir respektieren und wir kümmern uns“, heißt es in der Stellungnahme. „Selbstverständlich wurde im Zuge dessen auch der besagte Fußweg thematisiert.“ Konkret heißt dies, dass zum Start des Logistikzentrums mit Schichtleitern und Mitarbeitern gesprochen worden sei, sagt ein Sprecher. Sie wurden zur Vorsicht während der dunklen Jahreszeit aufgerufen. Der Hinweis: möglichst keine dunkle Kleidung tragen und auf den Wegen bleiben. Doch die gibt es eben nicht überall. Auf der anderen Seite: Amazon ist nicht für den Straßenbau zuständig. Und für Unternehmen endet die Zuständigkeit an der Grenze des Firmengrundstücks.

Die Gruppe läuft an der Maxdorfer Straße entlang. Wer es ein wenig befestigter unter den Füßen haben möchte, hält sich gefährlich nah an der Straße. Weiter innen sind Matsch und Laub. Autos fahren an den Fußgängern vorbei. Dann kreuzen die Menschen die Autobahnauf- und -abfahrt der A 650. Vier Spuren sind es, die sie überqueren müssen, ohne Fußgängerampel, ohne Zebrastreifen. Auf den Bus hätten die Amazon-Mitarbeiter um diese Zeit 20 Minuten warten müssen.

Für eine bessere Verbindung zwischen dem Frankenthaler Hauptbahnhof, Eppstein, dem Gewerbegebiet und Ruchheim war die neue Linie 465 angekündigt. Nachdem die Bahntochter DB Regio aber nicht zu den vereinbarten Bedingungen fahren wollte, stand die Linie auf der Kippe. Nun soll es ab Februar zumindest einen Notfallfahrplan zu den Schichtwechseln geben.

Weiter geht der Weg zum Römig. Unter der A 650 laufen die Menschen gedrängt hindurch, einer nach dem anderen. Dann können die Fußgänger auf einen Feldweg parallel zur L 524 wechseln.

Auch in Maxdorf ist das Thema angekommen. Michael Schimbeno (FDP) fordert den Ortsbürgermeister auf, etwas zu unternehmen. In der Dämmerung seien die Fußgänger nicht gut zu sehen. Und sie liefen auf der falschen Straßenseite – mit dem Verkehrsfluss statt in entgegengesetzter Richtung. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert“, sagt Schimbeno.

LBM plant Provisorium

Die Stadt Ludwigshafen verweist in dieser Sache „zuständigkeitshalber“ an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer. Dort ist das Problem bekannt. Ein Geh- und Radweg zwischen Ruchheim und der L 527 ist bereits geplant. Die Haushaltsmittel seien im Bauprogramm des Landes für 2019/2020 berücksichtigt. „Ob die Umsetzung noch im Jahr 2019 erfolgen kann, entscheidet sich im weiteren Planungsprozess“, teilt eine Sprecherin des LBM mit. Deshalb soll „kurzfristig ein Provisorium“ für Fußgänger geschaffen werden.

Eins hat der LBM bereits getan: die Ampelanlage an der Autobahnabfahrt außer Betrieb genommen. Ein orangefarbenes Warnlicht blinkt dort nun stattdessen. Im Zusammenhang mit der Ampelschaltung sei es zu gefährlichen Situationen gekommen, wenn Fußgänger die Abfahrt gequert hätten. Wenn die Ampel außer Betrieb ist, seien die Autos „gezwungen, abzubremsen und anzuhalten“, um zu schauen, ob die Straße frei ist, so der LBM.

Es gibt noch einen weiteren Weg, den die Menschen nutzen, eine Art Querfeldein-Route. Von dieser berichten die Maxdorfer. Sie führt von der Ruchheimer Bahnhaltestelle übers Feld zur Autobahnbrücke zwischen Gewerbegebiet und Maxdorf. Dort tauchten die Fußgänger mitunter wie aus dem Nichts auf, seien schwer zu sehen, sagen Autofahrer, die auf der Strecke unterwegs sind.

1200 Parkplätze gibt es beim Logistikzentrum. Der Platz werde rege genutzt, sagt ein Unternehmenssprecher. Amazon helfe seinen Mitarbeitern auch, Fahrgemeinschaften zu bilden. Viele kämen mit dem Fahrrad. Zudem unterstützt Amazon nach eigenen Angaben, dass Mitarbeiter mit dem Nahverkehr zur Arbeit kommen. Der Bus, der um 8 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle abfährt, ist an diesem Morgen gut besetzt. Trotzdem entscheiden sich einige Angestellte erneut für den Weg zu Fuß. Die Sonne ist inzwischen aufgegangen. Insgesamt werden es an diesem Mittwochmorgen mindestens 60 Menschen sein, die zu Fuß zum „Römig“ laufen.

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