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Dienstag, 02. April 2019 Drucken

Frankenthal Land

Dem Verkehrschaos die Stirn bieten

Neuhofen/Ludwigshafen: Die Hochstraße Nord soll abgerissen werden. Welche Auswirkungen hat das auf die Mobilität im Rhein-Pfalz-Kreis? Das haben die Grünen bei einer verkehrspolitischen Diskussion thematisiert. Sie wünschen sich sichere und komfortable Alternativen zum Auto und kritisieren die vielfach angelegten „Mörderstreifen“ für Radfahrer.

Von Kathrin Hentzschel

Kommt das Chaos, wenn die Hochstraße Nord abgerissen wird? Die Zeit bis dahin müsse genutzt werden, um alternative Mobilitätskonzepte zu entwickeln, finden die Kreis-Grünen.

Kommt das Chaos, wenn die Hochstraße Nord abgerissen wird? Die Zeit bis dahin müsse genutzt werden, um alternative Mobilitätskonzepte zu entwickeln, finden die Kreis-Grünen. ( Archivfoto: KUNZ)

Referieren und diskutieren in Neuhofen über Mobilität (von links): Philipp Tachkov, Amelie Döres, Bernhard Braun, Martin Eberle, Sara-Jane Potraffke und Elias Weinacht.

Referieren und diskutieren in Neuhofen über Mobilität (von links): Philipp Tachkov, Amelie Döres, Bernhard Braun, Martin Eberle, Sara-Jane Potraffke und Elias Weinacht. ( Foto: khe)

Auf die mehr als 100.000 Pendler, die die Ludwigshafener Hochstraßen täglich nutzen, kommt in den nächsten Jahren einiges zu. 2023 soll die Hochstraße Nord abgerissen, später die Südtrasse saniert werden. Ein Verkehrschaos wird befürchtet, denn die Brücken sind eine wichtige Verbindungen zwischen der Pfalz, Mannheim und dem gesamten Rhein-Neckar-Raum. „Jetzt muss die Zeit genutzt werden, ein alternatives Mobilitätskonzept auf den Weg zu bringen, zumal die vergangenen Jahrzehnte fast nur in die Autostraßeninfrastruktur investiert wurde“, sagte Bernhard Braun, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag Rheinland-Pfalz, am Freitagabend im Otto-Ditscher-Haus. Dorthin hatten die Kreis-Grünen zur verkehrspolitischen Diskussion „Zukunft der Mobilität im Rhein-Pfalz-Kreis“ geladen.

 

Radwege sicherer machen

Welche konkreten Schritte geeignet sind, um die Mobilität in Zukunft emissionsfrei, sicher und komfortabel zu machen, war Thema des Abends, zu dem rund 60 Interessierte gekommen waren. Rheinland-Pfalz habe die höchste Straßendichte Deutschlands. Gleichzeitig seien lediglich 62 Kilometer als Radwege ausgewiesen, das heißt, mit den „Hinweisen zur wegweisenden und touristischen Beschilderung für den Radverkehr in Rheinland-Pfalz“ versehen. „Die Qualität dieser Radwege ist zum Teil fraglich: mangelnde Beschilderung, schlechter Straßenzustand, parkende Autos, fehlende Abgrenzung zum Autoverkehr der oft nur 80 Zentimeter breiten Streifen, sogenannte Mörderstreifen, machen das Radfahren unsicher“, sagte Martin Eberle aus Lambsheim. Dabei nehme der Radverkehr in Zeiten des flotten E-Bikes ständig zu.

Radfahren ist als Alternative zum Auto bei vielen Menschen längst angekommen. Diese Tendenz bestätigt Philipp Tachkov von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Als Projektleiter am Institut für Management und Innovation stellte er Ergebnisse aus der Studie „Klimafreundliche Mitarbeitermobilität“ vor. Ausgewertet wurden rund 15.000 Datensätze von Pendlern, von denen die meisten bisher überwiegend das Auto nutzen. Drei Viertel aller Befragten befürchten massive Verschlechterungen durch den Hochstraßenabriss. Von diesen befasst sich immerhin ein Drittel bereits mit Alternativen wie Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder Park-and-ride-Möglichkeiten.

ÖPNV-Angebote verbessern

Dafür setzen sich die Grünen mit Ideen wie der Taktverdichtung der Busse in den Gemeinden mit Abstimmung auf die S-Bahn, einer Straßenbahn, die die Vorderpfalz verbindet, Tempo 30 in den Hauptstraßen der Ortsgemeinden und einem 365-Euro-Jahres-Ticket für den ÖPNV ein. Diese Forderungen unterstützt auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Amelie Döres, stellvertretende Vorsitzende im ADFC-Landesverband, berichtete von absurd beschilderten Radwegen, von Wegen, die aus dem Nichts kommen und im Nichts enden, und den erwähnten „Mörderstreifen“. Der Verein hat die Aktion „Mehr Platz fürs Rad“ ins Leben gerufen. Damit macht sich der ADFC stark für eine fahrradfreundliche Planung von Neubaugebieten, Frauenparkplätze in Fahrradparkhäusern oder unterstützt Betriebe auf dem Weg zu fahrradfreundlichen Arbeitgebern. Gleichwohl appelliert Döres an alle Radler, Missstände zu melden und dabei hartnäckig zu sein: „In den Planungsbüros wird schlicht und einfach nicht an alles gedacht.“

Umweltticket soll kommen

Die anschließende Diskussion leitete Elias Weinacht, Grünen-Mitglied des Kreistags im Rhein-Pfalz-Kreis und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er freute sich über das rege Interesse und den lebhaften Austausch: „Mobilität in der Vorderpfalz ist ein Mega-Thema“, sagte er. So meinte ein Besucher aus Otterstadt, dass beim Ausbau eines Dachgeschosses eine bestimmte Anzahl Autostellplätze ausgewiesen werden müsse. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Ein Mitglied des ADFC Ludwigshafen berichtete, dass er sich für Fahrradboxen in Parkhäusern eingesetzt habe. Leider ergebnislos. Vorgeschlagen wurden auch unpopuläre Maßnahmen wie eine Kilometerpauschale für Radler und nicht für Autofahrer. Die Frage nach dem Umweltticket des RNV für Mannheim und Ludwigshafen beantwortete Bernhard Braun: „Das kommt und soll auch beworben werden.“ Er hoffe allerdings, dass es sich dann auf die ganze Großwabe erstrecke und nicht nur auf eine einzelne Linie über den Rhein, sonst werde das ohnehin komplizierte Tarifsystem nicht einfacher.

 

Lob für E-Tankstellen-Apps

Eine Teilnehmerin mit E-Auto lobte Apps, die den kürzesten Weg zur nächsten Stromtankstelle anzeigten. So etwas wünsche sie sich auch für andere Verkehrsmittel – um etwa Missstände per Knopfdruck melden zu können. Laut Philipp Tachkov gibt es hier erst Insellösungen. Anette Winter, Kandidatin der Grünen-Liste Neuhofen, fragte nach guten Beispielen für Radwege in kleinen Orten mit engen Hauptstraßen. „Das ist schwierig“, gab Rad-Fachfrau Amelie Döries zu. „Die Jahrhunderte alten Ortskerne waren für Pferdekarren gebaut, und dort gibt es tatsächlich nur die sichere Alternative, den Radverkehr durch die Seitenstraßen zu lenken.“

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