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Donnerstag, 23. November 2017 Drucken

Frankenthal Land

Bobenheim-Roxheim: Aggressive Ameisenart breitet sich aus

Von Waltraud Werdelis

Sie wurde lange Zeit von der Wissenschaft übersehen, jetzt breitet sie sich in deutschen Städten und Dörfern aus: Lasius neglectus, auf Deutsch: „Vernachlässigte Ameise“.

Sie wurde lange Zeit von der Wissenschaft übersehen, jetzt breitet sie sich in deutschen Städten und Dörfern aus: Lasius neglectus, auf Deutsch: „Vernachlässigte Ameise“. ( Foto: Imago)

Weil ein Wohnhaus massiv mit Ameisen befallen ist, hat die Gemeinde das Bahnhofsviertel vom Institut für Schädlingskunde untersuchen lassen.

Eine asiatische Ameisenart breitet sich unentdeckt mitten in einem pfälzischen Dorf aus. Erst als die Insekten bereits eine Kolonie mit mehreren Millionen Artgenossen gegründet haben und auf der Suche nach Nahrung in die Häuser kommen, wird den Dorfbewohnern die Gefahr bewusst. Denn die Ameisen können Dämmmaterial zerstören und Straßenpflaster unterhöhlen. Sie krabbeln in Steckdosen und lösen Kurzschlüsse aus. Sie züchten Blattläuse und verdrängen heimische Arten wie die Schwarze Wegameise. In einer Versammlung mit Beistand eines Schädlingsexperten überlegen die Dorfbewohner, wie sie sich gegen die aggressiven Tiere wehren können ...

Richten wirtschaftlichen Schaden an

Was klingt wie aus dem Drehbuch eines Horrorfilms, kommt der Wirklichkeit im Bahnhofsviertel von Bobenheim-Roxheim ziemlich nahe. Im Frühsommer ist der Gemeindeverwaltung bekannt geworden, dass es dort ein Problem mit Ameisen gibt und dass sich in mindestens einem Wohngebäude Nester befinden. „Wir haben das von einem Fachmann untersuchen lassen“, berichtet Frank Unvericht, Leiter der Abteilung Bürgerdienste. „Es handelt sich um die ,Vernachlässigte Ameise’, Lasius neglectus, eine invasive Art, die Superkolonien bildet und sehr schwer zu bekämpfen ist.“

Den merkwürdigen Namen hat die vermutlich aus Vorderasien stammende und durch Pflanzenhandel nach Europa gelangte Ameisenart 1990 bekommen, weil sie von der Wissenschaft bis dato übersehen worden war, vermutlich weil die braunen Tiere einigen heimischen Ameisenarten sehr ähnlich sehen. Heute weiß man, dass Lasius neglectus und ihre Nester mit vielen Königinnen ein echtes Problem darstellen, besonders in Wohnungen, wo sie wirtschaftlichen Schaden anrichten können. Eine Gesundheitsgefahr geht laut Experten von der „Vernachlässigten“ nicht aus.

Infoabend zur Bekämpfungsstrategie

Schlagzeilen hat sie unter anderem schon in Mittelfranken und in Rostock gemacht, wo Einwohner den Wertverlust ihrer von den Ameisen befallenen Immobilien beklagen – und in Spanien, wo auf einer Fläche von 14 Hektar eine Superkolonie mit geschätzten 112 Millionen Arbeiterinnen und 360.000 Königinnen entdeckt wurde.

Die Bobenheim-Roxheimer Verwaltung und Gutachter Martin Felke wollen den Bürgern mit solchen Beispielen keine Angst machen. Auf der anderen Seite sei es wichtig, so Frank Unvericht, dass bei der Bekämpfungsstrategie, die am Mittwoch, 29. November, bei einem Infoabend vorgestellt wird, alle an einem Strang zögen. Der Ordnungsamtsleiter betont, dass sich die Gemeinde – im Gegensatz zu anderen Orten mit Ameisenplage – mitverantwortlich fühle, auch weil die Insekten den öffentlichen Raum besiedelt haben und zum Beispiel auf den jungen Bäumchen in der Bahnhofstraße herumkrabbeln. Mitte Oktober hat die Gemeinde auf ihren Grundstücken schon einen ersten Versuch mit einem Gießmittel und einem Ködergel gemacht.

Einzige Chance gegen Plage: Alle müssen bei Schädlingsbekämpfung mitmachen

Wenn es überhaupt eine Chance gibt, die Lasius-neglectus-Kolonie zwischen Bahnhof und Pestalozziplatz zu vernichten oder wenigstens einzudämmen, dann laut Gutachter in einer konzertierten Aktion, und zwar im Winter, wenn die Ameisen im Freien keine Nahrung in Form von Honigtau mehr finden und sich hoffentlich auf die ausgelegten Gelköder stürzen. Es sei also ganz wichtig, dass möglichst alle Häuser in dem Viertel mitmachten, schreibt der Diplom-Biologe vom Institut für Schädlingskunde in Reinheim in seinem Gutachten und empfiehlt, eine Fachfirma einzuschalten.

Martin Felke vermutet allerdings, dass sich die Ameisen unbemerkt auch schon in anderen Teilen des Dorfs ausgebreitet haben. Insofern dürfte die Infoveranstaltung auch für Bürger interessant sein, die nicht im Bahnhofsviertel wohnen.

 

Termin

Einwohnerversammlung am Mittwoch, 29. November, 19 Uhr, in der Jahnhalle in Bobenheim-Roxheim.

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