Donnersbergkreis Zeit für die Eisenbahn und zum Opasein

Wenn er Ende des Jahres die Feuerwehr-Uniform an den Nagel hängt, wird Wilfried Kaufhold sie nicht eintauschen gegen die eines Eisenbahners. Aber Züge fahren lassen, das wird er ganz gewiss. Dann hat er endlich Zeit fürs Hobby, seine Modell-Eisenbahn. Es steht also ein Wechsel vom hauptamtlichen Wehrführer zum „selbständigen“ Lokführer bevor.

„Fünf Jahre ruht sie schon“ schmunzelt der 62-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Vorfreude aufs Tüfteln an seiner Modellbahn ist Kaufhold schon anzusehen, aber noch ist es nicht soweit. Am Sonntag wird er zwar offiziell als Wehrführer und somit Chef über 45 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheimbolanden verabschiedet, aber bis Jahresende hat er noch Zeit, seinen Nachfolger einzuarbeiten. Das Kommando übernommen hat Wilfried Kaufhold 2003, aber schon seit 1988 ist er hauptamtlicher Gerätewart der Verbandsgemeinde. Als gelernter Dreher nach 22 Jahren bei der damaligen KKK, brachte er das technische Verständnis mit, schließlich übernahm er die Verantwortung für 38 Feuerwehrautos. Ein weites Feld – die Einsatzfahrzeuge strotzen nur so vor High-Tech-Ausstattung, und die Schläuche, Haltegurte, Leitern, Atemschutzgeräte, Armaturen und Pumpen müssen nach jedem Einsatz gereinigt und auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. Er ist so ein Gründlicher, alles muss tipp-topp stimmen. Die Sicherheit seiner Leute und der zu bergenden Menschen nach Unfällen hängt davon ab. Dass seine Mannschaft von jedem Einsatz heil zurückkommt, das war für Kaufhold schon immer ein Herzensanliegen. Er muss es einfach immer wieder betonen: Feuerwehrleute sind Freiwillige. Ehrenamtlich für die Bevölkerung Tag und Nacht abrufbereit und vielerlei Gefahren ausgesetzt. Oft wissen sie bei einem eingehenden Notruf nicht, was sie erwartet. Ausführliche Schilderungen über größere Löscheinsätze oder das Bergen schwer Verletzter erwartet man von Wilfried Kaufhold vergeblich. Was die Retter bei Verkehrsunfällen erleben, geht oft genug unter die Haut. Ob Fahrzeuginsassen mit der Rettungsschere aus dem Autowrack befreit oder aus einem verqualmten Zimmer gerettet werden mussten, der scheidende Wehrführer wird viele Erinnerungen in den Ruhestand mitnehmen. So viel von seinen Empfindungen gibt er preis: „Schlimm, wenn kleine Kinder verletzt werden oder jemand ums Leben kommt“. Ihn selbst hatte es auch erwischt, bei einer Einsatzfahrt, als ein Reifen platzte und ihn der Rettungshubschrauber in die Klinik flog – glücklicherweise waren seine Verletzungen nicht so dramatisch wie zuerst befürchtet. Ein aufgeschlossener Mensch ist er schon, aber „ich arbeite lieber im Hintergrund“ sagt er bescheiden, gibt aber doch zu, dass er mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge seinen Abschied nehmen wird. Das Feuerwehrwesen insgesamt hat seinem Leben einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt, schließlich ist er seit 1977 mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Seine erwachsenen Kinder aus seiner geschiedenen Ehe haben das ebenso erlebt wie seine Lebensgefährtin. Aber die kannte das von Hause aus – ihr Vater war bei der Feuerwehr Wilfried Kaufholds Vorgänger. 2014 als sein letztes Dienstjahr bei der Feuerwehr sei ein relativ normales gewesen, resümiert der Noch-Wehrführer zufrieden. Weniger Brände und weniger Unfälle, in manchen Jahren sei es heftiger gewesen. Jetzt gehe es für ihn nur noch darum, seinen Nachfolger mit Führungsfragen und dem auch bei der Feuerwehr unvermeidlichen „Verwaltungskram“ vertraut zu machen. Er selbst muss sich auf eine ganz andere, ungewohnten Rolle einstellen: Vor kurzem ist Wilfried Kaufhold zum ersten Mal Opa geworden.

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