Donnersbergkreis
Wo soll das Kind hin? Die Suche nach Pflegefamilien ist schwierig
Herr Jahn, Sie suchen immer wieder Eltern, die Pflegekinder bei sich aufnehmen. Warum ist das so schwer, geeignete Familien zu finden?
Pflegekinder brauchen besondere Menschen und die findet man nicht überall. Wir suchen weiterhin engagierte Familien, Paare oder Einzelpersonen, die einem Kind in schwierigen Lebenslagen ein liebevolles Zuhause geben möchte. Das ist eine große Aufgabe – aber auch eine bereichernde. Ein Pflegekind bringt oft eigene Erfahrungen und Bedürfnisse mit, die Zeit, Geduld und Verständnis erfordern. Zudem hat sich das Familienleben in den vergangenen Jahren verändert. Viele Menschen sind beruflich stark eingebunden oder leben in kleineren Haushalten. Umso mehr freuen wir uns über jede Familie, die dennoch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und einem jungen Menschen eine echte Zukunftschance zu geben.
Wie viele Pflegekinder betreut das Jugendamt in unserem Gebiet?
Derzeit werden rund 100 Pflegekinder im Donnersbergkreis betreut. Die Altersspanne reicht vom Säuglings- bis ins junge Erwachsenenalter.
Für wie viele Kinder suchen Sie aktuell Pflegefamilien?
Wir haben momentan ein Kind zu vermitteln. Dies ist jedoch eine Momentaufnahme und kann sich täglich ändern. So kam es beispielsweise vor wenigen Tagen vor, dass wir zwei kleine Kinder aus dem Donnersbergkreis außerhalb des Kreises unterbringen mussten, weil vor Ort keine passende Pflegefamilie oder alternative Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung standen.
Ist es schwerer geworden Familien zu finden oder gibt es mehr Kinder, die einen Platz benötigen?
Ein hoher Bedarf an Pflegefamilien ist grundsätzlich gegeben. Die Anzahl der Pflegekinder ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Es bleibt eine Herausforderung, genügend Familien zu finden – viele von ihnen überlegen sorgfältig, ob sie die nötige Zeit, Stabilität und Offenheit mitbringen um ein Pflegekind zu betreuen.
Was passiert mit den Kindern, die keinen Platz bekommen?
Werden Geschwister immer zusammen vermittelt?
Dies ist abhängig von den individuellen Entwicklungsbedürfnissen der Kinder und der Kompetenzen sowie Möglichkeiten der Pflegeeltern.
Welche Voraussetzungen müssen Interessierte erfüllen?
Pflegeeltern übernehmen eine ganz besondere Aufgabe – sie schenken Kindern oder Jugendlichen, die zeitweise oder dauerhaft nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können, Geborgenheit, Stabilität und Zuwendung. Interessierte sollten empathisch und einfühlsam sein, um auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen zu können. Sie sollten verlässlich, stabil, offen und tolerant sein – denn Kinder brauchen Sicherheit, feste Bezugspersonen und wollen mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten und Hintergründen sich angenommen fühlen. Außerdem sollten Interessierte kooperationsbereit, reflektiert und belastbar sein, damit ein positiver Austausch mit Schule, Herkunftsfamilie und Jugendamt stattfinden kann und die potentiellen Personen auch in schwierigen Momenten Ruhe bewahren können. Vor allem aber müssen Interessierte bereit sein, einem Kind Zeit, Zuwendung und Liebe zu schenken.
Wie lange dauert es im Durchschnitt von einem Erstkontakt bis zu einer Aufnahme?
Das kann sehr unterschiedlich sein. Der genaue Zeitraum hängt von mehreren Faktoren ab: Wie schnell kann das Bewerbungsverfahren abgeschlossen werden? Wie gut passen die Pflegeeltern zu dem Kind? In manchen Fällen kann das sehr schnell gehen, wenige Wochen, unter Umständen kann es auch deutlich länger dauern.
Können Wünsche in Bezug auf Alter oder Geschlecht geäußert werden?
Ja, Wünsche bezüglich Alter und Geschlecht können in den Fragebögen der Bewerberunterlagen angegeben werden.
Wie unterstützt das Jugendamt finanziell oder auch mit Schulungen im Vorfeld?
Der Pflegekinderdienst ist für die fachliche Beratung und Begleitung eines Pflegeverhältnisses verantwortlich. Dazu zählt unter anderem die Unterstützung der Pflegefamilie in ihrem pädagogischen Alltag, bei der Arbeit mit Herkunftseltern. Es werden Bewerberseminare angeboten, die die Pflegeeltern auf die speziellen Anforderungen und Herausforderungen eines Pflegeverhältnisses schulen. Außerdem finden Pflegeeltern-Treffen, gemeinsame Angebote mit Eltern und Kindern, sowie Veranstaltungen nur für Pflegekinder statt. Darüber hinaus werden auch themenorientierte Weiterbildungsveranstaltungen angeboten. Den Pflegeeltern werden monatliche Pauschalbeträge für die Vollzeitpflege ausgezahlt, die sich aus den Kosten für Sachaufwand und einem Betrag für die Pflege und Erziehung zusammensetzen.
Wie wird bei Krisen oder Konflikten geholfen?
Unsere Aufgabe als Pflegekinderdienst ist es, in Zusammenarbeit mit den Pflegeeltern das Wohl des Kindes sicherzustellen. Wir arbeiten wertschätzend, lösungsorientiert und kindzentriert, um das Pflegeverhältnis positiv zu gestalten. Bei akuten Krisen können sich die Eltern jederzeit an den Pflegekinderdienst wenden. In gemeinsamen Gesprächen wird nach Lösungen gesucht und wenn notwendig, zusätzliche Hilfen organisiert.
Wie lange bleibt ein Kind im Durchschnitt bei einer Pflegefamilie?
Die Dauer kann sehr unterschiedlich sein und hängt stark von der Situation des Kindes und seiner Herkunftsfamilie ab. Bei einer Bereitschaftspflege lebt das Kind oder der Jugendliche meist nur wenige Wochen oder Monate in der Pflegefamilie, bis geklärt ist, ob er oder sie zu seiner Familie zurückkehren kann oder dauerhaft untergebracht werden muss. Bei einem sogenannten Dauerpflegeverhältnis leben viele Kinder sogar bis zur Volljährigkeit in ihrer Pflegefamilie.
Wie ermuntern Sie Menschen, die zögern ein Kind aufzunehmen?
Pflegefamilien leisten jeden Tag etwas Außergewöhnliches. Sie öffnen ihr Zuhause und ihr Herz für Kinder, die schwierige Zeiten hinter sich haben und schenken ihnen damit Geborgenheit, Stabilität und Vertrauen. Wer sich entscheidet, ein Pflegekind aufzunehmen, verändert nicht nur das Leben des jungen Menschen nachhaltig, sondern erlebt selbst, wie erfüllend es sein kann. Pflegeeltern werden sorgfältig vorbereitet und auf ihrem Weg eng begleitet – niemand muss diesen Weg alleine gehen. Das Jugendamt steht jederzeit beratend und unterstützend zur Seite – mit Schulungen, festen Ansprechpartnern sowie finanzieller Unterstützung. Wichtig ist, nicht perfekt zu sein, sondern bereit zu sein, mit Herz, Geduld und Offenheit einen neuen Lebensweg gemeinsam zu gestalten. Wer diesen Weg geht, schenkt einem Kind nicht nur Sicherheit und Halt, sondern trägt dazu bei, dass es eine stabile Zukunft aufbauen kann. Unsere Erfahrung zeigt: Wer sich für ein Pflegekind entscheidet, bekommt viel zurück: Dankbarkeit, Vertrauen und das Wissen, einem jungen Menschen eine echte Zukunftschance gegeben zu haben.
Wohin können sich Interessierte wenden, wenn sie mit dem Gedanken spielen?
Interessierte sind herzlich eingeladen sich in einem persönlichen Gespräch im Jugendamt näher zu informieren. Sie können sich gerne mit dem Pflegekinderdienst in Verbindung setzen, telefonisch am besten vormittags zu erreichen unter 06352 710 260 oder pkd@donnersberg.de.