Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wir waren Helden: Ein Supermarktleiter über Corona, aufmüpfige Kunden und schöne Gesten

Daniel Ochmann
Daniel Ochmann

Von Hamsterkäufen und teilweise dramatischen Szenen in Supermärkten wurde gerade am Anfang der Corona-Pandemie viel berichtet. Verkäufer und Kassiererinnen standen an vorderster Front oft uneinsichtigen Kunden gegenüber. Daniel Ochmann, Filialleiter von Aldi Süd in Eisenberg, über eine Zeit.

Ohne sie ging gar nichts: die Mitarbeiter in den Supermärkten. Sie haben dafür gesorgt, dass inmitten der Corona-Pandemie die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleistet blieb – und sie mussten sich dafür so einiges gefallen lassen. Im Netz kursierten Videos, in denen aufgebrachte Hamsterkäufer handgreiflich und beleidigend wurden, weil Markt-Mitarbeiter versucht hatten, zwischenzeitlich knapp gewordenes Gut wie Toilettenpapier zu rationieren. Erfahrungen, über die man nicht so gerne sprechen möchte. Auch aus Angst, Kunden zu verprellen. Die RHEINPFALZ hatte bei mehreren Supermärkten nach Gesprächspartnern nachgefragt, immer wieder Absagen bekommen. Einer aber wollte gerne über seine Erlebnisse, positiv wie negativ, sprechen: Daniel Ochmann.

Seit Ende seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann vor mehr als elf Jahren leitet der 30-Jährige Maxdorfer die Aldi Süd-Filiale in Eisenberg mit 20 Mitarbeitern (zwei Azubis). Klar, Corona bedeutete für das Team erst einmal Stress. Schutzmaßnahmen mussten umgesetzt werden, für Kunden und Mitarbeiter. „Das war von Anfang an das A und O für uns“, sagt Ochmann. Zuerst habe man viel mit Desinfektionsmitteln gearbeitet und dafür gesorgt, dass alle Arbeitsräume und der Kassenbereich sicher waren. „Um unsere Kunden vor allem im Kassenbereich auf die wichtigen Abstandsregeln hinzuweisen, haben wir in der Filiale Klebestreifen auf dem Boden angebracht. Außerdem wurden unsere Pfandautomaten umprogrammiert, so dass es nicht mehr nötig ist, für den Pfandbon der Knopf am Automaten zu drücken“, erzählt er. Kurz darauf seien zusätzlich Plexiglasscheiben an den Kassen installiert worden. „Vor Ostern hatten wir sehr viele Kunden. Damit wir die behördlichen Auflagen einhalten konnten, hat damals Sicherheitspersonal den Einlass kontrolliert“, erinnert er sich.

„Unterschiedliche“ Reaktionen auf Rationierung

Besonders in der Anfangszeit seien Produkte des täglichen Bedarfs mehr als üblich nachgefragt worden. „Die Spitzenreiten waren Konserven, Reis, Nudeln und natürlich Toilettenpapier“, sagt er lachend. In der frühen Phase sei darauf geachtet worden, dass die Kunden die Waren in haushaltsüblichen Mengen kauften. Die Reaktionen darauf seien ganz unterschiedlich gewesen. „Manche denken nur an sich selbst und haben wenig oder gar kein Verständnis. Ein Kunde weigerte sich beispielsweise, in der Filiale eine Maske zu tragen und verlangte eine schriftliche Verordnung mit Unterschrift und Stempel“, erzählt der Filialleiter. Regelrechte Proteste, Anfeindungen oder Pöbeleien seien aber Ausnahmefälle geblieben.

Besonders gerne erinnere es sich an eine Situation am Anfang der Pandemie: „Wir hatten zu der Zeit viel zu tun. Die neuen Schutzvorkehrungen umsetzen, die körperliche Arbeit mit Schutzmaske, die Hamsterkäufe, dazu die allgemeine Unsicherheit. Das war schon viel, eine echte Herausforderung. Und dann ist da diese Kollegin. An ihrem freien Tag, den sie ja auch zur Erholung brauchte, hat sie für uns alle gekocht und uns das Essen in die Filiale gebracht. Wir halten im Team wie eine Familie zusammen“, freut er sich und ergänzt: „Der Respekt, den wir anfangs von vielen bekommen haben, der tat schon gut. Kunden haben uns aufgemuntert und gelobt. Manche haben uns sogar kleine Geschenke mitgebracht.“

Situation hat sich wieder „normalisiert“

Inzwischen habe sich die Situation wieder normalisiert. Manchmal habe er sogar das Gefühl, dass für die Menschen das Corona-Virus nicht mehr präsent sei wie vor einigen Monaten, obwohl sich die meisten Kunden an die Abstands- und Hygieneregeln hielten. Er sagt: „Aber es gibt auch immer wieder welche, die ihre Maske nicht sorgfältig tragen oder auch ganz ohne einkaufen möchten. Wenn Kunden gegen die Maskenpflicht verstoßen, weisen wir sie freundlich darauf hin, dass bei uns nur mit Maske eingekauft werden darf. Manchmal musste ich auch dazu kommen und Kunden deutlich machen, dass wir alle die Corona-Verordnung einhalten müssen. Die meisten sind dann einsichtig. Einige brauchen halt etwas länger.“

Die Serie: Wir waren Helden

Von der Krankenschwester über die Pflegekraft bis hin zur Supermarktkassiererin – sie alle haben in der ersten Welle der Corona-Pandemie den Kopf hingehalten. Von der Wertschätzung, die diese Berufsgruppen damals erfahren haben, scheint aber kaum noch was übrig. Der Applaus ist verstummt. Die RHEINPFALZ würdigt sie mit einer eigenen Serie.

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