Niedermoschel RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso in die Niedermoscheler Windrad-Pläne wieder Bewegung kommt

Vier Windräder möchte die Firma Juwi auf Niedermoscheler Gemarkung errichten.
Vier Windräder möchte die Firma Juwi auf Niedermoscheler Gemarkung errichten.

Windrad-Pläne auf Niedermoscheler Gemarkung gibt es seit einigen Jahren – ebenso Widerstand dagegen. Nach längerem Stillstand kommt jetzt Bewegung in die Sache.

Seit einigen Jahren versucht die Wörrstadter Firma Juwi in der Niedermoscheler Gewanne „Roter Kopf“ – nahe der Gemarkungsgrenze zum Nachbarort Hallgarten – vier Windkraftanlagen zu realisieren. Wirklich vorangekommen ist das Vorhaben seitdem aber nicht. Nun erklärte Projektleiter Moritz Braun von der Firma Juwi im Niedermoscheler Gemeinderat, dass man sich zumindest von einem Teil der ursprünglichen Pläne – sprich dem Bau zweier Windräder – verabschiedet hat. Dafür sollen ganz in der Nähe zwei andere Anlagen entstehen; insgesamt bleibt es also bei vier Windrädern.

Der Reihe nach: Um etwas für den Klimaschutz zu tun und die Finanzen der Gemeinde aufzubessern, hatten frühere Niedermoscheler Gemeinderäte Pläne für regenerative Energien auf den Weg gebracht. Zwei Windkraftanlagen sollten auf Flächen von Landesforsten im angrenzenden Bauwald auf Obermoscheler Gebiet gebaut werden, zwei weitere im angrenzenden Offenland auf Niedermoscheler Gemarkung. Obwohl im VG-Flächennutzungsplan schon vor etwa fünf Jahren für diesen Bereich keine Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen waren, sah Juwi Chancen, über den Regionalplan für die Westpfalz die Windkraftanlagen zu errichten. Gleichzeitig sollte das Planungsrecht auch über die Fortschreibung des Flächennutzungsplans bei der VG vorangetrieben und abgesichert werden.

Im Wald werden keine Windräder gestellt

Diese Pläne werden nun „wegen sich hinschleppender Verfahrensdauer“ ad acta gelegt und stattdessen neue verfolgt, heißt es von Juwi. Konkret bedeutet das: Auf die Waldflächen wird verzichtet, stattdessen sollen nun auf Niedermoscheler Gebiet vier Windräder errichtet werden. Wie Juwi auf Nachfrage informierte, wären die vorher geplanten Waldanlagen in westlicher Richtung entstanden, die neuen Offenland-Anlagen sind südwestlich von Hallgarten vorgesehen.

Bereits gegen die ursprünglichen Pläne hatte es im Ort und in der Nachbargemeinde Hallgarten erheblichen Widerstand gegeben, was zu den Verzögerungen beigetragen hat. Die 2001 gegründete Bürgerinitiative (BI) „Pro Nordpfalz“ hatte sich schon vor 23 Jahren erfolgreich gegen die Errichtung von Windrädern in diesem Gemarkungsteil gewehrt. Gegen die Pläne von Juwi wurde die Bürgerinitiative dann ab 2020 wieder aktiv und reichte ein Bürgerbegehren ein. In der Begründung wurde auf die Belastungen und Nachteile für Mensch und Tier hingewiesen. Die Ortsgemeinde Hallgarten, die touristisch als „Insel der Ruhe“ wirbt, hat Bedenken vor allem wegen Belastungen durch Infraschall, Lärm und Schattenschlag vorgebracht. Die BI schlug vor, statt auf Windkraftanlagen auf Freiflächenphotovoltaik zu setzen, was mittlerweile auch geschehen ist. Auch in Niedermoschel gab es Widerstand gegen die Windkraftpläne: 114 Einwohner hatten das Bürgerbegehren unterstützt. Eine immer wieder geforderte Bürgerbefragung zu dem Windkraftvorhaben in Niedermoschel wurde nicht durchgeführt.

Ortsgemeinde könnte von Änderung profitieren

Nun hat sich die Faktenlage verändert: Auf Grund des nach wie vor fehlenden Planungsrechts beim Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land dürfe das zuständige Forstamt keine entsprechenden Gestattungsverträge zur Errichtung von Windkraftanlagen unterzeichnen, erklärte Moritz Braun. Das noch nicht abgeschlossene Flächennutzungsplanverfahren dauere Juwi mittlerweile zu lange. Das Unternehmen geht davon aus, dass der von der Planungsgemeinschaft Westpfalz vorangetriebene Regionalplan schneller entscheidungsreif ist und dann auf Niedermoscheler Gebiet Vorranggebiete ausgewiesen werden.

Der potenziell dort erzeugte Strom soll nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen in Alsenz in das Pfalzwerke-Netz eingespeist werden. Vielmehr werde jetzt der Bau eines eigenen Umspannwerks in der Nähe der vorhandenen Hochspannungsleitung am „Roten Kopf“ favorisiert. Als Standortgemeinde würde Niedermoschel mehr Geld für die vier geplanten Windkraftanlagen erhalten als bisher vorgesehen war. Wie Braun in der Gemeinderatssitzung mitteilte, könnte je nach Stromertrag mit Einnahmen von bis zu 12.000 Euro pro Jahr und Windkraftanlage gerechnet werden.

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