Kirchheimbolanden Wie sich Ahmad Mohammad in nur zwei Jahren einen guten Schulabschluss erkämpft hat

Ahmad Mohammad (links) mit seinem Klassenlehrer Patrick Calles.
Ahmad Mohammad (links) mit seinem Klassenlehrer Patrick Calles.

Seit zwei Jahren lebt Ahmad Mohammad in Deutschland. Neue Sprache, neues Umfeld, kaum Vorbildung – und doch hat er innerhalb kürzester Zeit an der Georg-von-Neumayer-Schule seine Berufsreife erlangt.

Als Ahmad Mohammad mit 13 Jahren nach Deutschland kam, hatte er schon mehr mitgemacht als viele in einem ganzen Leben. Aufgewachsen war er in der Großstadt Qamischli im Norden Syriens. Gerade mal ein Jahr lang hatte er dort die Schule besucht. „In der ersten Klasse war ich der Beste“, erinnert er sich.

Vier Jahre nur Videokontakt zu den Eltern

Bei dem einen Jahr blieb es zunächst, denn mit etwa zehn Jahren trieb der Krieg Ahmad Mohammad und seine zwei großen Schwestern nach Erbil im Irak. Vier Jahre verbrachte er dort – ohne Eltern und ohne die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Seine Eltern waren zu dieser Zeit bereits im Donnersbergkreis, so wie sein Bruder, der schon 2015 nach Deutschland geflohen war. Videoanrufe waren der einzige Kontakt zu den Eltern.

Erst 2022 kam Ahmad im Rahmen eines Familiennachzugs nach Deutschland. Seine Schwestern hatten diese Möglichkeit nicht, sie sind bis heute im Irak. Nach einigen Absagen anderer Schulen fand er den Weg an die Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden. „Wir waren sehr froh, dass wir Ahmad kennenlernen konnten“, sagt Schulleiter Jörg Oeynhausen.

Vor Klassenarbeiten um 4 Uhr aufgestanden

In den ersten Monaten werden geflüchtete Kinder zunächst in eigens eingerichteten Klassen an die Sprache herangeführt und langsam aufgebaut, schildert Patrick Calles, Ahmads Klassenlehrer. Die Sprache sei eine Herausforderung gewesen. „Ungefähr ein Jahr“ habe es gedauert, bis er sich verständigen konnte, schätzt Ahmad. Erst dann habe er sich auch langsam in die Klassengemeinschaft einfinden können, nachdem er am Anfang häufig noch allein gewesen war.

Mit seinen schulischen Leistungen konnte der Syrer schnell überzeugen. „Das habe ich in der Form noch nicht gehabt“, sagt Patrick Calles, sichtlich stolz auf seinen Schüler. Trotz der wenigen Schulbildung im Vorfeld sei Ahmad der Unterricht größtenteils leichtgefallen. „Alles war einfach“, sagt er, „außer Mathe.“ Auch außerhalb der Schule hat der mittlerweile 15-Jährige viel investiert. Stundenlang habe er sich an die Hausaufgaben gesetzt, um alles richtig zu machen. „Ich bin teilweise vor Klassenarbeiten schon um 4 Uhr aufgestanden“, erzählt er. Die zusätzliche Zeit habe er zum Lernen genutzt, um bessere Noten zu bekommen.

Beachtlicher Notenschnitt

Sein Lieblingsfach war Gesellschaftslehre, für die deutsche Geschichte und Politik interessiert sich Ahmad besonders. „Ich mag Deutschland, es ist so ein gutes Land“, befindet er. Klassenlehrer Calles erinnert sich an eine Fahrt zum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und dem ehemaligen Konzentrationslager in Dachau. Ahmad habe ihm damals gesagt, wie froh er sei, mitgekommen zu sein, „weil er es sonst nicht geglaubt hätte“.

Nach zwei Jahren an der Georg-von-Neumeyer-Schule hat der 15-Jährige die Berufsreife erreicht – mit dem beachtlichen Durchschnitt von 2,5. Er zeigt sich besonders dankbar für die Unterstützung durch seine Eltern und seinen Lehrer: „Herr Calles hat mir immer geholfen“, betont er. Jetzt geht es für Ahmad nach Rockenhausen, wo der Realschulabschluss folgen soll. Einen beruflichen Traum für die Zeit nach der Schule hat er noch nicht. Viel wichtiger: „Mein Traum ist, meine Geschwister wieder zu sehen, die noch im Irak sind.“

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