Weierhof RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kommt das Gemüse in die Kiste?

Zwischen Salatköpfen in ihrem Garten am Weierhof: Sara Knapp und Orfeas Fischer setzen auf Nachhaltigkeit und Regionalität.
Zwischen Salatköpfen in ihrem Garten am Weierhof: Sara Knapp und Orfeas Fischer setzen auf Nachhaltigkeit und Regionalität.

Mit harter Arbeit, wenig Urlaub und viel Kompost betreiben Sara Knapp und Orfeas Fischer nachhaltige Landwirtschaft in der Nordpfalz.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Biokiste im Donnersbergkreis anzubieten?
Orfeas Fischer: Ich bin in Kirchheimbolanden auf dem Weierhof aufgewachsen. Meine Mutter stammt ursprünglich hier aus der Region, und meine Familie kehrte hierher zurück, als ich sieben Jahre alt war. Der regionale Bezug war also immer da. Während meines Studiums in Witzenhausen, wo ich Sara kennengelernt habe, entstand die Idee des Gemüseanbaus und der ökologischen Landwirtschaft. Wir hatten bereits überlegt, wie wir nach dem Studium weitermachen könnten. Besonders inspiriert hat uns das Konzept „Market Gardening“: nachhaltiger Gemüseanbau auf kleiner Fläche mit Handgeräten, verbunden mit direkter Vermarktung.

Warum eignet sich unsere Region für dieses Konzept?
Orfeas Fischer: Wir fanden, dass der Donnersbergkreis perfekt für unser Vorhaben war. Zum einen kannten uns die Menschen in der Region bereits, und dadurch hatten sie von Anfang an Vertrauen in unsere Idee. Zum anderen bietet diese Region für uns ein großes Potenzial, da die Menschen hier offen für nachhaltige und regionale Angebote sind. Meine größte Inspiration kam aus einem Buch von Jean-Martin Fortier, einem Pionier des „Market Gardenings“. Während meines Studiums habe ich dieses Konzept intensiv studiert und zwei Wochen lang in Kanada vor Ort einen Intensivkurs besucht. Es war eine wertvolle Erfahrung, die Theorie direkt in die Praxis umzusetzen und zu lernen, wie man effizient auf kleiner Fläche arbeitet. Das hat uns enorm geholfen, unseren Betrieb hier aufzubauen.

Wie groß ist jetzt die Anbaufläche?
Sara Knapp: Unsere Gemüseanbaufläche beträgt etwa 2500 Quadratmeter, das entspricht ungefähr einem Drittel eines Fußballfeldes. Auf so kleiner Fläche produktiv zu arbeiten, erfordert eine gute Planung und Organisation. Wir überlegen uns bei allem, wie wir Abläufe optimieren können. Zum Beispiel schauen wir immer, wie wir uns im Garten bewegen, wo unsere Werkzeuge platziert sind und wie die Wege zu den Beeten kurzgehalten werden. Trotzdem laufen wir pro Tag zehn bis 15 Kilometer im Garten.

Das klingt nach viel Arbeit und langen Arbeitstagen?
Orfeas Fischer: Zu Beginn haben wir 50 bis 60 Stunden pro Woche gearbeitet, mittlerweile sind wir bei etwa 35 bis 40 Stunden. Wir tracken unsere Arbeitszeit genau, weil es uns wichtig ist, Beruf und Freizeit in Balance zu halten. Während wir mittwochs und donnerstags, unseren den Erntetagen, oft acht bis zehn Stunden im Garten verbringen, läuft der Freitag entspannter ab mit nur drei bis vier Stunden. Lange Urlaube können wir nur zwischen November und Januar machen. In diesen Monaten legen wir unsere Arbeit für drei Monate auf Eis und gönnen uns eine Auszeit. In der Saison sind längere Reisen schwer umzusetzen, aber wir machen Kurzurlaube.

Das Gemüse kann man bei Ihnen einmal wöchentlich im Abo kaufen?
Sara Knapp: Wir haben ein Abomodell, bei dem unsere Kunden jede Woche am Donnerstag das frische Gemüse direkt bei uns auf dem Hof abholen. Die Kunden bringen ihre Körbe mit, und wir befüllen sie vor Ort mit fünf bis sieben Gemüsesorten, die wir gerade geerntet haben. Frische ist uns dabei sehr wichtig. Unsere Kunden bekommen so einen Bezug zu unserem Garten. Sie sehen, wo das Gemüse wächst und können uns kennenlernen. So schaffen wir Transparenz. Es gibt aber auch Hofläden, die unsere Produkte verkaufen.

Was steckt jede Woche in der Gemüsekiste?
Sara Knapp: Es gibt immer eine Mischung aus „Basics“ wie Salat, Karotten, Frühlingszwiebeln oder Spinat. Aber wir versuchen auch, immer etwas Besonderes oder Neues anzubieten, wie Mangold, Pak Choi oder Mairübchen. Im Sommer sind es oft Tomaten, Gurken oder Zucchinis, während wir im Frühjahr häufiger Radieschen und Spinat dabei haben. Es ist wichtig, dass die Kiste abwechslungsreich ist und saisonale Vielfalt bietet. Um auch neue Ideen zu liefern, gibt es jede Woche ein Rezept, das an eine spezifische Gemüsesorte angepasst ist, vor allem für die Sorten, die einige vielleicht nicht so gut kennen, wie Pak Choi oder Blattkohl.

Was ist, wenn mir ein Gemüse aus der Kiste so gar nicht schmeckt?
Sara Knapp: Dafür haben wir unsere Tauschkiste eingerichtet. Wenn jemand ein Gemüse nicht mag, kann es einfach gegen etwas anderes getauscht werden, das wir aus der aktuellen Ernte zusätzlich bereitstellen. Ein häufiges Beispiel ist Rote Bete – sie gehört zu den Gemüsesorten, bei denen sich der Geschmack scheidet, darum ist sie oft in der Tauschkiste zu finden. Aber so wird nichts verschwendet, und die Kunden können ihre Kiste individuell anpassen.

Wie viele Gemüsekisten packen Sie derzeit pro Woche?
Orfeas Fischer: Aktuell packen wir 160 Kisten, haben aber Kapazität für 180 Kisten. Wir können also noch ein paar Kunden aufnehmen. Da wir unsere Fläche und Kapazitäten immer im Blick behalten, machen wir bewusst keine Überproduktion. Nachhaltigkeit steht bei uns im Fokus, weshalb wir sicherstellen, dass alles, was wir anbauen, auch wirklich genutzt wird.

Frische Karotten aus regionalem Anbau: Sara Knapp nach der Ernte.
Frische Karotten aus regionalem Anbau: Sara Knapp nach der Ernte.
Sara Knapp nutzt die Mini-Akkufräse, um die nachhaltige Bodenbearbeitung in ihrem Garten zu unterstützen.
Sara Knapp nutzt die Mini-Akkufräse, um die nachhaltige Bodenbearbeitung in ihrem Garten zu unterstützen.
Orfeas Fischer sorgt mit dem Rechen für perfekte Bodenverhältnisse.
Orfeas Fischer sorgt mit dem Rechen für perfekte Bodenverhältnisse.
Zwischen Tomatenstauden: Sara Knapp erntet reife und aromatische Tomaten.
Zwischen Tomatenstauden: Sara Knapp erntet reife und aromatische Tomaten.
Die Karotten werden für die Biokiste gründlich gewaschen.
Die Karotten werden für die Biokiste gründlich gewaschen.
Sara Knapp bei der täglichen Arbeit in ihrem Gewächshaus.
Sara Knapp bei der täglichen Arbeit in ihrem Gewächshaus.
Frische Salatköpfe wachsen in Reihen auf dem Feld.
Frische Salatköpfe wachsen in Reihen auf dem Feld.
Das Salatfeld aus der Vogelperspektive: Ein Blick auf die perfekte Anordnung der Salatreihen.
Das Salatfeld aus der Vogelperspektive: Ein Blick auf die perfekte Anordnung der Salatreihen.

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Gibt es auch Gemüse, das Sie nicht anbauen?
Sara Knapp: Wir haben uns ganz bewusst entschieden, einige kulturenintensive Sorten nicht anzubauen, wie Rotkohl oder Kartoffeln. Diese benötigen sehr viel Platz und lassen sich auf so kleiner Fläche weniger nachhaltig integrieren. Stattdessen gibt es in der Region Nachbarhöfe, bei denen solche Produkte ergänzend erhältlich sind. So bündeln wir unsere Kapazitäten auf die Sorten, die zu unserem Gartenkonzept am besten passen.

Gemüse ist auch sensibel: Was ist mit der Hitze im Sommer, Trockenheit oder Starkregen?
Sara Knapp: Der Klimawandel ist für uns eine ständige Herausforderung. Wir haben schon extreme Hitze, Starkregen und Hagel erlebt. Besonders empfindliche Kulturen wie Salate schützen wir durch Schattiernetze, die etwa 35 Prozent der Sonneneinstrahlung blockieren. Das macht den Pflanzen extreme Temperaturen deutlich ertragbarer. Zudem setzen wir Mulch und Kompost ein, um den Boden zu schützen, Wasser zu speichern und den Boden vor Erosion durch Schauer zu bewahren. Uns hilft aber auch die Direktvermarktung; wir hatten zum Beispiel einen Hagel, und die Zucchinis hatten Macken, das war kein Problem für unsere Kunden, weil sie den Hagel selbst erlebt hatten. Wir schauen mehrfach täglich den Wetterbericht an, damit wir reagieren können.

Was sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Orfeas Fischer: Unsere Pläne sind, die Artenvielfalt im Garten noch weiter auszubauen. Jedes Jahr versuchen wir zwei bis drei neue Sorten zu etablieren, letztes Jahr war es Sprossenbrokkoli, dieses Jahr wagen wir uns an Spaghetti-Bohnen. Wir möchten auch weiterhin eng mit unseren Kunden im Austausch stehen, um besser zu verstehen, was gefragt ist oder was vielleicht in der Tauschkiste öfter liegen bleibt.

Haben Sie noch einen Tipp für Hobbygärtner?
Sara Knapp: Viel Kompost verwenden! Bodenaufbau ist wirklich entscheidend. Gerade in unserer Region mit schweren Lehmböden macht Kompost einen großen Unterschied. Der Boden wird dadurch lockerer und speichert Wasser besser, sodass er flexibler auf Wetterunterschiede reagieren kann.

Zur Person

Sara Knapp (32) und Orfeas Fischer (31) haben ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen studiert, wo sie sich auch kennengelernt haben. Mit ihrem Studium und einem starken Fokus auf nachhaltige Landwirtschaft entschieden sie sich, das Konzept des „Market Gardenings“ auf kleiner Fläche umzusetzen. Gemeinsam betreiben sie ihren Garten seit fast zehn Jahren.

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