Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wer vorbereitet ist, bleibt ruhig: So gelingt die Notfallvorsorge

 Menschen geraten oft unvorbereitet in Not – wie hier in Berlin, wo DRK-Helfer Feldbetten aufbauen.Katastrophenschützer Björn Be
Menschen geraten oft unvorbereitet in Not – wie hier in Berlin, wo DRK-Helfer Feldbetten aufbauen.Katastrophenschützer Björn Becker empfiehlt, für solche und ähnliche Fälle immer einen gepackten Beutel parat zu haben.

Brand, Stromausfall, Bombenfund, Wetterextreme: Eine Notlage ist nicht planbar. Björn Becker vom Brand- und Katastrophenschutz erklärt, wie sich jeder vorbereiten sollte.

Herr Becker, was bewahren Sie persönlich in Ihrem Notfallschrank auf?
Ich habe keinen Notfallschrank, sondern einen Rucksack, der im Auto liegt, mit den wichtigsten Dingen, die ich spontan mitnehmen könnte. Darin sind unter anderem Kopien wichtiger Dokumente auf einem USB-Stick, Kleidung, Taschenlampe und Medikamente. Dazu kommen im Haus verteilte Vorräte, die ich dort nutzen würde. Schon meine Oma hatte eine Tasche bereit, falls sie ins Krankenhaus musste. Es ist sinnvoll, für alle Fälle einen gepackten Beutel parat zu haben. Wer nachts durch den Rauchmelder geweckt wird, hat keine Zeit, geordnet Dinge zusammenzusuchen.

Wie kamen Sie überhaupt zum Thema Notfallvorsorge?
Zum einen durch mein Ehrenamt im Bevölkerungsschutz: Seit 1997 bin ich im Rettungsdienst aktiv und habe bei Einsätzen vieles erlebt – von Wohnungsbränden über Bombenräumungen bis zu großen Katastrophen wie im Ahrtal. Dort hat sich gezeigt, dass es manchmal Tage dauert, bis Hilfe eintrifft. Diese Zeit müssen Betroffene selbst überbrücken.

Welche Ereignisse haben Ihnen besonders gezeigt, wie wichtig Vorbereitung ist?
Der Einsatz im Ahrtal ist mein prägendstes Beispiel: Viele Menschen waren tagelang auf sich gestellt, bevor Einsatzkräfte die betroffenen Orte erreichten. Auch Flüchtlingslagen wie 2015 oder aktuell aus der Ukraine zeigen, wie schnell Menschen unvorbereitet in schwierigen Situationen landen und neu anfangen müssen.

Das Infomobil für die Bevölkerungsschutzkampagne „Bleib bereit“ steht in Rheinland-Pfalz immer an unterschiedlichen Orten.
Das Infomobil für die Bevölkerungsschutzkampagne »Bleib bereit« steht in Rheinland-Pfalz immer an unterschiedlichen Orten.

Muss man sich bei Notfallvorsorge immer auf große Katastrophen einstellen?
Nein, oft handelt es sich nicht um das große Drama. Die meisten Herausforderungen sind kleinere oder mittlere Ereignisse: eine Bombenräumung, ein Brand, ein Stromausfall wie zuletzt in Berlin oder starkes Schneetreiben, das den Weg zum Einkauf blockiert. Wer solche Szenarien schon einmal durchdacht hat, kann gelassener reagieren.

Manche sagen, Vorsorge sei Panikmache. Was entgegnen Sie?
Vorsorge verhindert Panik. Denn Panik entsteht, wenn man unvorbereitet in eine schwierige Lage kommt. Es geht nicht um den großen Weltuntergang, sondern um wahrscheinliche Alltagssituationen: Krankheit, Quarantäne, Wetterextreme. Vorbereitung fängt nicht nur mit der fünften Konservendose an, sondern damit, mögliche Szenarien gedanklich durchzuspielen.

Was ist der größte Irrtum in Bezug auf Krisen und Katastrophen?
Der Gedanke: Da kann ich eh nichts tun. Natürlich hilft das Dosenessen nicht bei einer atomaren Katastrophe. Aber es hilft bei unzähligen viel wahrscheinlicheren Szenarien. Ein weiterer Irrtum ist das Vertrauen, dass sofort Hilfe eintrifft. Selbst ein gut organisiertes System braucht bei echten Katastrophen Zeit, um zu funktionieren, diese Tage muss man selbst überbrücken können.

Hat immer einen Notfallrucksack mit USB-Stick, Kleidung, Taschenlampe, Medikamenten und Kopien von wichtigen Ausweisen im Auto:
Hat immer einen Notfallrucksack mit USB-Stick, Kleidung, Taschenlampe, Medikamenten und Kopien von wichtigen Ausweisen im Auto: Björn Becker von der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung.

Sie halten am Donnerstag in der Kreisverwaltung den Vortrag: „Notfallvorsorge – mit einfachen Mitteln vorbereitet sein“. Welche Themen bilden den Schwerpunkt?
Ich verdeutliche zunächst, wie der Bevölkerungsschutz arbeitet: Nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind aktiv in diesem Bereich, die meisten bei der Feuerwehr. Im Katastrophenschutz, der Verletzte versorgt oder Notunterkünfte betreut, sind es noch weniger – theoretisch muss ein Helfer 100 unvorbereitete Personen unterstützen. Anschließend gehe ich praxisnah durch verschiedene Situationen: kein Wasser, keine Toilette, Lebensmittelwahl, Wärme, Licht, Erste Hilfe, alternative Kommunikationswege.

Welche Rolle spielt Erste Hilfe?
Eine große. Jeder sollte seinen Erste-Hilfe-Kurs auffrischen. Ein Set gehört nicht nur ins Auto, sondern auch ins Haus, viele Unfälle passieren im Haushalt, und meist sind Angehörige die ersten, denen man helfen muss.

Wie kann jeder einfach und günstig mit der Notfallvorsorge starten?
Beim Einkauf einen zusätzlichen Kasten Wasser mitnehmen oder andere haltbare Lebensmittel, die man ohnehin isst. Vorräte können Schritt für Schritt aufgebaut werden. Oft hat man schon nützliche Dinge, ohne darüber nachgedacht zu haben, etwa einen Gas- oder Kohlegrill, der bei Stromausfall funktioniert. Diese darf man natürlich nur im Freien nutzen!

Blick in das Infomobil für die Bevölkerungsschutzkampagne „Bleib bereit“, in Rheinland-Pfalz. Damit soll die Bevölkerung für ihr
Blick in das Infomobil für die Bevölkerungsschutzkampagne »Bleib bereit«, in Rheinland-Pfalz. Damit soll die Bevölkerung für ihre Notfallvorsorge sensibilisiert werden.

Wenn Sie drei Maßnahmen empfehlen könnten, welche wären das?
Eine schnell greifbare Tasche oder ein kleiner Beutel mit Medikamenten, Kleidung, Zahnbürste, wichtigen Dokumenten und Taschenlampe. Einen Vorrat an Trinkwasser. Eine funktionierende Lichtquelle mit Ersatzbatterien. Ein batteriebetriebenes Radio ist ebenfalls hilfreich, um im Stromausfall informiert zu bleiben. Das waren vier, aber sie sind alle notwendig.

Wie kann die Kommunikation im Krisenfall sichergestellt werden, auch beim Katastrophenschutz?
Im Donnersbergkreis werden bei einem Stromausfall bei größeren Ereignissen innerhalb von 30 Minuten alle Feuerwehrgerätehäuser besetzt. Diese dienen als Anlaufstellen für Informationen oder Notrufe. Die Einsatzkräfte nutzen weiterhin Analogfunk und die Verwaltung Satellitentelefone, so bleibt die Verbindung auch ohne Internet oder Mobilfunk bestehen.

Was raten Sie für den Fall, dass sich Familienmitglieder im Ernstfall nicht erreichen können?
Vorher einen Treffpunkt festlegen. Mit Familie in der Nähe kann das das Haus der Großeltern sein. Ohne familiäre Anlaufstelle sollte es ein allgemein bekannter Ort sein, etwa Schule oder Dorfplatz. Wichtig ist, dass alle wissen, wo sie sich im Notfall wiederfinden.

THW-Einsatz bei Stromausfall in Berlin: Alternative Kommunikationswege und eigene Vorräte helfen, die ersten Tage ohne Versorgun
THW-Einsatz bei Stromausfall in Berlin: Alternative Kommunikationswege und eigene Vorräte helfen, die ersten Tage ohne Versorgung zu überbrücken.

Wie können Eltern Kinder einbeziehen, ohne Angst zu erzeugen?
Nicht mit den größten Katastrophenszenarien beginnen. Kinder sind neugierig und an Themen wie Erste Hilfe interessiert und haben meistens keine Berührungsängste. Spielerische Ansätze funktionieren gut: alle Lichter ausschalten und mit Taschenlampen durchs Haus gehen, Pflaster kleben üben, ohne Strom kochen. Das gibt Kindern das Gefühl, nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Es gibt auch Erste-Hilfe-Kurse speziell für Kinder.

Welche Aufgaben können schon Kinder übernehmen?
Taschenlampe holen, Trinkflasche füllen, den vereinbarten Treffpunkt aufsuchen oder einfache Verhaltensregeln im Brandfall beachten, zum Beispiel Fluchtwege kennen und wissen, was zu tun ist, wenn Rauch vor der Tür steht.

Info

Der Kurs: „Notfallvorsorge – mit einfachen Mitteln vorbereitet sein“ findet am Donnerstag, 26. Februar 2026, von 19 bis 21 Uhr, in der Kreisverwaltung im großen Sitzungssaal in der Uhlandstraße 2 in Kirchheimbolanden statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung über die Kreisvolkshochschule Donnersbergkreis.

Zur Person

Björn Becker, Jahrgang 1977, ist in Eisenberg aufgewachsen und lebt auch heute dort. Bereits seit seinem 10. Lebensjahr engagiert er sich ehrenamtlich, beruflich war er fast 20 Jahre im Bereich Energieversorgung und erneuerbare Energien tätig, bevor er ein berufsbegleitendes Masterstudium in „Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement“ absolvierte. Er wirkte im Corona-Krisenstab des Landkreises mit und leitete das Landesimpfzentrum in Kirchheimbolanden. Seit 2022 ist er hauptamtlich in der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung tätig, mit Schwerpunkt Krisen- und Risikomanagement. Seine Erfahrungen hat er bei zahlreichen Einsätzen von der Flüchtlingslage 2015 über die Hochwasserkatastrophe 2021 bis zur Ukraine-Hilfe 2022 gesammelt.

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