Donnersbergkreis Wer darf mit wem – und wer darf zuerst?

„Wann bin ich endlich dran?“ . Bereits nach der ersten Runde Kartoffellegen werden die zwölf Münsterappeler Erstklässler ungeduldig. Zum zweiten Mal hat die Grundschule die Setz-Aktion auf dem Acker von Ernst Feickert, Opa des Erstklässlers Jakob, organisiert. Nun treiben die Schüler auf einem Feld zwischen Sankt Alban und Gaugrehweiler in gut einer Stunde zehn Kilo „Grumbeere“ unter die Erde – eine Arbeit, die ihnen sichtlich einen Heidenspaß bereitet. Im Herbst werden die Knollen dann ebenfalls eigenhändig von den Schülern ausgemacht und zu allerhand Leckereien verarbeitet. Die gibt es dann auf ihrem „Grumbeer-Fest“ zu probieren.

Doch zunächst müssen die Kartoffeln unter die Erde. Die Idee für die Aktion war vor zwei Jahren entstanden, als der Verband für Kartoffelbauern das Projekt „Kids an die Knolle“ gegründet und den teilnehmenden Schulen jeweils zehn Kilo Setzkartoffeln gesponsert hatte – darunter die Münsterappeler Regenbogenschule. Diese hatte mit „Opa Ernst“ – Enkel Moritz war damals in der 3. Klasse – den Besitzer eines Ackers an der Hand. Der kleine Ausflug in die Welt der Landwirtschaft war damals sowohl bei Eltern als auch bei den Kindern so gut angekommen, dass die Münsterappeler Grundschule das Kartoffelpflanzen beibehalten wollte. Im vorigen Jahr musste die Aktion dann jedoch witterungsbedingt abgesagt werden. Und auch dieses Jahr zitterten Schüler und Lehrer am Morgen, ob es das Wetter gut mit ihnen meint. Letztendlich blieb es dann doch trocken und die Klasse machte sich mit ihrer Lehrerin Karin Mayer auf den Weg zum Ackerstück, das speziell für sie freigehalten worden ist. Hier warteten rund 350 Quadratmeter unbewirtschaftetes Land darauf, von den emsigen Kinder bepflanzt zu werden. Kaum sind diese am „Tatort“ angekommen, gehen bereits die ersten Diskussionen los: Wer darf mit wem und vor allem zuerst auf den 50 Jahre alten Legeapparat. Als das mit Hilfe ihrer Lehrerin geklärt ist, besteigen jeweils zwei Schüler das Gerät, das von Opa Feickert mit dem Traktor gezogen wird. Dort setzen sie sich auf die Plätze hinter dem Korb, in dem sich die zu legenden Kartoffeln befinden. Die Maschine zieht im Acker eine Furche, durch ein Rohr befördern die „Leger“ die Knollen in die Erde. Ein Abstandhalter gibt den Takt vor und signalisiert mit einem klackenden Ton den genauen Fall-Abstand von Knolle zu Knolle. Danach wird die Furche maschinell mit Erde bestückt. Den Feuereifer, mit dem die kleinen „Grumbeerbauern“ bei der Sache sind, bringt Milea auf den Punkt: „Das ist voll krass!“ Die begeisterten Kinder können gar nicht genug von der landwirtschaftlichen Arbeit bekommen. Sichtlich enttäuscht, dass ihr Einsatz schon vorbei ist, steigt Leonie vom Legegerät:„Ich wollte am liebsten das ganze Feld machen!“ Aber auch die „Arbeitslosen“, die gerade nicht im Einsatz sind, können auf dem Acker von Nacktschnecken oder Regenwürmern allerlei entdecken. Langeweile gibt es während der gut einstündigen Aktion jedenfalls keine. „Die meisten Kindern kennen das ja gar nicht mehr“, sagt Silke Wasem, Mutter von Jakob und Schwiegertochter von Opa Feickert. So lernen Kinder spielerisch die Landwirtschaft kennen und sehen, wie gearbeitet wurde, als es noch keine riesigen Maschinen gegeben hat. Und sie wissen nun auch, wo die Kartoffeln im Supermarkt her kommen. In den kommenden Monaten betreut Ernst Feickert die Grundschul- Kartoffeln. Mayer hofft, dass sie und ihre Schülern das Feld an einem Wandertag besuchen und ihre Kartoffeln persönlich in Augenschein nehmen können. Bei der Aktion vor zwei Jahren war Jakobs älterer Bruder Moritz dabei: Er hatte übers Jahr Fotos von der Entwicklung der Kartoffeln gemacht, seinen Schulkameraden gezeigt und erklärt. Mal sehen, ob Jakob in seine Fußstapfen treten wird. Ihm und seinen Mitschülern wäre es am liebsten, die Kartoffeln seien jetzt schon ausgewachsen und könnten herausgeholt werden. Schließlich macht Arbeit mächtig hungrig. Trotzdem müssen sie sich noch bis September gedulden: Dann können die Kinder die Kartoffeln selbst ernten. Wie beim letzten Mal plant Mayer erneut ein „Grumbeer-Fest“. 2012 hatte die Koch-AG der Schule die Erdäpfel in allerhand Leckereien verwandelt. Da es die AG nicht mehr gibt, wird die Lehrerin die Ernte voraussichtlich mit ihrer ganzen Klasse verarbeiten. Pommes und Kartoffelpuffer sind nur zwei Beispiele für die Gerichte, was die Kinder vor zwei Jahren aus ihren Kartoffeln gezaubert haben. Und Mayer hat noch einen ganz speziellen Tipp parat: „Grumbeer-Amerikaner – Die sind wirklich lecker!“. Nicht nur zum Essen sind die Erdäpfel aber nützlich: So hatte es etwa auch eine Kartoffel-Druck-Station gegeben. Gegen Ende hin müssen sich die fleißigen Kinder ranhalten: Dunkle Wolken ziehen auf, kurz darauf fällt der eine oder andere Tropfen auf die Erde. Der richtige Regen folgt aber erst, als die Erstklässler mit ihrer Arbeit fertig sind. Zehn Kilo Setzkartoffeln liegen in der Erde und werden direkt bewässert – beste Voraussetzungen für ein gutes Wachstum.

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