Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Weil Betreiber in Dubai festsitzt: Lokal bleibt geschlossen

Altin Skerma (vorne) sitzt mit seiner Frau, seiner Tochter und deren Freund nach einem Urlaub in Dubai fest. Dort spüren die vie
Altin Skerma (vorne) sitzt mit seiner Frau, seiner Tochter und deren Freund nach einem Urlaub in Dubai fest. Dort spüren die vier die Auswirkungen des Nahostkonflikts hautnah.

Familie Skerma wollte in den Emiraten urlauben. Jetzt sitzen die vier verängstigt in einem Hotel. Die Lage birgt finanzielle Konsequenzen – und hat Folgen für Skermas Gäste.

Explosionen, die den Boden unter den Füßen beben und den Beton der Hauswände vibrieren lassen. Ohrenbetäubender Lärm tönt durch die Straßen, wenn Kampfflugzeuge und Hubschrauber durch die Luft jagen. Dazu meterlange Schlangen vor den Hotelrezeptionen, weil alle Urlauberinnen und Urlauber den Nahen Osten sowie das dortige Kriegsgebiet schnellstmöglich verlassen wollen, aber bis auf Weiteres vor Ort festsitzen. Was nach Szenen aus einer Fernsehübertragung klingt, ist für Altin Skerma aus Kirchheimbolanden und seine Frau sowie Tochter Jasna und ihren Freund Alexander Schäfer aktuell Realität.

Alles begann für die vier als entspannter Familienurlaub im malerischen Dubai. Doch schnell wurde daraus eine Extremsituation. Wegen des andauernden Nahostkonflikts zwischen dem Iran und Israel sowie den USA sind viele Lufträume im Nahen Osten gesperrt. Unzählige Reisende sitzen fest. So auch die Skermas und Schäfer. Der Flughafen in Dubai wurde durch einen iranischen Luftschlag beschädigt, die vier Urlauber bekamen die Detonation hautnah mit. Denn ihr aktuelles Hotel befindet sich nur zehn Gehminuten vom Flughafen entfernt.

Jasna Skerma erzählt im Telefonat mit der RHEINPFALZ: „Wir sind am 18. Februar von Stuttgart aus mit Eurowings nach Dubai geflogen. Am 28. Februar sollten wir zurückfliegen, aber da waren der Flughafen schon geschlossen und der Luftraum gesperrt.“ Im Hotel, das die vier während ihres Urlaubs besuchten, konnten sie nicht bleiben. Eurowings stellte darauf Gutscheine für ein anderes Hotel aus, in dem sie mit ihren Eltern und ihrem Freund aktuell weilt.

Luftangriffe: „Natürlich hat man Angst“

Den Transport vom Flughafen zum Hotel organisierten sie auf eigene Faust mit dem Taxi. Jasna Skerma betont, dass sie sich allein gelassen fühlten: „Unsere Umbuchung ist sehr schlecht organisiert und die Kommunikation mit dem Hotelpersonal ist wegen der Sprachbarriere schwierig.“ Es sei eine sehr beängstigende und schwierige Situation. Die junge Frau ist hörbar emotional, dann versagt ihr die Stimme und sie reicht das Telefon an ihren Freund Alexander Schäfer weiter.

Der ordnet die Erlebnisse der vergangenen Tage chronologisch ein: Nachdem die vier auf ein anderes Hotel gebucht wurden, gab es vor Ort zunächst nur ein Zimmer für Altin Skerma und seine Frau. „Wir mussten lange auf das Hotelpersonal einreden, dass wir das Zimmer zu viert beziehen dürfen. Anfangs war das Hotel nämlich komplett überfüllt.“ Die vergangenen Tage sind laut Schäfer dann ein Auf und Ab gewesen. „Durch die Luftangriffe und Explosionen, die man immer wieder hört, hat man natürlich Angst. Und weil wir das Hotel nicht verlassen sollen, befindet man sich in einem Wartestand. Man kann nichts tun“, beschreibt der junge Mann.

"Dann sind alle in den Hotelkeller gerannt, um Schutz zu suchen."

– Alexander Schäfer, sitzt in Dubai fest

Die Szenen, die sich vor Ort abspielen, machen das Warten für die Skermas und Schäfer nicht leichter. „Als wir noch in unserem ersten Hotel waren, kamen plötzlich Leute von der Straße hereingerannt, die von einer Explosion weggelaufen sind“, erinnert Schäfer sich. Einen Tag später habe es nachts einen Luftalarm gegeben. „Dann sind alle in den Hotelkeller gerannt, um Schutz zu suchen.“

Lokal in Kibo geschlossen – Gäste unwissend

Am Dienstag wurde die Lage für die vier Reisenden dann sogar noch ernster: Der durch die Fluggesellschaft ausgestellte Hotelgutschein war nur bis zum 3. März gültig. Ein neuer wurde bisher nicht ausgestellt. Und das Hotel möchte seine Kosten natürlich gedeckt haben. Schäfer schildert: „Noch wissen wir nicht, wie es weitergeht. Wir versuchen schon den ganzen Vormittag, Eurowings und unseren Reiseveranstalter Dertour zu kontaktieren. Bisher hatten wir damit noch keinen Erfolg“, sagt Schäfer am Dienstagnachmittag.

Wenn Eurowings oder Dertour die Kosten für die Familie nicht übernehmen, müssten diese sie im Notfall selbst tragen. Finanziell wäre das eine enorme Belastung, vor allem aus zwei Gründen: „Laut unseren aktuellsten Infos sollen wir erst am 9. März ausreisen können. Solange müssen wir also noch eine Unterkunft haben. Hinzu kommt, dass wir aktuell keine Einnahmen haben“, sagt Schäfer.

Das Restaurant „Piemont“ ist geschlossen, die Gäste können von den Betreibern aber nicht informiert werden. Zumindest ein Zettel
Das Restaurant »Piemont« ist geschlossen, die Gäste können von den Betreibern aber nicht informiert werden. Zumindest ein Zettel am Eingang weist auf die besondere Situation hin.

Altin Skerma betreibt mit seiner Familie das Restaurant Piemont in der Marnheimer Straße. Wegen der aktuellen Lage, in der sich die Familie befindet, muss das Lokal bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Das große Problem aus Betreibersicht: Von Dubai aus können die Skermas nicht direkt mit den Restaurantgästen kommunizieren. Alexander Schäfer klärt auf: „Das Restaurant ist seit Tagen eigentlich voll reserviert, am kommenden Wochenende waren außerdem Feiern geplant. Die Leute gehen wahrscheinlich davon aus, dass das Restaurant geöffnet ist, und wir können keinen Kontakt aufnehmen.“ Lediglich einen handgeschriebenen Zettel mit Infos hat Skerma an der Tür des Lokals anbringen lassen.

Konsulate sprechen Empfehlungen aus

Ungewissheit umtreibt die Reisegruppe aus Kirchheimbolanden außerdem, weil sich die Situation vor Ort gefühlt stündlich verändert. Schäfer schildert: „Ich habe das deutsche Konsulat kontaktiert. Das empfiehlt Reisenden, drinnen zu bleiben und sich von Fenstern fernzuhalten.“ Die Skermas sind italienische Staatsbürger, doch das italienische Konsulat empfiehlt Ähnliches, wie Jasna Skerma sagt.

Grundsätzlich wurde den vier Urlaubern zusätzlich die Möglichkeit aufgezeigt, die Emirate über den Landweg in Richtung Oman oder Saudi-Arabien zu verlassen. Dort könnten sie versuchen, einen Rückflug nach Deutschland zu bekommen, weil der Luftraum noch offen ist. „Doch es ist nicht sicher, ob wir überhaupt über die Landesgrenzen kommen würden. Deswegen bleiben wir hier im Hotel und versuchen, das Problem der Hotelkosten zu lösen“, sagt Schäfer.

Das Restaurant Piemont in Kirchheimbolanden muss bis zu Skermas Rückkehr geschlossen bleiben.
Das Restaurant Piemont in Kirchheimbolanden muss bis zu Skermas Rückkehr geschlossen bleiben.

Auch politisch sei die Lage schwer zu überblicken. „Wir haben Gerüchte gehört, dass Hotelkosten in Dubai und Abu Dhabi von der Regierung übernommen werden sollen, aber das stimmt nicht. Wir haben aber eine Mitteilung erhalten, dass die Regierung gestrandete Urlauber unterstützen soll“, erläutert Schäfer. Auf welchem Weg das passieren soll und könnte – das ist eine weitere Unbekannte für die Reisegruppe.

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