Steinbach
Warum das Keltendorf in dieser Saison wohl nicht mehr öffnet
Das Keltendorf in Steinbach ist eine Touristenattraktion und ein Alleinstellungsmerkmal für die Nordpfalz. Seit 22 Jahren strömen alljährlich ab Ostern Tausende Besucher durch das Tor im hölzernen Palisadenzaun. Schulklassen, Gruppen und Einzelgäste ließen sich von geschichtskundigen ehrenamtlichen Helfern das Alltagsleben der Kelten erklären oder nahmen an Mitmachaktionen teil. Ein Publikumsmagnet war immer auch das Samhain-Fest zum Saisonabschluss.
In diesem Jahr ist jedoch alles anders: Die Tore bleiben vorerst geschlossen. Der Grund sind gravierende Schäden an den Gebäuden. Reine Ausbesserungen, wie in den vergangenen Jahren, reichen nicht mehr aus. „Die Gebäude wurden nach keltischen Originalbefunden konstruiert“, erklärt Ingrid Dietz, Geschäftsführerin des Trägervereins Keltendorf am Donnersberg und hauptberuflich beim Donnersberg-Tourist-Verband (DTV) beschäftigt. Der DTV wiederum ist Mitglied im Verein Keltendorf.
Historische Bauweise macht Probleme
Gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden, dem Steinbacher Ortsbürgermeister Dirk Schneider, zeigt Ingrid Dietz die Problemstellen. Weil man beim Bau möglichst nah am historischen Vorbild bleiben wollte, übernahm man auch die damalige Bauweise. Dazu gehört, dass die Häuser kein Fundament haben. Die unteren Querbalken liegen direkt auf dem Boden auf, die senkrechten Pfosten wurden 80 bis 100 Zentimeter tief in die Erde gesetzt. Die Gefache dazwischen sind mit Flechtwerk und Lehm gefüllt und verputzt.
Genau in dieser Bauweise liegt heute das Problem: Die senkrechten Balken sind da, wo sie im Boden stecken, größtenteils verrottet. Dietz zeigt Stellen, wo das besonders gut zu sehen ist. „Wir wissen, dass die Häuser in keltischer Zeit nur eine Standfestigkeit von ungefähr 20 Jahren hatten. Dann wurden sie erneuert“, erläutert sie. Würde das Dorf heute gebaut, würde man deshalb vermutlich nicht mehr ganz auf Authentizität setzen, sondern die Häuser mit einem soliden Fundament ausstatten.
Dem Verein fehlt das Geld für die Sanierung
Die notwendige Sanierung dürfte teuer werden. Der Verein selbst verfügt nur über begrenzte Mittel. „Wir haben keine Riesengewinne erwirtschaftet“, sagt Schneider, „und das meiste wurde gleich wieder in die Instandhaltung gesteckt.“ Inzwischen war ein Fachgutachter vor Ort und kam zu dem Ergebnis, dass eine gründliche Gebäudesanierung nötig ist. Aktuell wartet der Verein noch auf die Kostenschätzung. Erst dann kann die Suche nach Geldgebern beginnen.
Klar ist laut Dietz aber schon jetzt: Es wird mehrere Gewerke betreffen. Vermutlich müssen bei allen Gebäuden die Basisbalken ausgetauscht und Betonfundamente eingezogen werden. Die übrigen Balken seien dagegen noch in Ordnung: „Das ist Eichenholz, das hält lange.“ Wahrscheinlich komplett neu gebaut werden muss dagegen das Grubenhaus. Dessen Balken bestehen aus weniger widerstandsfähigem Nadelholz, zudem ist die Tenne gerissen. Auch am Aussichtsturm müssen Hölzer ersetzt werden, vor allem im unteren Bereich.
Am besten wäre ein Großsponsor
Für die Sanierung wird der Verein voraussichtlich auf Spenden angewiesen sein. Am besten wäre es, wenn sich ein Großsponsor fände. Auf Fördermittel zu setzen, dürfte eher schwierig sein, so Dietz, da oft eher Neubauten gefördert würden, reine Sanierungsmaßnahmen dagegen nicht. Ob noch in dieser Saison mit den Arbeiten begonnen werden kann und ein Teil im laufenden Betrieb möglich ist, ist offen. „Sobald die Kostenschätzung da ist, wollen wir auf jeden Fall einen Masterplan machen“, sagt Dietz. „Vielleicht schaffen wir es ja.“
Der Name „Dorf“ ist übrigens nur bedingt treffend. Tatsächlich handelt es sich eher um ein größeres Gehöft, das einer keltischen Siedlung aus dem Kreis Germersheim nachempfunden wurde. Es gibt fünf größere Häuser und ein Grubenhaus. Der fast zwölf Meter hohe Aussichtsturm hat dagegen keinen historischen Bezug. Bauherr war der Donnersbergkreis, gefördert wurde das Projekt von Land und EU. Eingeweiht wurde das Keltendorf im Frühjahr 2004.