Meinung
Wandermarathon-Absage: Der Wald ist kein Null-Risiko-Raum
Am Donnersberg sind zuletzt gleich zwei populäre Veranstaltungen geplatzt: der Donnersberg Trail und der Donnersberger Wandermarathon. Die Veranstalter machen verschärfte Sicherheitsauflagen im Wald dafür verantwortlich – und haben am vergangenen Wochenende in Steinbach öffentlich dagegen protestiert. Die Protestkundgebung war richtig und wichtig. Denn es geht ja nicht nur um diese beiden Veranstaltungen, sondern um Grundsätzliches. Wenn Veranstalter, Ehrenamtliche und Kommunalpolitiker gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass organisierte Veranstaltungen im Wald unter den aktuellen Vorgaben kaum noch durchführbar sind, dann ist das ein notwendiger Warnruf, der hoffentlich auch über die Grenzen des Donnersbergkreises hinaus gehört wird.
Natürlich gehört zur Ehrlichkeit in der Debatte auch: Der Wald ist nicht mehr derselbe wie noch vor einigen Jahren. Klimawandel, Trockenheit und geschädigte Bestände erhöhen das Risiko durch Astbruch und instabile Bäume. Darauf hinzuweisen, ist nicht übertrieben, sondern verantwortungsvoll. Wer diese Realität ignoriert, macht es sich zu einfach.
Aber ebenso richtig ist: Wenn am Ende immer höhere Sicherheitsanforderungen dazu führen, dass größere Veranstaltungen vorsorglich abgesagt werden, dann läuft etwas schief. Denn damit wird ein Lebensbereich, der vom Mitmachen, vom Ehrenamt und von regionaler Verbundenheit lebt, Stück für Stück abgeräumt. Gerade Veranstaltungen wie der Donnersberger Wandermarathon oder der Donnersbergtrail sind weit mehr als bloße Freizeitangebote. Sie sind Aushängeschilder einer Region, Treffpunkte für Menschen und Ausdruck einer gewachsenen Vereinskultur.
Die Teilnahme am Leben birgt ein Risiko
Dass das zuständige Forstamt bei den Absagen auf rechtliche Vorgaben verweist und selbst nur wenig Spielraum sieht, zeigt, wo das eigentliche Problem liegt: in einem Regelwerk, das in der Praxis kaum noch vernünftige Lösungen zulässt. Das selbst aber wahrscheinlich die Antwort auf die gesellschaftliche Tendenz ist, sich gegen alle auch nur erdenklichen Gefahren abzusichern.
Das aber führt in die falsche Richtung. Es muss auch weiterhin gelten, dass das Betreten des Waldes grundsätzlich auf eigene Gefahr erfolgt — und zwar nicht nur beim Sonntagsspaziergang, sondern auch bei organisierten Wander- und Laufveranstaltungen. Erwachsene Menschen können sehr wohl einschätzen, dass ein Aufenthalt im Wald nie völlig risikofrei ist. Das ist aber die Teilnahme am Leben generell nicht. Wer für sich jede Gefahr vorab ausschließen will, der muss sich mit dem Helm auf dem Kopf zu Hause in sein Wohnzimmer setzen und für den Rest seines Lebens dort sitzenbleiben. Und selbst dann kann es ihm passieren, dass ihm irgendwann der Kronleuchter auf den Kopf fällt.
Ein Gemeinwesen, das nur noch versucht, jedes vorstellbare Risiko zu kontrollieren, nimmt sich am Ende selbst die Luft zum Atmen. Der richtige Weg wäre ein anderer: Risiken benennen, Teilnehmer informieren, Veranstalter zu vernünftigen und verhältnismäßigen Maßnahmen verpflichten — aber die Eigenverantwortung der Menschen nicht vollständig außer Kraft setzen. Wer in den Wald geht, der weiß, dass er sich in die Natur begibt – und eben nicht nur sein Wohnzimmer betritt.