Münchweiler / Alsenz
Vergiftete Hündin: Wie eine Familie mit dem tragischen Verlust umgeht
Der Horror begann für Michelle und Marco Böckly sowie die beiden Kinder der Familie Anfang Februar. „Ich war gegen 21 Uhr mit ihr unterwegs“, erinnert sich Marco Böckly. Der Spaziergang führte den 31-Jährigen mit der adoptierten Hündin Bella – wie so oft – in ein Waldstück nahe der Seiderstraße. „Sie hat an mehreren Stellen geschnüffelt und Gras gefressen. Für mich sah das ganz normal aus.“
Dass Bella wohl Gift zu sich genommen hatte, bemerkte die Familie zunächst nicht. Doch am nächsten Tag zeigten sich erste Symptome. „Sie war plötzlich sehr ruhig und kurzatmig“, erinnert sich Marco Böckly. Die Familie brachte die Hündin sofort zum Tierarzt. Nach einer Blutuntersuchung und wegen Verschlechterung ihres Zustands wurde Bella an eine Tierklinik überwiesen. Dort musste sie über Nacht bleiben. „Sie wurde operiert, aber die Schäden waren zu groß und sie hat die Not-OP nicht überstanden“, erzählt Marco Böckly. Zwei Tage nach dem verhängnisvollen Spaziergang ist Bella trotz intensiver tierärztlicher Behandlung gestorben. Die Diagnose: Rattengift.
Neunjährige Sohn vermisst Bella sehr
Bella war sechs Jahre lang ein Teil der Familie – fast ihr ganzes Leben lang. „Wir haben sie als Welpe aus einem Tierverein in Griechenland adoptiert, nachdem ihr erster Besitzer sie schlecht behandelt hatte“, erzählt die 29-jährige Michelle Böckly. „Hier war sie so eine liebevolle Hündin, besonders zu den Kindern.“ Ihre jüngste Tochter, erst 13 Monate alt, ruft noch nach Bella, hat den Verlust aber offenbar besser verkraftet als ihr neunjähriger Sohn. „Er vermisst sie sehr, sie sind zusammen aufgewachsen, deshalb ist es für ihn besonders schwer“, meint die Mutter.
Womöglich war Bella nicht das einzige Gift-Opfer, meint die Familie: Eine Nachbarin habe berichtet, dass bereits vier Wochen zuvor ein weiterer Hund in der Gegend vergiftet worden sei – dieser habe jedoch überlebt. Ob ein Zusammenhang bestehe, sei derzeit unklar. Die Böcklys haben den Vorfall bei der Polizei angezeigt. „Wir haben so schnell wie möglich eine Online-Anzeige gegen Unbekannt erstattet“, sagt Marco Böckly. Dabei legte die Familie die tierärztliche Diagnose vor, wonach Bella Rattengift aufgenommen hätte. „Ich habe den Behörden alles weitergegeben, was ich von den Tierärzten erfahren habe“, sagt der Familienvater.
Womöglich war Bella nicht das einzige Gift-Opfer
„Hätte so etwas auf dem Dorf nicht erwartet“
Die Polizei habe den Fall aufgenommen und signalisiert, ihn ernst zu nehmen. „Ein Polizist, der selbst einen Hund hat, meinte, sie würden verstärkt nach Hinweisen suchen“, sagt Böckly. Dennoch habe der Vorfall das Sicherheitsgefühl der Familie erschüttert. „Man fragt sich, ob es noch sicher ist, hier spazieren zu gehen“, sagt Michelle Böckly, die ursprünglich aus Kaiserslautern kommt. „Ich hätte so etwas vielleicht in der Stadt erwartet, aber nicht in einem Dorf“, ergänzt ihr Mann. Er weist zudem darauf hin, dass das Gift auch eine Gefahr für Kinder darstelle, wenn es einfach auf dem Boden liege.
Nun lebt die Familie nur noch mit ihrer Katze Mira zusammen. „Man merkt, dass auch sie Bella vermisst. Sie sitzt oft an ihrem Platz“, berichtet Marco Böckly. Besonders der Sohn frage häufig, ob sie irgendwann wieder einen Hund aufnehmen könnten. „Ich habe ihm erklärt, dass es für uns Erwachsene noch zu früh ist. Wir brauchen mehr Zeit, um diesen Verlust zu verarbeiten“, sagt er.



