Sportlerwahl RHEINPFALZ Plus Artikel TuS Landsberg Obermoschel: Ein harmonischer und breit aufgestellter Verein

Überaus erfolgreich: die TuS-Kickboxer unter der Leitung von Dirk Hilgert (links stehend).
Überaus erfolgreich: die TuS-Kickboxer unter der Leitung von Dirk Hilgert (links stehend).

Die TuS ist der „Verein des Jahres 2023“ im Donnersbergkreis. Der Klub kann sportlich einiges vorweisen. Ein Problem drückt derzeit aber etwas aufs Gemüt.

„Verein des Jahres 2023“ – das hat schon mal einen guten Klang. Jedenfalls, wenn am 8. Juli ab 18.30 Uhr in der Sporthalle in Obermoschel die Sportler des Jahres 2023 des Donnersbergkreises ausgezeichnet werden, ist auch die TuS Landsberg Obermoschel dabei. Sie wird dann eben als „Verein des Jahres 2023“ im Donnersbergkreis geehrt, aber nicht nur. Denn die TuS ist in diesem Jahr auch der Gastgeber der Ehrung. Anders als bei den Sportlern und Mannschaften wurde der Verein nicht von den Lesern der RHEINPFALZ gewählt, sondern vom Sportlerwahl-Beirat des Donnersbergkreises aus Vorschlägen der Leser und des Beirats ausgesucht.

„Dass wir Verein des Jahres 2023 geworden sind, zeigt auch, dass wir wohl irgendwo etwas richtig machen“, sagt der TuS-Vorsitzende Thorsten Körper und fügt an: „Sonst hätten wir nicht so viel Nachwuchs im Verein. So ungefähr die Hälfte aller aktiven Mitglieder sind Kinder und Jugendliche.“ Seit gut einem Jahr ist der 47-Jährige Vorsitzender der TuS Landsberg Obermoschel. Nach dem Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden Alexander Neu wurde Körper an die Vereinsspitze gewählt, Martin Schweitzer ist seitdem sein Stellvertreter. Ende April wurden beide bei der Mitgliederversammlung in ihren Ämtern bestätigt.

Thorsten Körper (rechts), der Vorsitzende der TuS Landsberg Obermoschel, und sein Stellvertreter Martin Schweitzer leiten seit e
Thorsten Körper (rechts), der Vorsitzende der TuS Landsberg Obermoschel, und sein Stellvertreter Martin Schweitzer leiten seit einem Jahr die Geschicke des Vereins.

Sie führen nun einen Verein, der eine lange Geschichte hat. Zunächst gab es in der Stadt, die in diesem Jahr ihr 625-jähriges Bestehen feiert, den Turnverein 1882 Obermoschel, dann kam der Sportverein Landsberg 1920/1921 Obermoschel hinzu. Nach dem Krieg fusionierten die beiden eigenständigen Vereine 1946 zu einer Sportgemeinschaft, zur Turn- und Sportgemeinschaft Landsberg Obermoschel.

Sechs Abteilungen

„Derzeit haben wir sechs Abteilungen“, berichtet Körper, der als Informationselektroniker arbeitet: „Tennis, Bogen, Fußball, Turnen, Trimm Dich und Kickboxen. Insgesamt haben wir etwa 350 Mitglieder.“ Altersmäßig sei es bei den Mitgliedern breit gestreut, berichtet Körper: „Die jüngsten sind im Kinderturnen. Das älteste Mitglied ist über 90 Jahre alt.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die in den vergangenen Jahren sportlich erfolgreichste Abteilung stellen die Kickboxer unter der Leitung von Dirk Hilgert, der die Sportler gemeinsam mit seiner Frau Olga trainiert. Mit Erfolgen bei Weltmeisterschaften machten sie die TuS Landsberg Obermoschel auch international bekannt. Alleine im vergangenen Jahr holten die TuS-Kickboxer bei der WM in München dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze.

Bogenschützen im Kommen

Doch eine andere Abteilung macht mittlerweile zumindest auf Kreis- und Landesebene auch von sich reden: die Bogenschützen. „Die Bogenschützen sind die jüngste Abteilung in unserm Verein“, erzählt Körper. „Die gibt es seit kurz vor Corona, seit 2019.“ Die Jugendarbeit der Abteilung, die von Sascha Sittel geleitet wird, hat bereits viele Talente hervorgebracht, die beachtliche Ergebnisse aufweisen können. So hatte sich zum Beispiel die damals 15-jährige Frieda Wagner im vergangenen Jahr für die deutschen Meisterschaften qualifiziert, wurde dort Neunte.

Die Bogenschützen bei einem Wettkampf in der Sporthalle.
Die Bogenschützen bei einem Wettkampf in der Sporthalle.

Der Lohn für die Erfolge der TuS Landsberg Obermoschel: Der Verein darf Ende August/Anfang September die Landesjugendmeisterschaften ausrichten. „Das machen wir auf unserem Sportgelände“, sagt Körper dazu. „Da wird auf dem Fußballplatz geschossen. Da kommen dann große Vereine, die auch hochkarätige Starter haben. Da versuchen wir, das Beste draus zu machen als Neuling.“

Turner größte Abteilung

Die größte Abteilung der TuS stellen allerdings die Turner, wie der Vorsitzende berichtet: „Die haben ja auch ein ganz breites Angebot: Da gibt’s zum Beispiel das Kinderturnen, Zumba, Strong Nation oder die Senioren.“

Auch der Fußball wird nach wie vor bei der TuS Landsberg Obermoschel groß geschrieben. Die Aktiven spielen in der B-Klasse Bad Kreuznach II in der Spielgemeinschaft SV Feilbingert/SG Nordpfalz. In der abgelaufenen Saison kamen sie auf den dritten Platz. Zunächst hatte die TuS ab 2012 als SG Nordpfalz mit dem SC Hallgarten in einer Spielgemeinschaft gespielt, wenig später kam dann Feilbingert hinzu. „Die Mannschaft ist über Feilbingert gemeldet“, erzählt Körper. „Weil da der Trainer herkommt, und die auch die meisten Spieler stellen. Davor haben wir und Hallgarten immer abwechselnd gemeldet, bis Feilbingert dazu kam. Die wollten im Kreis Bad Kreuznach spielen, nicht im Kreis Kirchheimbolanden.“

Die Fußballer auf dem Hartplatz.
Die Fußballer auf dem Hartplatz.

Corona „killt“ die AH

Auch die Jugendspieler der TuS kicken „in Spielgemeinschaften mit verschiedenen Nachbarorten“, sagt der TuS-Vorsitzende. In der vergangenen Saison gab es A-, D-, E- und F-Junioren. „Die A-Jugend gemeinsam mit Feilbingert läuft aber dieses Jahr aus“, erklärt er. Dafür wird es in der kommenden Saison dann wohl eine C-Jugend geben. Was die TuS allerdings nicht mehr hat, ist eine AH-Abteilung. „Wir hatten eine AH-Abteilung“, berichtet Körper. „Aber während Corona waren dann keine Spiele mehr. Und danach hatten wir – wir haben während Corona durchtrainiert – das Problem, dass es kaum noch andere AH-Mannschaften gab. Da war es schon schwierig, Spiele auszumachen. Und da ist das so ein wenig auseinandergefallen“, bedauert der 47-Jährige, der ebenfalls nach seiner Aktiven-Zeit in der AH gekickt hatte. Im Moment könnte er das allerdings nicht, selbst wenn es noch eine AH gäbe: „Ich habe seit etwa eineinhalb Jahren Probleme mit dem Knie.“

Und dann gibt es noch die kleine Tennisabteilung und die Abteilung Trimm Dich, in der sich Mitglieder nicht wettkampf-orientiert sportlich bei Volleyball, Boule oder Radfahren betätigen.

Alle diese Abteilungen brauchen natürlich auch ihre Trainingsmöglichkeiten. Doch hier ist die TuS gut aufgestellt. Neben der Turnhalle der Landsberg-Grundschule, in der auch die Sportlerehrung am 8. Juli stattfinden wird, „haben wir unseren Fußballplatz, den Tennisplatz, die Bogenanlage und den Mehrgenerationsplatz mit einem Volleyballfeld und einem Boule-Platz. Dirk Hilgert hat mit den Kickboxern ja sein eigenes Studio“, so Körper. „Die Bogenschützen teilen sich das hintere große Gelände mit dem Tennis. Wir haben zwei Plätze, die Tennis-Abteilung braucht aber nur einen. Das nutzen die Bogenschützen mit. Es ist auch eine richtige Bogenschießbahn entstanden, wo der Tennis-Hartplatz war, der abgerissen worden ist.“

Das Toilettenproblem

Aber die Anlage mit dem Sportheim am Hartplatz bringt nun dem Verein ein unerwartetes und ärgerliches Problem. „Wir haben nach 50 Jahren Betrieb für unser Sportheim Auflagen bekommen“, berichtet Körper, und der Ärger ist ihm anzuhören. „Ordnungs- und Gesundheitsamt waren da und haben uns erklärt, dass wir nun eine Personaltoilette im Sportheim einrichten oder unsere Toilettenanlage so umbauen müssen, dass wir Frauen-, Herren- und Personaltoilette haben. Darum haben wir aktuell auch keine Konzession.“

Ein Blick auf den Tennisplatz der TuS Landsberg Obermoschel.
Ein Blick auf den Tennisplatz der TuS Landsberg Obermoschel.

Abgesehen von dem reinen Ärgernis der Behörden-Auflage ist so etwas für den Verein dann auch eine finanzielle Belastung. „Mit maximaler Eigeninitiative brauchen wir da so etwa 10.000 Euro, die wir nicht wirklich hatten“, sagt Körper dazu. „Deswegen kommt uns die Ausrichtung der Sportlerehrung mit der Bewirtung der Gäste auch entgegen – und auch der Geldpreis, den wir als Verein des Jahres bekommen.“

Immerhin – und das ist die außersportliche Seite der TuS Landberg Obermoschel – mit Bewirtung und Veranstaltungen kennt sich der Verein bestens aus. Denn da ist er auch im Stadtleben sehr aktiv. „Wir sind der am größten vertretene Verein bei uns auf der Kerwe“, berichtet Körper. „Letztes Jahr haben wir die Kerwe sogar ganz allein gemacht, weil die anderen Vereine nicht mehr wollten. Nächstes Jahr kommen sie aber wieder dazu. Dieses Jahr ist es noch mal wegen der 625-Jahr-Feier der Stadt ganz was anderes. Da geht es von der Stadt aus, da machen alle Vereine mit.“ Auch auf dem Weihnachtsmarkt sei die TuS vertreten. „Ab und zu machen wir auch eine Musikveranstaltung.“

Stramme Tage vor der Ehrung

Über zu wenige Veranstaltungen am Wochenende vor der Sportlerehrung kann sich die TuS ganz sicher nicht beklagen. „Freitags ist das Theater beim Weingut Schmidt“, berichtet Körper. „Das hat sich dort angeboten, weil die eine Überdachung haben und eine eigene Bühne. Das ist auch von der Stadt aus wegen der 675-Jahr-Feier. Samstags ist eine Weinwanderung mit einer kleinen Band. Sonntags haben wir das große Familienfest, wo alle Vereine vertreten sind. Mit Vorführungen im Sportbereich. Zum Beispiel mit einer Vorführung im Kickboxen, einem kleinen Fußballfeld, das wir für die Jüngeren aufbauen, die Bogenschützen machen Blasrohrschießen in einem kleinen abgesperrten Bereich.“

Und dann montags die Sportlerehrung. „Das werden vier stramme Tage“, sagt auch der TuS-Vorsitzende. „Aber an den ersten beiden Tagen ist das nicht so viel Aufwand für uns mit Auf- und Abbau, weil da noch andere Vereine dabei sind wie zum Beispiel der Pfälzerwaldverein. Aber der Sonntag und Montag sind dann zwei große Fulltime-Veranstaltungen. Aber wir sind das gewohnt von unsere Kerwe. Da mache ich mir keinen Kopf, dass es nicht klappt.“

Genug Helfer

Denn ein Problem, das viele andere Vereine bei Veranstaltungen haben, hat die TuS nicht: „Bis jetzt war es immer so, dass wir genügend Helfer für solche Veranstaltungen zusammenbekommen haben“, sagt Körper. Auch genügend Leute für die ehrenamtliche Arbeit im Verein zu aktivieren, sei kein Problem: „Wir sind im Ausschuss plus Vorstandschaft zwölf Mitglieder. Da ist die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit da.“

Gar nicht lange überlegen muss Thorsten Körper auf die Frage, was für ihn die TuS Landsberg Obermoschel ausmacht, wenn er das in wenigen Sätzen zusammenfassen sollte: „Ein Punkt ist, dass sich die meisten Leute kennen“, sagt er. „Ein weiterer Punkt ist, dass ich noch nie erlebt habe, dass jemand über einen anderen oder eine andere Abteilung etwas sagt oder schlecht darüber redet. Der Begriff ,harmonisch’ drückt vielleicht ganz gut aus, was den Verein ausmacht.“

x