Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Tote Hose in der Innenstadt: Händler klagen, Bürgermeister will helfen

Verlassenes Pflaster: So sieht es häufig aus.
Verlassenes Pflaster: So sieht es häufig aus.

Viele Einzelhändler in der Innenstadt sind unzufrieden, ihre Umsatzzahlen sinken. Einhellige Meinung: Hier ist zu wenig los. Stadtchef Muchow hat Ideen zur Verbesserung.

Eine Umfrage unter 15 Geschäften in der Innenstadt der „Kleinen Residenz“ zeichnet ein ernüchterndes Bild: Viele Ladeninhaber klagen über ausbleibende Laufkundschaft. Zwar hat die Stadt in den vergangenen Monaten das Angebot an Veranstaltungen erweitert, etwa mit einem wöchentlichen After-Work-Weinabend am Donnerstag oder dem beliebten Wochenmarkt am Freitag, doch an den Umsatzzahlen der Geschäfte spiegelt sich dieser Aufwand kaum wider. Einige Händler und Händlerinnen bezweifeln sogar, dass solche Formate spürbar neue Kundschaft in die Innenstadt locken. Sie spüren: Die häufig gähnende Leere in der Stadt sorgt für gähnend leere Kassen.

Geisterstadt? Nein! Nur Kirchheimbolanden im Herbst an einem Dienstagmittag.
Geisterstadt? Nein! Nur Kirchheimbolanden im Herbst an einem Dienstagmittag.

Statt neuer, kauffreudiger Besucher setzen die meisten Geschäfte daher vor allem auf ihre Stammkunden. Mireille Butz, Inhaberin von Leder Butz, erzählt von früher: „Der Laden ist seit Jahren hier, und einst war viel mehr los. Heutzutage habe ich fast nur noch Kunden, die extra nach Kirchheimbolanden fahren.“ Viele andere Einzelhändler berichten Ähnliches: Die Stammkundschaft sorgt zwar für eine gewisse Grundsicherheit, reicht aber nicht aus, um Umsatzrückgänge auszugleichen.

Kibo hat das Problem nicht exklusiv

„Ich habe mir schon überlegt, eine Webseite für Online-Verkauf zu erstellen“, sagt Doraci Schölch, Leiterin des italienischen Modegeschäfts Linda Moda, das erst vor sechs Monaten eröffnet hat. Für sie ist Online-Shopping gerade in der Mode- und Kosmetikbranche einer der Hauptgründe, warum die Frequenz in der Innenstadt schwach bleibt. Marina Haar, Angestellte der Parfümerie Waas, ergänzt: „Die Menschen fahren oft in größere Städte, um mehr Auswahl zu haben, und weil es dort eben häufig die Möglichkeit gibt, alles an einem Ort zu bekommen.“ Mainz, Frankfurt, Kaiserslautern, Mannheim – das sind Konkurrenten. Wer mehrere Dinge benötigt, der kauft dort ein.

Auch hier: Keine Kunden für die Einzelhändler.
Auch hier: Keine Kunden für die Einzelhändler.

Bei diesen beiden Argumenten setzt auch Stadtbürgermeister Marc Muchow an: „Das Problem, dass in Innenstädten weniger los ist, das hat Kirchheimbolanden nicht exklusiv. Das trifft andere Städte in der Pfalz, in Rheinland-Pfalz, in ganz Deutschland genauso“, sagt er. Als Gründe nennt der Stadtchef ebenfalls „Online-Shopping und die großen Märkte außerhalb des Zentrums.“ Das sei für viele problematisch. Und derzeit fehle es in dieser Hinsicht überall an einem Patentrezept für die Heilung. „Wir wollen aber weiterhin die Einzelhändler unterstützen“, sagt Muchow. Nur wie? „Indem wir den Freizeitwert der Innenstadt hochhalten.“ Funktionieren soll das weiter mit verschiedenen kleinen Veranstaltungen, möglichst 14-tägig. „Wir versuchen hier die Rahmenbedingungen für Einzelhändler zu schaffen. Die Geschäfte selbst zu führen oder als Stadt Läden zu eröffnen – das können wir natürlich nicht leisten“, sagt Muchow.

Auf dem Römerplatz findet immerhin donnerstags der After-Work-Weinabend statt und freitags der Wochenmarkt. Dann ist die Stadt b
Auf dem Römerplatz findet immerhin donnerstags der After-Work-Weinabend statt und freitags der Wochenmarkt. Dann ist die Stadt belebt.

Mehr Parkplätze, mehr zahlungskräftige Kunden?

Zudem wird die Parksituation von vielen Befragten kritisiert. Eine Anwohnerin beschreibt die Lage so: „Die Parksituation ist schwierig, weil wir 60- bis 70-Jährige haben, die näher am Zentrum parken müssen, aber die Parkplätze sind immer voll.“ Auch die Drei-Stunden-Regel auf dem Parkdeck ist in ihren Augen wenig attraktiv für Berufstätige und Anwohner. „In den oberen Etagen des Parkhauses gibt es Platz, aber unten, wo man ganztägig kostenfrei sein Fahrzeug abstellen kann, da ist es immer voll.“ Allerdings ist das Parkhaus auch nicht für Dauerparker gedacht, sondern für Menschen, die in der Stadt einkaufen, ein Eis essen oder etwas trinken gehen wollen.

Sofia Schäfer, Betreiberin von Konditorei, Confiserie und Café Enkler, berichtet von den Folgen der Sperrung der zentral gelegenen Tiefgarage unterm Römerplatz: „Das zieht sich schon seit Monaten, und unsere Kundschaft, sie kann nicht so weit laufen und immer wenn wir ein großes Event in der Stadt haben, was natürlich gut ist, findet man kaum Platz zum Parken“. Viele ihrer Kunden würden inzwischen auf Fahrgemeinschaften zurückgreifen, um hohe Gebühren zu vermeiden.

Hübsch, aber verlassen: das Zentrum der „Kleinen Residenz“.
Hübsch, aber verlassen: das Zentrum der »Kleinen Residenz«.

Für Bürgermeister Muchow hat Kirchheimbolanden „kein Parkplatzproblem“. Er kenne kaum eine Stadt, die diesbezüglich so attraktiv sei und so kulant, was das Angebot betreffe. Gerade das Parkdeck sei ein Magnet. Derzeit arbeite die Stadt dennoch an einem ganzheitlichen neuen Parkkonzept. Es werde dabei auch weiterhin kostenfreie Parkplätze geben – aber nicht mehr so, dass 14 Tage Dauerparken möglich sind. „Das ist nicht notwendig“, findet Muchow. Details zum Konzept und der Umsetzung verriet er noch nicht. Bei der Tiefgarage unterm Römerplatz geht Muchow (CDU) derzeit nicht von einer schnellen Wiedereröffnung, aber auch nicht von einer dauerhaften Schließung aus. Prüfungen laufen.

Keine Struktur bei den Öffnungszeiten

Neben Parkplätzen und Online-Konkurrenz nennen Befragte auch fehlende Angebote für Familien und ältere Besucher als Grund für die schwache Entwicklung. „Die Wasserbühne ist nicht mehr da und die Spielzeuge für die Kinder auch nicht“, betont Mireille Butz von Leder Butz. Auch bei den Öffnungszeiten herrsche keine Abstimmung: „Es gibt keinen Kanal, um sich untereinander zu koordinieren – jeder entscheidet für sich“, so Doraci Schölch. Für sie sind neue Veranstaltungen im Zentrum zwar grundsätzlich positiv, aber nicht immer relevant: „Der After-Work-Wein ist für mein Geschäft nicht so interessant, denn er findet spät am Nachmittag und bis in den Abend hinein statt, und führt selten zu Verkäufen“, sagt sie.

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