Donnersbergkreis Tod eines Maurers lässt Bahndirektion eher kalt

In unserer Serie „Schnappschüsse von früher“ veröffentlichen wir in loser Folge alte Fotos und ihre Geschichten. Die heute veröffentlichten Aufnahmen hat uns unser Mitarbeiter Egon Busch zur Verfügung gestellt. Aus seiner Feder stammt auch der Text.
Das Foto aus dem Jahr 1963 zeigt die Fußgängerbrücke über die Alsenztalbahn in Münchweiler, so wie sie ursprünglich einmal war. 2002 wurde sie abgerissen und durch eine neue im gleichen Stil ersetzt. Die 50 Kilometer lange Bahnlinie Hochspeyer-Ebernburg, über die sie führt, wurde im Herbst 1868 mit dem Bau des Schorlenbergtunnels begonnen. Am 21. August 1870 fuhr die erste Lok von Hochspeyer bis Winnweiler. Die Strecke war zweigleisig geplant und angelegt worden, doch erst 1900/1901 wurde das zweite Gleis verlegt. 1907 existierte, unmittelbar neben dem heutigen Haltepunkt gegenüber des Bürgerhauses, ein beschrankter Bahnübergang, der vom auf halbem Weg zum Langmeiler Bahnhof gelegenen Weichenstellerhaus aus bedient wurde. Der Gemeinderat wollte damals erreichen, dass an diesem Bahnwartposten Nr. 2121 ein Bahnwärter zum Bedienen der Schranken stationiert werden sollte, da man der Ansicht war, dass von dem rund 500 Meter entfernten Weichenstellerhaus der Übergang nicht richtig eingesehen werden konnte. Deshalb wandte man sich an die Direktion der Pfalzbahnen in Ludwigshafen. Als der Antrag abgelehnt wurde, wandte sich das Bürgermeisteramt mit der Bitte um Unterstützung an das königliche Bezirksamt in Rockenhausen. Zur Begründung wurde angeführt, dass es sich um die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit handele, dass es um den Schutz von Leben und Eigentum gehe, da der Übergang einer der verkehrsreichsten überhaupt auf dieser Strecke sei. Das wollte natürlich schon etwas heißen, denn es gab damals entlang dieser Strecke 83 solcher Sicherheitsanlagen wie Schranken, Signale und Bahnübergänge. Doch längst handelte es sich auch nicht mehr um eine bedeutungslose Nebenstrecke, nutzte doch bereits seit Sommer 1872 das Schnellzugpaar Köln-Basel die Strecke, führte seit 1882 auch die Fernverbindung Holland-Schweiz-Italien darüber. Ab 1891 wurde ein weiteres Nachtschnellzugpaar Basel-Köln auf die Alsenztalstrecke gelegt. In den Jahren 1903/04 verkehrten täglich sechs Schnellzug- und zehn Personenzugpaare, dazu noch Güterzüge. Die Direktion in Ludwigshafen verwies darauf, dass ja an diesem Übergang vor dem Schließen der Schranken ein langes Läuten ertöne, das die Sicherheit der Passanten wesentlich erhöhe. Außerdem empfahl sie der Gemeindeverwaltung, die bahnpolizeilichen Bestimmungen „das Überschreiten der Bahn“ betreffend nochmals allgemein bekanntzumachen. Danach verwies der Rat auf die Möglichkeit, dass ja auch taube Passanten den Übergang benutzen könnten, die das Vorläuten nicht hören könnten, und erhielt daraufhin zur Antwort, dass die ja sehen könnten, wann sich die Schranken in Bewegung setzten und dann eben stehen bleiben müssten. Außerdem war man in Ludwigshafen der Meinung, dass es sich hier um einen wenig frequentierten Übergang handle, der von Fuhrwerken nur während der Heuernte mal für kurze Zeit benutzt würde und sonst nie. Außerdem sei die Entscheidung darüber, ob an einem Übergang ein Bahnwärter eingesetzt werde oder nicht, allein ins Ermessen der Bahn gestellt. Als sich das Bezirksamt einschaltete, musste die Bahnverwaltung aber zugeben, dass es mit der Sicherheit an dem Übergang nicht so weit her war. So hatte am 29. Mai 1880 ein Maurer aus Münchweiler, der zur Arbeit nach Gonbach wollte, die westliche Schranke geöffnet. Da sich zur selben Zeit zwei Züge kreuzten, war er von dem auf dem Ostgleis fahrenden, für ihn zu spät erkennbaren Zug überfahren worden. Trotz weiterer Vorfälle sah die Direktion keinen Anlass, „von unserem ablehnenden Standpunkt abzugehen“, wie es in einem Schreiben von 22. Oktober 1907 heißt. Dass die Bahnverwaltung irgendwann ihre Meinung geändert hat, beweist die bis heute existierende Fußgängerbrücke. Wann sie gebaut worden ist, kann ich einem privaten Foto entnehmen, auf dem mein Vater, dessen Bruder Valentin und ein französischer Kriegsgefangener an dem Bahnübergang arbeiten. Da Frankreich im Sommer 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde, von da an französische Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht wurden und die Sowjetunion im Juni 1941 angegriffen wurde – wobei mein Vater ein Bein verlor und schwere Verletzungen an einem Arm erlitt – müsste die Aufnahme 1940/41 entstanden sein.