Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Sorge um Wochenmarkt: Steht er bald vor dem Aus?

Wochenmarktbesuchern war Familie Ehscheid vertraut: Nach ihrem Rückzug ist die Stadt im Austausch mit einem möglichen Nachfolger
Wochenmarktbesuchern war Familie Ehscheid vertraut: Nach ihrem Rückzug ist die Stadt im Austausch mit einem möglichen Nachfolger.

Die Sorge um den Rockenhausener Wochenmarkt ist groß: Immer wieder werden Stimmen laut, die das baldige Ende prophezeien. Ist die Nordpfalz bald um einen Wochenmarkt ärmer?

Der Markt würde immer kleiner, hieß es vermehrt aus der Kleinstadt. Die Anzahl der Beschicker sei mittlerweile ausgedünnt und überschaubar. Einen Grund dafür sahen die Unkenrufer in angeblich gestiegenen Standgebühren und in der schlechten Vermarktung des Wochenmarktes.

„Ja, der Markt ist derzeit etwas kleiner als vor ein paar Wochen“, sagt Stadtbürgermeister Michael Vettermann. Doch anders als behauptet, habe das nichts mit der Unzufriedenheit der Beschicker, sondern vielmehr mit der Wintersaison zu tun: So setzt beispielsweise der Blumenhandel von Oliver Scheit aus Alsenz regelmäßig über die Wintermonate aus und kehrt im Frühjahr zurück. Auch der bisherige Gemüsehändler Ehscheid aus Lambsheim hatte sich in der Vergangenheit für den Monat Januar zurückgezogen. Manch einem Marktbesucher wird es schon aufgefallen sein: An Ehscheids Stammplatz vor der Protestantischen Kirche auf dem Marktplatz klafft schon jetzt ein Loch.

Alter statt Unzufriedenheit

Den Grund kennt Michaela Schwind-Grimm, Zweite Stadtbeigeordnete: „Herr Ehscheid hatte sich aus Altersgründen zurückgezogen. Sein Sohn, der den Obst- und Gemüsehandel übernommen hatte, ist aus der Selbstständigkeit nun in ein Angestelltenverhältnis gewechselt.“ Zeit, weiterhin als Beschicker Freitag um Freitag in Rockenhausen den Wochenmarkt zu versorgen, bleibe da keine. Zusätzlich verlässt Liane Klein, die über Jahrzehnte die Imbissbude auf dem Wochenmarkt betreibt, zum Jahreswechsel die Beschicker-Gemeinschaft aus Altersgründen. Zum letzten Mal will sie am 19. Dezember mit ihrem rollenden Verkauf Würstchen und Pommes frites an die Marktbesucher verkaufen. „Natürlich macht sich das bemerkbar, wenn Frau Klein demnächst nicht mehr regelmäßig auf dem Markt sein wird. Für den Mai- und Herbstmarkt bleibt sie uns aber noch erhalten“, sagt Stephan Lindner, der als Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land die Marktgebühren für die Stadt Rockenhausen erhebt. Schon jetzt knüpfe die Stadt Kontakte, um eine mögliche Nachfolge für den Imbiss zu finden.

Die Gebühr habe sich nach Lindners Kenntnisstand in den vergangenen fünf Jahren nicht verändert. Auch habe die Stadt Rockenhausen keine Pläne, diese in naher Zukunft zu erhöhen. Das bestätigte auch Stadtbürgermeister Vettermann. „Nach wie vor zahlen die Beschicker 20 Euro pro Monat. Hinzu kommt pro Tag und pro laufenden Meter jeweils ein Euro“, erklärt Lindner, „An den Gebühren kann es also nicht liegen. Diskussionen gab es deswegen noch nie.“ Frühere Beschicker, die den Wochenmarkt einmal für sich ausprobieren wollten, hatten sich eher gegen den Standort Rockenhausen entschieden, weil ihre Kunden schlechte Transportmöglichkeiten hatten. Sie konnten nicht mit dem Auto vorfahren, um schwere Waren wie Kartoffeln einzuladen.

Gespräche mit Nachfolger laufen schon

Die Sorge, dass der Rockenhausener Wochenmarkt vor dem Aussterben steht, können sowohl Michael Vettermann als auch Michaela Schwind-Grimm nicht nachvollziehen. „Im Winter ist das Angebot regulär etwas kleiner, dennoch bleiben uns die übrigen Beschicker erhalten“, versichert Schwind-Grimm und zählt auf: Über das ganze Jahr vertreten ist dort weiterhin Willi Kenzian, den die Marktbesucher als Schinkenjakob kennen, die Imkerei Steil aus Katzenbach, die Bäckerei Scheidt aus Kreimbach-Kaulbach, Forellen Schneider aus Katzweiler, die Ackerrebellen und die Käserei von Jorrit Alberts.

Dabei soll es aber nicht bleiben, versichert Schwind-Grimm. Die Stadt habe sich bereits um einen Nachfolger für den Obst- und Gemüsehändler gekümmert, wolle den Markt erhalten und sei deshalb im regen Austausch: „Es wird wieder ein Vollsortimenter sein.“ Voraussichtlich ab April oder Mai könnten dann Kunden wie gewohnt Obst- und Gemüse und sogar Spargel kaufen. Und es gibt weitere Neuigkeiten: Bis es soweit ist, können die Ackerrebellen über den Verlust von Ehscheid hinwegtrösten, versichert Lindner. Diese hätten nun ihr Sortiment erweitert und ihren Stand deutlich vergrößert, bieten nun beispielsweise auch den Glückssalat an, den Ehscheids Kunden immer gerne kauften. „Vielleicht stellen wir auch die Stände noch einmal um, damit die Lücke vor der Protestantischen Kirche geschlossen wird. Das überlasse ich aber gerne den Beschickern, die bisher immer ein gutes Auge für die Marktoptik bewiesen haben.“

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