Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel So lässt sich Sprit sparen – Rundfahrt mit einem Experten

Fahrlehrer Tony Kremer prüft als Erstes den Reifendruck – und stellt gleich fest, dass es bei unserem Wagen wohl einiges zu tun
Fahrlehrer Tony Kremer prüft als Erstes den Reifendruck – und stellt gleich fest, dass es bei unserem Wagen wohl einiges zu tun gibt.

Nein, zur Tankstelle fährt bei den seit Monaten vorherrschenden Benzinpreisen wohl kaum jemand wirklich gerne. Wer den Geldbeutel schonen will, ist also gut beraten, möglichst wenig Kraftstoff zu verbrauchen. Aber wie fährt, man eigentlich so, dass man nicht all zu oft tanken muss? Das soll eine Rundfahrt mit einem Fahrlehrer zeigen.

Wenn es um energiesparendes Autofahren geht, sprudelt es aus Tony Kremer geradewegs heraus. Für den Geschäftsführer der „City Fahrschule“ in Kirchheimbolanden und Dannenfels ist das förmlich zum Hobby geworden. „Ich mache das privat auch so, dass ich mein Auto so effektiv fahre, um immer den niedrigst möglichen Verbrauch zu haben“, erzählt er. Ratschläge, wie man dieses Höchstmaß an Effizienz erreichen kann, hat Kremer reichlich.

Vieles wird einfach vergessen

Schon ein Blick auf mein Auto genügt ihm, um erste Mängel zu erkennen. „Die Reifen sind ungleichmäßig abgefahren“, erklärt er. Außerdem müsse der Reifendruck dringend überprüft werden. Volltreffer – tatsächlich ist das längst überfällig, ich hatte es nur mehrfach verschoben und vergessen. „Ich rate dazu, diese Dinge einmal wöchentlich zu überprüfen“, sagt Kremer. Abgefahrene oder nicht richtig aufgepumpte Reifen kosten Sprit. „Genau kann man das nicht beziffern, aber das können schon 0,5 bis einen Liter auf 100 Kilometer sein, die das ausmacht“, so Kremer. Der Grund: Bei niedrigem Druck verstärkt sich die Reibung des Reifens an der Fahrbahn, was einerseits dem Material schadet – aber eben auch den Energieaufwand des Autos beim Fahren erhöht.

Ein wichtiger, aber längst nicht der letzte Ratschlag, wie man recht einfach Sprit sparen kann. Wir fahren los, und Kremer beobachtet kritisch meine Fahrweise. Schon beim Schalten zwischen den Gängen greift er erstmals ein. „Es ist immer ratsam, im optimalen Drehzahlbereich den Gang zu wechseln“, sagt er. Die meisten neueren Autos haben dafür auch eine Anzeige, die signalisiert, wann man schalten sollte. „Und die sind auch recht zuverlässig“, berichtet Kremer. Also im Zweifelsfall hilft es, mal weniger auf das Gefühl oder die vermeintliche Erfahrung zu setzen, sondern in diesem Fall auch der Technik zu vertrauen.

Die Einstellung zum Fahren ist wichtig

Überhaupt, erklärt Tony Kremer, haben der Fahrer und dessen persönliche Fahrweise oder Einstellung zum Fahren den größten Anteil an möglichem Sparpotenzial. „Das fängt schon bei der Frage an, welches Auto man denn eigentlich benötigt“, meint Kremer. Muss es tatsächlich das PS-starke, große Fahrzeug sein, wenn man ohnehin nur kurze Strecken fährt? Hinzu komme der Faktor der Routenplanung. „Es kann enorm hilfreich sein, wenn man sich einfach ein größeres Zeitfenster schafft, um beispielsweise zur Arbeit zu fahren“, sagt Kremer. So habe man seltener die vermeintliche Not, schnell fahren zu müssen, um pünktlich zu sein. Auch könne man so eine alternative, eventuell Kraftstoff-schonendere Route nehmen.

Besonders auf Autobahnen sind Tony Kremer viel Potenzial zum Sparen. „Die Richtgeschwindigkeit von 130 ist da ein sehr guter Wert“, sagt er. „Wenn es die Verkehrsdichte zulässt, ergibt es auch Sinn, ein bisschen langsamer zu fahren.“ Spritfresser seien außerdem zusätzliche Verbraucher – wie eine Klimaanlage, auf die man in den meisten Fällen auch eher verzichten könne. Naheliegend ist auch der Ratschlag, das Auto bei einem längeren Stopp – beispielsweise am Bahnübergang, im Stau oder im Drive-in – einfach mal auszuschalten. „Da ist die Stop-and-Start-Technik bei modernen Autos eine richtig gute Innovation gewesen“, lobt Kremer.

Übers Jahr kommt einiges zusammen

Wir kommen an eine Ampel – und wieder hat Tony Kremer einen guten Rat parat. „Es ist immer ratsam, vorausschauend zu fahren“, sagt er. Sieht man von weitem schon die rote Ampel, dann sei es angebracht, langsam auf die Stelle zuzufahren und dann gegebenenfalls schon in die nächste Grünphase hineinzurollen. „Wenn das Auto nicht aus kompletten Stillstand neu anfahren muss, spart das wiederum Energie“, so Kremer. Korrigiert wird meine Fahrweise auch am Berg. „Es ist nicht sinnvoll, die Drehzahl hochzufahren, um am Berg in den nächsten Gang zu kommen“, meint er. Eine gleichmäßige Geschwindigkeit einzuhalten, sei hingegen ratsam.

Kleine, aber letztlich hilfreiche Ratschläge bleiben nach der Fahrt in jedem Fall hängen. „Wenn man über das Jahr viele Kilometer fährt, kommt da schon einiges zusammen“, meint Kremer. Am Ende habe es jeder Fahrer mehr oder weniger selbst in der Hand, wie schonend er mit seinem Sprit umgeht. Tony Kremer arbeitet indes daran, seinen Neuwagen auf einen Verbrauch von 6,5 Litern auf 100 Kilometer zu bringen. „Und da bin ich doch sehr zuversichtlich“, lacht er.

x