Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Schulprojekt: Warum sich die Bevölkerung nicht gegen den Nationalsozialismus gewehrt hat

Die Rolle der deutschen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet die Ausstellung, die vier Wochen lang am Wilh
Die Rolle der deutschen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet die Ausstellung, die vier Wochen lang am Wilhelm-Erb-Gymnasium zu sehen war. Schülerin Firdaous Akherraz erläutert die Hintergründe und Zusammenhänge.

Widerstand, Täterschaft und Mitläufertum im Nationalsozialismus: Das waren Themen einer Ausstellung am Wilhelm-Erb-Gymnasium. Was die Schüler besonders betroffen machte.

Unter dem Titel „Einige waren Nachbarn“ beschäftigt sich die schulintern gezeigte Ausstellung mit der zentralen Frage nach den vielfältigen Ursachen für den Holocaust. Gleichzeitig will sie daran erinnern, dass auch in außergewöhnlichen Zeiten Alternativen zu Kollaboration und Täterschaft möglich sind. Im Rahmen des Projekts hatten sich 18 Schüler und Schülerinnen des Winnweilerer Wilhelm-Erb-Gymnasiums (WEG) in der Gedenkstätte des KZ Osthofen für die Arbeit mit den Inhalten der einzelnen Roll-Ups ausbilden lassen. Zum Abschluss stellten die Schüler ihre Erfahrungen der Öffentlichkeit in einem interaktiven Workshop vor. Hierzu waren auch Vertreter der Initiative „Stolpersteine Kaiserslautern“ sowie der „Omas gegen Rechts“ eingeladen.

Insgesamt besteht die Ausstellung aus 22 Großplakaten, die sich mit den Themen Widerstand, Täterschaft und Mitläufertum im Natio
Insgesamt besteht die Ausstellung aus 22 Großplakaten, die sich mit den Themen Widerstand, Täterschaft und Mitläufertum im Nationalsozialismus beschäftigen.

Insgesamt 22 Großplakate umfasst die Ausstellung, die vom Holocaust Museum in Washington initiiert und bereits an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt worden ist. „Dass wir die Ausstellung zu uns ans WEG bekommen haben, verdanken wir unserer Geschichtslehrerin Kathrin Zöller“, sagt Schülerin Firdaous Akherraz. Die 15-Jährige gehört zu der Gruppe von Schülern, die im September am Besuch in der Gedenkstätte Osthofen teilgenommen haben. Sich vor Ort ein Bild von den menschenverachtenden Verhältnissen im Lager machen zu können, habe bei allen Teilnehmenden ein bedrückendes Gefühl hinterlassen. Persönlich sei sie besonders betroffen von den erniedrigenden Maßnahmen gewesen, denen die Häftlinge ausgesetzt waren: „Es war ein großer Schock zu erfahren, dass eine Gefangenengruppe zum Beispiel die Latrinen mit ihrem Essbesteck haben auslöffeln müssen“, berichtet Firdaous Akherraz sichtlich ergriffen. Allein der Gang durch die dortige Halle habe bei allen ein beklemmendes Gefühl verursacht. 400 Häftlinge waren in den Jahren 1933/34 in dem kargen Raum unter menschenunwürdigsten Verhältnissen zusammengepfercht. Die vormalige Papierfabrik gehörte zu den ersten Konzentrationslagern des Regimes, vorwiegend wurden hier politische Gefangene eingesperrt.

Die Ausstellung und das Projekt der WEG-Schüler wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Die Besucher hatten zudem Gelegenheit, an
Die Ausstellung und das Projekt der WEG-Schüler wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Die Besucher hatten zudem Gelegenheit, an einem interaktiven Workshop zum Thema teilzunehmen.

Synagogenbrand: Manche Menschen haben gelacht

Bei ihrem eintägigen Besuch im September hatte die Delegation aus zwei zehnten Klassen zunächst die gesamte Dauerausstellung der Gedenkstätte besichtigt. Die Schulung zu „Einige waren Nachbarn“ fand im Anschluss in Gruppenarbeiten in der leeren Halle statt. Inhaltlich beleuchtet die Ausstellung die Rolle der „normalen“ Bevölkerung in der NS-Zeit. Prominente Nazi-Größen seien auf den Roll-Ups kaum zu sehen, wie Firdaous Akherraz erläutert: „Es geht hier um die ganz gewöhnlichen Menschen und die Mitläufer.“ Sie demonstriert dies anhand eines Plakats zu einem Synagogenbrand in der Reichspogromnacht 1938. Das Bild zeigt einen öffentlichen Platz voller Menschen, die dem Spektakel scheinbar ungerührt zuschauen: „Teilweise sieht man hier sogar lachende Gesichter.“ Das habe natürlich zunächst die Frage aufgeworfen: „Warum macht man so etwas und warum tut keiner etwas dagegen?“

Die Schülergruppe beim Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Osthofen. Dort fand auch der eintägige Workshop
Die Schülergruppe beim Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Osthofen. Dort fand auch der eintägige Workshop zur Ausstellung statt.

In der Gruppenarbeit in Osthofen seien alle 22 Plakate betrachtet und die jeweiligen Themen im Anschluss präsentiert worden. „So haben wir alles über die ganze Ausstellung erfahren“, erklärt Firdaous Akherraz. Generell sind der Nationalsozialismus und das Dritte Reich Themen im Geschichtsunterricht der neunten und zehnten Klassenstufe. Beide Klassen sowie eine Gruppe aus der Oberstufe hatten dann die Gelegenheit, sich unter Anleitung von Firdaous Akherraz sowie ihren 17 geschulten Mitschülerinnen und Mitschülern mit den Inhalten und Fragestellungen aktiv auseinanderzusetzen. Bei der öffentlichen Präsentation hatten die Anwesenden ebenfalls die Gelegenheit, sich in die einzelnen Aspekte mittels eines Fragebogens zu vertiefen.

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