Donnersbergkreis / Kreis Kaiserslautern
Sanieren, tauschen, Grundsteuer C: Wie kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?
Die zweite Donnersberger Wohnbauoffensive fand dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Landkreis Kaiserslautern statt. Grund: Beide Regionen sind wirtschaftlich stark miteinander verbunden und haben ähnliche Herausforderungen im Wohnungsbau zu bewältigen haben.
Im Winnweilerer Festhaus tauschten sich Fachleute und kommunale Vertreter über Strategien aus und präsentierten praxisnahe Ansätze. Ein zentrales Thema war der Neubau von bezahlbarem Wohnraum, der sich durch die massiv gestiegenen Kosten immer schwieriger gestalte. Experten betonten, dass das klassische Einfamilienhaus zunehmend als Auslaufmodell angesehen wird. Architekt Pascal Kraut machte klar, dass neue Denkansätze erforderlich seien, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Kosten zu senken.
Digitale Vorplanung spart langfristig Kosten
Er stellte sein Projekt der Wohnüberbauung Toffematt in der Schweiz vor: Genossenschaftliche Eigentumswohnungen wurden durch präzise Planung und moderne Materialien kostengünstig realisiert. Kraut demonstrierte, wie eine detaillierte digitale Vorplanung langfristig Kosten sparen könne, insbesondere mit Blick auf Reparaturen oder Sanierungen. Das digitale Modell speichert sämtliche Bauteile und Details, die später bei Umbauten oder Instandhaltungen wertvolle Informationen liefern können.
Aus dem Donnersbergkreis wurde der Wohnpark Hochwaldblick in Steinbach vorgestellt. Dort sollen neben Grundstücken im allgemeinen Wohngebiet auch Wohnblöcke in einem Mischgebiet entstehen. Vorgesehen ist die Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern bei Grundstückspreisen von 250 Euro pro Quadratmeter. Bürgermeister Steffen Antweiler von der Verbandsgemeinde Göllheim äußerte jedoch Bedenken, dass ein solches Modell in seiner VG umzusetzen sei. „Da fehlt es bei uns an den passenden Mischgebieten“, erklärte Antweiler. Zumal auch die Landesplanung eine Rolle spiele, die nicht immer mit den Plänen einer Gemeinde übereinstimme.
Holzbau als flexible und nachhaltige Lösung
Thema war auch der moderne Holzbau, der als flexible und nachhaltige Lösung vorgestellt wurde. Architekt und Zimmerermeister Gerrit Horn präsentierte die Vorteile des Holzbaus und betonte, dass ein Holzhaus in nur zwei Wochen entstehen könne, da es in Hallen unter strengsten Qualitätsstandards vorgefertigt werde.
René Mar von der Kreisverwaltung Kaiserslautern wies auf alternative Wege hin, etwa durch die innerörtliche Sanierung von Bestandsgebäuden. Dadurch könnten erhebliche Kosten gespart und Ortskerne revitalisiert werden. Als weiteres Instrument zur Schaffung von Wohnraum nannte Mar die Grundsteuer C, die ab 2025 auf kommunaler Ebene eingeführt werden kann. Diskutiert wurde, diese Steuer als möglichen Hebel zur intensiveren Bebauung und gegen den spekulativen Leerstand von Bauland zu nutzen. Der Gedanke dahinter: Eigentümer, die baureife Grundstücke lange ungenutzt lassen, sollen durch eine höhere Besteuerung motiviert werden, ihre Flächen zu bebauen oder zu veräußern.
Große Häuser gegen kleinere Wohnungen tauschen
Breiten Raum nahm auch die Diskussion über Leerstände in einigen Ortskernen ein. Viele Kommunen kämpften mit dem demografischen Wandel und verlassenen Häusern, die oft nicht instandgehalten werden könnten. Einige kreative Lösungen wurden vorgestellt – etwa ein Tauschangebot für ältere Bewohner, die bereit seien, ihre großen, sanierungsbedürftigen Häuser gegen kleinere, moderne Wohnungen einzutauschen.
Harald Westrich, Bürgermeister der VG Otterbach-Otterberg, erläuterte, wie seine Kommune leerstehende Gebäude erwerben, sanieren und gewinnbringend vermieten will. Sein Modell sieht vor, sich auf Objekte zu konzentrieren, die „niemand haben will“. Hierzu sei bereits das Personal im kommunalen Bauhof aufgestockt und die Gründung einer GmbH angestoßen worden, an welcher die Kommune zu 70 Prozent beteiligt sein soll.
Gebäude für Unterbringung von Flüchtlingen sanieren
Zur Frage der Finanzierbarkeit führte Westrich aus, dass die sanierten Gebäude an Flüchtlinge vermietet werden sollen, für deren Unterbringung der Landkreis letztlich bezahle. Langfristig sei dies sogar günstiger als Wohnraum auf dem freien Markt anzumieten. Ein weiterer Aspekt: Vertreter aus dem Kreis Kaiserslautern betonten die Notwendigkeit, Wohnraum für Fachkräfte im Gesundheitswesen zu schaffen – insbesondere im Hinblick auf den Bau des neuen US-Krankenhauses in Weilerbach. Ohne ausreichenden Wohnraum für Pflegekräfte und Ärzte sei die medizinische Versorgung langfristig gefährdet.
Nicht zuletzt berichtete Antweiler über die Einführung einer Sanierungssatzung, die Eigentümern von sanierungsfähigen Immobilien steuerliche Anreize biete. Abschreibungen von bis zu 90 Prozent über zwölf Jahre seien möglich, so Antweiler. Am Ende der Veranstaltung zogen die Teilnehmer das Fazit, dass bezahlbarer Wohnraum eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei – die Kommunen seien aber bereit sind, ihren Teil beizutragen.