Imsweiler
„Route 66“ feierlich eröffnet: Viel Lob für neue Ortsumgehung
In acht Jahren Bauzeit kommen einige Anekdoten zusammen. Und Peter Ziepser nutzte den perfekten Moment, um einige davon in Erinnerung zu rufen. Bei der feierlichen Eröffnung der neuen Umgehungsstraße der B48, die ab sofort an Imsweiler vorbeiführt, sorgte der Ortsbürgermeister so für einige Lacher. Besonders am 1. April seien diese Geschichten jeweils entstanden. So berichtete Ziepser vom Tunnelwasser, das „mit oder ohne Blubb“ aus dem Gestein floss und einen See gebildet hätte. Und vom Goldschatz, der geborgen wurde und dessen Überreste nun in einem geheimen Tresor gelagert werden. Zudem präsentierte er gleich mehrere T-Shirts, die sich rund um Kerweumzüge der vergangenen Jahre entstanden sind. Eines der Motive zeigt die „Route 66“, wie die Umgehungsstraße scherzhaft genannt wird. Nicht unbedingt, weil sie optisch oder aufgrund ihrer Länge an die berühmte Verkehrsachse aus den USA erinnern würde. Vielmehr spielt der Name auf die 66 Millionen Euro an, die lange als finaler Kostenpunkt des Bauprojekts kursiert waren.
Eine Zahl, die am Ende allerdings noch überboten wurde. Stefan Schnorr, parteiloser Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, war für die Einweihung aus Berlin angereist und bestätigte auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass die neue Umgehungsstraße am Ende bei etwa 72 Millionen Euro an Baukosten gelandet ist, die vom Bund getragen werden. „Wir wollen in den kommenden Jahren bis 2029 rund 166 Milliarden Euro in Straßen, Schienen und den Verkehr auf dem Wasser investieren, davon etwa 60 Milliarden Euro in Autobahnen und Bundesfernstraßen“, sagte Schnorr. Damit wollte er betonen, wie wichtig diese Maßnahmen, wie zuletzt die bei Imsweiler sind, um die Infrastruktur zu stärken. Andy Becht (FDP), Staatssekretär im Landesministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, hob zudem das Land Rheinland-Pfalz als Paradebeispiel für die Notwendigkeit solcher Maßnahmen hervor. „In ganz Deutschland gibt es etwa 11.000 Gemeinden, allein in Rheinland-Pfalz sind es 2.300“, so Becht. Und alle davon hätten ein Anrecht auf eine gute Anbindung. Projekte, wie das bei Imsweiler oder andere im Land würden zudem zeigen, dass das „Team Deutschland“, wie Becht es nannte, durchaus noch fähig sei, gute Arbeit abzuliefern und ans Ziel zu kommen. „Das dürfen wir uns auch nicht absprechen lassen“, so Becht.
Auch Radwege mit deutlichen Verbesserungen
Der Bau der neuen Umgehungsstraße zog sich zuletzt über acht Jahre. „Acht Jahre und nun eine Einweihungsfeier am 8. August – na, wenn das kein gutes Omen ist“, meinte Volker Priebe, der stellvertretend für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) zu den zahlreichen Besuchern in Imsweiler sprach. Er dankte den vielen Architekten und Baufirmen, die mitunter bis zur buchstäblich letzten Sekunde gearbeitet hätten, um das Zieldatum zu erreichen. „Diese acht Jahre haben uns auch einiges abverlangt“, erinnerte Priebe an all die Unvorhersehbarkeiten, die mit dem Bau von Brücke, Straße und Tunnel einhergingen. Ein Sonderlob hatte er auch für Gustav Herzog parat, den er „als einen der Väter der Umgehungsstraße“ betitelte und ihn zum Durchschneiden des Bandes einlud.
Verbandsbürgermeister Michael Cullmann (SPD) erinnerte an mehr als 30 Jahre, die das Projekt auf dem Buckel hat. Positiv blieb ihm in Gedächtnis, wie sich die vielen Ereignisse, wie Spatenstich, Aufstellen der Talbrücke, Sprengung des Tunnels oder dessen Durchstich zu „regelrechten Volksfesten entwickelt haben“. Auch er lobte wie seine Vorredner die durchgängig positive Zusammenarbeit zwischen Orts-, Verbandsgemeinde, Kreis, Land, Bund und allen zuständigen Behörden. Ebenso erinnerte Cullmann daran, dass nicht alleine die B48 eine Aufwertung erhält, sondern dadurch auch verbesserte Radwege entstehen. Die Anbindung nach Rockenhausen soll mittelfristig noch folgen.
Peter Ziepser spricht auch die Kritiker an
Die Stimmung unter den zahlreichen Gästen war fast durchweg positiv, wobei vor allem Ortsbürgermeister Ziepser den lautesten Beifall erntete. Er nutzte die Gelegenheit nochmals, um auch auf die nicht wenigen Kritiker zu verweisen, die ihren Ärger vor allem an dem hohen Preisschild der nicht ganz zwei Kilometer langen Ortsumgehung festmachten. „Wer von 66 Millionen Euro für ein Kuhdorf spricht, hat wohl nicht bedacht, welche Bedeutung das Projekt für die ganze Region hat“, so Ziepser, der dazu feierlich die Kuhglocke läutete. Die mitunter beleidigende Kritik bleibt für Ziepser am Ende nur eine der vielen Fußnoten unter einem jahrelangen sowie kräftezehrenden Bauprojekt. Nun ist es geschafft – und seit Freitag können sich alle Autofahrer selbst davon überzeugen.