Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Riesiger Sandstrand in Eisenberg: Diese Experten zeigen, was es damit auf sich hat

Reimund Lill (li.) und Wolfgang Müller (re.) sind unter anderem Gästeführer und bieten regelmäßig Geo-Touren an.
Reimund Lill (li.) und Wolfgang Müller (re.) sind unter anderem Gästeführer und bieten regelmäßig Geo-Touren an.

Wolfgang Müller und Reimund Lill bieten Geo-Touren an. Weshalb Natur und Industrie sich in Eisenberg ergänzen, erläutern die beiden Gästeführer.

Was erwartet Teilnehmer auf einer Geo-Tour?
Müller: Jeder, der sich für Geologie, aber auch Industrie- und Naturgeschichte am Standort Eisenberg interessiert, ist hier richtig.

Wie ist die Tour entstanden?
Müller: Ich habe ja schon Geo-Touren im Donnersbergkreis gemacht. Dann habe ich 2015 gedacht, das könnten wir auch hier rund um Eisenberg machen.

Lill: Dann haben wir ja 10-jähriges Jubiläum

Müller: (lacht) Ja, das stimmt.

Sind Natur und Industrie nicht etwas grundlegend Gegensätzliches?
Müller: Nein, das stimmt nicht ganz.

Lill: Also hier ist es auch wirklich viel Industrieentwicklung, vor allem der Ton- und Klebsand.

Müller: Industrie ist in dem Fall hauptsächlich Bergbau, ob Tagebau oder Untertagebau. Es ist natürlich erstmal eine Zerstörung der Natur. Aber wenn hier ein Tagebau stillgelegt wird, fängt es an, interessant zu werden. Man hat erkannt, dass Tagebaue, die renaturiert – also in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden – viel mehr für die Biodiversität beitragen, als wenn sieeinfach zugeschüttet werden.

Lill: Der Klebsand hat die Ausbreitung von Eisenberg sehr eingeengt. Dadurch kann beispielsweise links unterhalb des Waldstadions beim Schwimmbad aufgrund von nicht vorhandenen Baurechten nicht gebaut werden. Das liegt daran, dass dort immer noch Klebsand liegt.

Wird das auch zukünftig Auswirkungen haben?
Müller: Es kann sein, dass das Eisenberger Schwimmbad und der Berg in 100 Jahren wohl weg sind. Denn Quarzsand ist ein hochwertiger Sand, der weit über 2000 Grad Celsius belastbar ist. Für Eisengießereien ist er daher sehr interessant.

Lill: Die Klebsandwerke sind im Grunde fast die einzigen Betriebe, die noch aus der Vergangenheit ansässig sind.

Was macht die Region um Eisenberg geologisch so interessant?
Lill: Grünton ist sehr einzigartig. Aber auch der Schieferton aus Stauf, der als Material für Dachziegel genommen wird, ist in der Umgebung von großer Bedeutung.

Müller: Da habe ich auch ein Zeigestück, welches ich in Göllheim gefunden habe – eine Rippelmarke aus rotem Tonschiefer. Sie ist 250 Millionen Jahre alt.

Wie kommt so eine Ablagerung zustande?
Müller: Durch Einbrüche des Oberrheingrabens und des Mainzer Beckens.

Lill: Man muss sich klar machen, dass das Mainzer Becken vor 38 bis 12 Millionen Jahren eine mit Meerwasser bedeckte Vertiefung in der Erdoberfläche war.

Wie kann man sich die Umgebung hier früher vorstellen?
Lill: In Eisenberg muss es früher einen riesigen Sandstrand gegeben haben. Die Sandwerke Klausing bauen heute noch Sand ab. Das ist ein Überbleibsel dieses riesigen Meeres.

Müller: Das Becken war über Kassel mit der Nordsee verbunden. Darum kann man in Kassel die gleichen Ablagerungen finden wie hier.

Termin

Die Geo-Tour findet am Sonntag, 24. August, um 14 Uhr statt. Startpunkt ist der Parkplatz am Bahnhof in Eisenberg. Die Wanderung dauert circa vier Stunden und hat eine Streckenlänge von etwa sechs Kilometern. Für die Tour ist eine Anmeldung erforderlich – diese kostet sechs Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder. Weitere Informationen und Anmeldung unter Telefon 06352 1712, per E-Mail an touristik@donnersberg.de oder online unter https://www.donnersberg-touristik.de/erlebnisse-buchen.

Eines von mehreren Schmuckstücken: eine rund 250 Millionen Jahre alte Rippelmarke aus rotem Tonschiefer.
Eines von mehreren Schmuckstücken: eine rund 250 Millionen Jahre alte Rippelmarke aus rotem Tonschiefer.
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