Donnersbergkreis Restlos verzaubertes Publikum

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KIRCHHEIMBOLANDEN. Stehenden Beifall gab es von einem restlos verzauberten Publikum bei der 1. Kirchheimbolander Variete-Nacht „Magie in der Orangerie“. Die Besucher kamen nicht nur in den Genuss international agierender Akrobaten und Magier, auch die humorvollen und originellen Einlagen des Moderators Detlef Simon alias DeSiMO sorgten für brüllende Lacher.

Bereits im Foyer vorm offiziellen Beginn der Show mischten sich die Künstler unter die Gäste und gaben einen Vorgeschmack ihres Könnens. So konnte man sich bei einem Häppchen und Sekt von Sabrina Fackelli im Origami-Faltenkleid von der Schnecke bis zum Klavier ausgefallene Origami-Faltungen anfertigen lassen. Die Meisterin der Feinmotorik verblüffte wenig später auf der Bühne. Projiziert auf eine große Leinwand entführte sie die Zuschauer mit Sandbildern in eine andere Welt: Mit einem schlichten Häufchen Sand, grazilen Handbewegungen und äußerster Präzision malte sie emotionale Szenen auf ihrem leuchtenden Glastisch. Da springt ein Matrose vom Segelschiff auf dem Meer vor der untergehenden Sonne ins Wasser, um im nächsten Augenblick vor einer kurvenreichen Meerjungfrau wieder aufzutauchen und wenig später seinen Kummer mit einer Flasche Hochprozentigem in seiner Kajüte herunter zu spülen. Gekonnt untermalt mit der passenden Musik von Frank Sinatra „Somewhere“, fühlten sich die entrückten Zuschauer in den Sommerurlaub am Meer zurückversetzt. Zum Thema Urlaubslektüre outete sich Moderator DESiMO als Fan skandinavischer Krimilektüren und gab seinen selbst geschriebenen Kurzkrimi zum Besten. Stockholm mit seinen Stadtteilen Stockbesoffen und Stocknüchtern diente als Hintergrundkulisse für Kommissar Ikea und die Hochseilartisten Nokia und ihr Sony, welche meistens ohne Netz arbeiteten. Dabei legte der „aus der Hochburg des Humors, nämlich aus Hannover“, stammende Moderator Wert darauf, dass bei Kommissar Ikea keine Verwechslungen mit der gleichnamigen schwedischen Schnellrestaurantkette mit angeschlossenem Möbelhaus aufkamen. Seifenkünstler Blub im lila Frack und Zylinder zeigte seine international gefragte Märchenshow ohne Worte und verführte das Publikum scheinbar dazu, in die Welt von Alice im Wunderland einzutauchen. Mittels etwas Wasser und zwei Spritzern Pril stapelte er unglaubliche Seifenblasentürme oder verpackte sich selbst in überdimensionale Seifenblasentunnel. Ein Raunen ging quer durch die Zuschauer, als er Zigarettenrauch in seine Seifenblasengebilde pustete, um sie einem Vulkanausbruch gleich wenig später in Szene zu setzen. Als dann unter Einsatz von Spiritus Feuerbälle explodierten, war er endgültig ein Publikumsliebling und erntete tosenden Applaus. Als einzige Frau, der Ringe um die Hüften wirklich gut stehen, wurde Hula-Hoop-Artistin Andrea Engler von DESiMO wohlwollend angekündigt. Als sie gleichzeitig vier Reifen an Armen und Beinen in Schwung setzte, um schließlich in einer einzigen, wirbelnden Spirale über die Bühne zu fliegen, unterlegt mit der passenden Musik, gab es beim Publikum kein Halten mehr. In ihrer nächsten Einlage am Seil faszinierte sie, indem sie scheinbar die Schwerkraft außer Kraft setzte. Mal federleicht, mal kraftvoll schwebte sie einem Kunstwerk gleich über Himmel und Erde. Kokonartige Verschlingungen in das Seil erinnerten zeitweise an ein spinnenartiges Insekt, das Bilder auf der Bühne webte. Für ihre faszinierende, akrobatische Darbietung erntete sie tosenden Applaus. Zwischen den Künstlerauftritten verblüffte Moderator DESiMO mit komödiantisch in Szene gesetzten Zaubertricks. Immer wieder holte er sich dafür Helfer auf die Bühne. So traf es eine Kirchheimbolanderin, die er auserkor, um anhand des Würfeltricks zu zeigen, wie das Lesen der Körpersprache funktioniert. Sie bekam einen Würfel mit einem Becher und sollte sich die Zahl merken, die oben lag, und den Würfel mit dem Becher zuzudecken. Er fragte das Publikum: „Ist es eins ?“, „Ist es zwei ?“ Die Zuschauer antworteten mit „nein“, weil sie vom Meister Zeichen bekamen, bei „fünf“ mit „Ja“ zu antworten. Der verblüfften Kandidatin erklärte er: „Sie haben bei der Zahl fünf ihr Gewicht von einem Bein auf das andere verlagert, das hat Sie verraten.“ Dann war es Zeit für den Fachmann des Lichtes und des Windes, Alexander Philipp & Company. Als promovierter Ingenieur der Elektrotechnik zeigte er sein Faible für Energie: Die Evolution von Feuer und Licht demonstrierte der Magier, der auch schon im berühmten Magic Castle in Hollywood aufgetreten ist anhand einer Zeitreise. Vom Jahr 20.000 vor Christus bis in die Zukunft spannte er den Bogen und zauberte alles, vom Feuer über magische LEDs bis hin zum Tablet-PC, aus dem er bunte Bälle hervorholte und wieder in ihm verschwinden ließ. Die Zuschauer schienen teilweise die Luft anzuhalten, als er auf einem elektrischen Stuhl, scheinbar durch elektromagnetische Kräfte energetisiert aufstieg und in der Luft schwebte. Begeisterter Applaus war auch seinen zwei tanzenden Fackelakrobatinnen sicher, die dem Publikum mit ihren brennenden Fackelfächern und einem akrobatischen Showtanz richtig einheizten. Unglaubliche Geschicklichkeit und Körperbeherrschung präsentierte Hochtempo-Jongleur Axel S. mit seiner Diabolo-Jonglage. Mit zahlreichen Lichteffekten und artistischen Höchstleistungen wirbelte er die speziellen Doppelkegel in der Luft. So ist es nicht verwunderlich, dass er damit auch im „Cabaret du Casino“ in Monte Carlo auf der Bühne stand. Auch er wurde vom Publikum mit tosendem Applaus gebührend gefeiert. Mit einer Einlage von besonderer Güte nahm der Moderator mit einer Kandidatin und einem Kandidaten aus dem Publikum die gängigen Rateshows im Fernsehen aufs Korn. Sehr unterhaltsam und komisch wurde es, als die Kandidatin die Quizfrage bekam: „Was ist Ihre Lieblingszahl zwischen eins und fünfzehn?“ Darauf antwortete sie mit „sieben“. Im Gegenzug bekam der Kandidat die Frage: „Was ist ihre Lieblingszahl zwischen eins und fünfzig ?“ Als er mit „neunundvierzig“ antwortete, konterte DeSiMO: „Falsch, Beatrix hat doch eben ,sieben’ gesagt.“ Bleibt zu hoffen, dass diese professionelle Mischung aus Comedy, Magie, Klamauk, Kunst und Akrobatik in der Kleinen Residenz ihre Fortsetzung findet.

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