Tischtennis
Regelauslegung beim Aufschlag sorgt für Diskussionen
„Ich stimme zu, dass es eine teils heftige Diskrepanz gibt, von der ich übrigens persönlich profitiere. Mein Aufschlag schafft oft die 16 Zentimeter nicht“, meint Daniel Heintz von den TTF Rockenhausen, die kürzlich in die 2. Pfalzliga West aufgestiegen sind. Er habe vielmehr den Eindruck, man habe sich damit „eingerichtet“, dass die Aufschläge, die direkt aus der Hand oder komplett verdeckt geschlagen werden und gleichzeitig einen eindeutigen Vorteil bringen, vom Schiri angemahnt und dann auch mal abgezählt werden.
Unterschiede bei Profis und Amateuren
Heintz bestätigt damit das, was offensichtlich ist – es gibt Unterschiede im Tischtennissport zwischen der Regelauslegung bei den Profis und bei den Amateuren. Wie hoch der Aufschlag geworfen werden muss, ist ebenfalls genau im nationalen und internationalen Regelwerk festgelegt. Doch im Amateur-Tischtennis gibt es im Vergleich mit den Profis starke Abweichungen und auch einige Grauzonen. Während bei den Profis sogar der Winkel des Aufschlags begutachtet wird, sind die Spieler im Amateurbereich doch oft nachsichtiger. Na ja – oft, häufig, aber dann in den entscheidenden Momenten kommt es doch auch mal zu Diskussionen. Dann steht selbst in der Kreisklasse der Geselligkeitsgedanke oft nicht mehr im Vordergrund. Dann überwiegt auch mal der sportliche Ehrgeiz. „Klar, die Regeln sollten gleich ausgelegt werden. Aber ich glaube, das funktioniert nicht immer so ganz. Zum Beispiel der Aufschlag aus der Hand. Natürlich bin ich auch jemand, der dafür ist, dass dieser regelkonform ausgeführt wird. Aber 16 Zentimeter hochwerfen? Da muss einfach bei den Schiris im Amateurbereich ein bisschen Fingerspitzengefühl da sein“, meint Oberligaspielerin Silke Ermel von der TSG Zellertal. Sie ergänzt aber auch, dass ein Aufschlag „komplett aus der Hand“, also ohne großartiges hochwerfen, grenzwertig sei.
Wer soll das kontrollieren?
Was ist bei einem Aufschlag denn zu beachten? Ein Aufschlag, auch landläufig Angabe genannt, soll nämlich wie folgt ausgeführt werden: Der Ball muss auf dem geöffneten Handteller der ruhigen freien Hand liegen. Danach wird er ohne Effet nahezu senkrecht nach oben geworfen und muss mindestens 16 Zentimeter aufsteigen. Die Frage ist bereits, wie das im Amateurbereich kontrolliert werden soll. Der Ball darf dabei nicht verdeckt werden. Das sind nur die wichtigsten Regeln, die zu beachten sind. Ist die Zulässigkeit des Aufschlags nicht gegeben, so bekommt der „Rückschläger“ einen Punkt zugesprochen. „Der schlägt aus der Hand auf“ ist dann oft zu hören, was zu reichlich Diskussionen führt. „Wenn bei den Senioren ein Spieler oder eine Spielerin schon mehr als 40 Jahre den Aufschlag so macht, dann kann man diese Person doch nicht mehr umgewöhnen“, meint Ermel, die die ständigen Veränderungen im Regelwerk durchaus als anstrengend empfindet.
Theorie und Wirklichkeit
So zeigt sich, dass das Regelwerk zwar klare Richtlinien vorgibt, diese aber eben nicht immer umsetzbar sind. „Engere Regelauslegungen wären aus meiner Sicht gar nicht zu empfehlen, da es ein Fass ohne Boden ist. Wer wirft den Ball korrekt hoch, von der Handfläche und nicht vom Übergang der Handfläche zu den Fingern? Die Pausenregelung nach sechs Punkten, die exakte Vermessung der Boxen“, nennt Heintz etliche Punkte, die im Amateurbereich nicht „ganz regelkonform“ umgesetzt werden oder eben angesichts baulicher Bedingungen gar nicht umsetzbar sind.
Das Timeout wird ebenfalls regelmäßig in die Länge gezogen. Statt 60 Sekunden dauert dieses auch gerne mal drei Minuten. „Das Timeout in Amateur- oder Profispielen, da sehe ich keine Abweichungen“, meint Ermel, die nur einen Wunsch hat: Ein einheitliches Spielsystem von der Bundesliga bis in die unterste Spielklasse. „Es ist doch ein schöner Sport, aber dauernd muss man sich an was anderes gewöhnen“, spricht Ermel noch ein ganz anderes Thema an.