Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Raum für Ruhe, Spiel und Essen: Wie die Ansprüche an Kita-Gebäude steigen

Während die Erwachsenen noch über Konzepte und Standorte beraten, ist der Neubau der Kinder hier schon fertig.
Während die Erwachsenen noch über Konzepte und Standorte beraten, ist der Neubau der Kinder hier schon fertig.

Obermoschel kämpft mit Geruchsproblemen, Sippersfeld mit Platzmangel – das Kita-Zukunftsgesetz setzt zwei Gemeinden unter Druck.

Geht es um das Kita-Zukunftsgesetz, wird viel über Personal, Gruppengrößen oder U2-Plätze diskutiert. Teil des Gesetzes sind aber auch Vorgaben darüber, welche Räume eine Kita künftig vorhalten muss. Der Gesetzgeber setzt auf flexible Raumkonzepte, die an die Bedürfnisse der Kinder, die Ganztagsbetreuung und den Bildungsauftrag angepasst sind. Entscheidend bleibt, dass gewisse qualitative Mindeststandards erfüllt werden. Die Kita-Räume sollen multifunktional nutzbar sein und Platz für verschiedene Aktivitäten bieten, wie Bewegung, Spiel, Ruhe sowie Rückzugsmöglichkeiten.

Zudem fordert das Gesetz eine ganztagstaugliche Ausstattung mit Speiseräumen, Ruheräumen für den Mittagsschlaf und Küchen. Dabei stehen Sicherheit und Gesundheit der Kinder im Fokus: Die Gestaltung muss kindgerecht, barrierefrei und den Vorgaben der Unfallkasse entsprechen. Aspekte wie Licht, Akustik, Fluchtwege und ein gesundes Raumklima spielen eine zentrale Rolle. Das stellt einige Einrichtungen im Donnersbergkreis vor Aufgaben, die gelöst werden müssen. In manchen Fällen sind bereits Neubauten geplant und auf den Weg gebracht. Das ist nicht immer einfach – und in der Regel kostspielig.

Platzproblem, Geruchsproblem, Zeitproblem

Ein Fall, der besonders kontrovers und langwierig diskutiert wurde und noch wird, ist die Kindertagesstätte Obermoschel. Erst kürzlich hat der Rat der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land entschieden, den Neubau an einem Standort nahe der aktuellen Kita zu realisieren. Das geschah allerdings fast zwei Jahre, nachdem dieser Standort erstmalig debattiert wurde. Nimmt man das Kita-Zukunftsgesetz als Grundlage ist die Sache allerdings mehr als eindeutig: Die Kita Obermoschel, inzwischen durch einen Containeranbau erweitert, wurde den Ansprüchen des Gesetzes in nahezu allen Punkten nicht mehr gerecht. Ein Umbau oder eine Sanierung waren ebenfalls ausgeschlossen.

Aus der alten Grundschule in Sippersfeld wurde eine Kita, aber hinter der historischen Fassade verbirgt sich eine Kita, die mit
Aus der alten Grundschule in Sippersfeld wurde eine Kita, aber hinter der historischen Fassade verbirgt sich eine Kita, die mit räumlichen und gesetzlichen Anforderungen kämpft.

Warum die Kita Obermoschel immer wieder als Beispiel für Sanierungsfälle im Kita-Bereich genannt wird, liegt auch am speziellen Geruchsproblem dort. Zwar ist das Formaldehyd, was den Geruch verursacht, gesundheitlich unbedenklich. Dennoch sei es immer wieder Thema und setze sich auch in den Kleidern der Kinder und Mitarbeiterinnen fest. „Und es ist auch eines der Themen, mit denen sich Eltern häufig an uns wenden“, sagte Kita-Leiterin Kristina Linn im vergangenen Jahr im RHEINPFALZ-Gespräch. Verständlich, wie sie fand.

Gruppengrößen, Geräuschdämmung, Schlaf- und Essmöglichkeiten – die Mängelliste ist lang. „Die Kita ist für ein Gebäude, das 1974 gebaut und entsprechend vor mehr als 50 Jahren konzipiert wurde, noch überraschend zeitgemäß. Die haben das damals mit Weitblick geplant. Die Räume haben viel Licht, beispielsweise“, sagte Linn. 95 Kinder können in Obermoschel betreut werden – der Bedarf ist allerdings höher. Mittelfristig geht die Verbandsgemeinde, die mit den „Nordpfälzer Glückskindern“ Träger der Kita Obermoschel ist, von etwa 110 Kindern aus, die dort in die Einrichtung gehen könnten. Claudia Manz-Knoll, Leiterin der „Nordpfälzer Glückskinder“, betonte zuletzt im VG-Rat: „All das, was wir nun in Obermoschel bekommen, ist kein Luxus, sondern dringend notwendig.“

Die Kita Sippersfeld schreibt einen offenen Brief

An vielen Orten im Landkreis wurde bereits konkret über mögliche Kita-Neubauten gesprochen. In Kriegsfeld wird es definitiv einen Neubau geben. Auch in Kirchheimbolanden, in Sippersfeld oder in Göllheim sollen bis 2028 neue Einrichtungen geschaffen werden – um nur einige Beispiel zu nennen. Weil sich der geplante Neubau der Kita „Sternschnuppe“ in Sippersfeld immer wieder verzögert, schlagen jetzt Erzieher und Eltern mit einem offenen Brief Alarm. Das aktuelle Kitagebäude, ein denkmalgeschütztes, ehemaliges Schulhaus im Ortskern, wurde 1836 als Dorfschule samt Lehrerwohnungen errichtet. Seit 1974 wird es als Kindertagesstätte genutzt. Nadine Grünewald-Schuler, die Leiterin, erzählt, dass die jetzigen Räume der Kita in keiner Weise die Anforderungen des Kita-Zukunftsgesetzes erfüllen.

Beispielsweise sei es nicht möglich, allen Kindern ein Mittagessen anzubieten; dies ist jedoch gesetzlich spätestens bis Juli 2027 vorgeschrieben. „Wir haben drei Gruppenräume für aktuell 55 Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren, aber keinerlei Nebenräume“, erklärt Grünewald-Schuler. „Es fehlt an Turnräumen, Still- und Beschäftigungszimmern sowie Mitarbeiterräumen für Elterngespräche oder Teambesprechungen. Alles spielt sich in einem einzigen Mehrzweckraum ab, der zusätzlich als Lagerfläche dient.“

Die Belastung ist für alle sehr groß

Die Betriebserlaubnis für das bestehende Gebäude wird – zumindest aus rechtlicher Sicht – weiterhin erteilt. Doch die Kita-Leiterin betont: „Die Belastung für alle Beteiligten ist enorm. Es ist schwierig, einen annehmbaren und vor allem den Bedürfnissen der Kinder entsprechenden Alltag in einem Gebäude zu gestalten, das dafür nicht ausgelegt ist.“ Ein Neubau der Kita ist seit etwa fünf Jahren in Planung und soll auf einem neuen Grundstück neben der Grundschule entstehen. An der dortigen Erschließung scheitert das Vorhaben bislang. „Der Bebauungsplan für das Neubaugebiet wurde immer wieder verschoben, zuletzt in der Sitzung vor der Sommerpause“, kritisiert die Kita-Leiterin.

Die Einrichtung hat sich nun gemeinsam mit dem Elternausschuss in einem Brief an den Ortsgemeinderat und an Ortsbürgermeister Jürgen Heiler gewandt: „Brandschutz, Notausgänge und Hygiene können in unseren Räumen nur mit großem Aufwand und durch aufwendige Kompensationsmaßnahmen sichergestellt werden“, heißt es. Im Obergeschoss stehen zwei Toiletten für bis zu 40 Kinder zur Verfügung. Die Umsetzung des Schutzkonzeptes sei schwierig, da es keine sichtgeschützten Bereiche gibt und die Privatsphäre beim Wickeln, Umziehen und bei Toilettengängen nicht gewährleistet werden könne. Die Belastung durch beengte Räume und ein viel zu kleines Außengelände wirkt sich zudem negativ auf das Wohlbefinden der Kinder aus. „Die Enge führt zu Stress, Konzentrationsschwierigkeiten und einem erhöhten Konfliktpotenzial“, steht in dem Schreiben. Auch die Mitarbeitenden leiden, da das Büro mehrfach genutzt werden muss – unter anderem als Vorbereitungsraum, Pausenraum und Lager.

Kita-Leitung und der Elternausschuss appellieren an den Gemeinderat, den Planungsprozess zu beschleunigen und zügige Entscheidungen zur Realisierung des Neubaugebietes zu treffen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Rudolph Jacob, habe in der vergangenen Sitzung darauf hingewiesen, dass der Neubau andernfalls in einer anderen Gemeinde realisiert werden könnte. Dies wäre nicht nur ein Rückschlag für Sippersfeld, sondern insbesondere für die Familien, die auf eine ortsnahe Betreuung angewiesen sind.

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