Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Grünstadter Radlergruppe hat Venedig erreicht, aber nicht gesehen

Noch schnell ein Foto bevor es nach Italien weiter geht.  Fotos (4): Richter/frei
Noch schnell ein Foto bevor es nach Italien weiter geht. Fotos (4): Richter/frei

Rainer Schäfer, Elkin Richter, Ralf Gehrmann , Thorsten Beyer und Joachim Schröder haben die Alpen überquert und sind mit dem Rennrad nach Venedig gefahren. Ihre Erlebnisse und Eindrücke von der Tour hat Elkin Richter für die RHEINPFALZ zusammengetragen.

Die erste Etappe: Asselheim - Öschingen

Am Samstag um 9 Uhr ging es los: Start der Trans-Alp-Tour in Asselheim. Die Strecke führte zuerst nach Speyer über den Rhein danach weiter nach Bruchsal, wo die Truppe zur Mittagzeit ankommt. Hinter Bruchsal begannen die ersten Steigungen. Stetig auf und ab ging es auf schmalen Wirtschaftswegen und Landstraßen durch den Kraichgau nach Bad Liebenzell, wo die erste und einzige Stärkungspause eingelegt wurde. „Der Durst war groß und die Temperaturen ebenso“, schreibt Richter in seinem Reisebericht.

Bei Kilometer 146 aus Calw heraus in Richtung Stammheim war Fahrtechnik gefragt. „Auf Grund der enormen Steigung hob streckenweise das Vorderrad von der Straße ab.“ Zum Abschluss mussten wir noch circa 20 Treppenstufen hinaufsteigen. Nach extrem schweren 500 Metern, die alle Kraft erforderten, war das erste steile Stück überwunden. In Stammheim angekommen war noch nicht Schluss mit dem Bergauffahren. Erst bei Kilometer 152 war der höchste Punkt der Tagesstrecke auf 624 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. „In Tübingen geht es durch die Fußgängerzone, wo wir erstmals eine der neuen Fahrrad-Straßen benutzen konnten, die derzeit in vielen Städten eingerichtet werden. Schade, dass es das bei uns zu Hause noch nicht gibt.“ Kurz vor dem Ziel auf der geplanten Strecke ist den Radlern aus dem Leiningerland dann die Straße abhanden gekommen. Über Umwege geht es bergan auf rund zwei Kilometern werden 170 Höhenmeter bewältigt. Anstiege von 15 Prozent machen die letzten Kilometer zur Tortur. Nach etwas über 200 Kilometern Fahrstrecke und rund 11 Stunden erreichen die Radler das Ziel Öschingen. Fazit des Tages: Duschen, essen, schlafen und die Frage: Wer hat diese Strecke geplant?

Die zweite Etappe: Öschingen - Schwangau

Die zweite Etappe fiel ins Wasser: „Nach gefahrenen 85 Kilometern bei Bad Waldsee brachen wir die Tour ab. Starker Regen, Blitz und Donner vermasselte uns die Weiterfahrt“, berichtet Elkin Richter. „Wir verpackten die Räder und fuhren mit dem Begleitfahrzeug nach Schwangau ins Hotel.“ Die schwäbische Gemeinde in Landkreis Ostallgäu liegt 796 Meter hoch. Von unserem Hotelzimmer blickten wir auf die Schlösser Neuschwanstein sowie Hohenschwanstein. Abends ging es noch in die örtliche Hausbrauerei, um ein oder zwei Weißbier zu trinken. Fazit des Tages: Es kann nur besser werden.

Die dritte Etappe: Schwangau – Sölden

Bei tief hängenden Wolken und recht niedrigen Temperaturen fuhr die Truppe in Richtung Reutte, um den Fern-Pass zu bezwingen. „Am Beginn des Aufstiegs stellten wir fest, dass es keine für Rennräder geeigneten Fahrradwege gibt.“ Der Fern-Pass selbst sei stark von Autos und LKW befahren. „Es war uns viel zu gefährlich, mit dem Rad auf der Straße zu fahren. Wir hätten nur den Reiseverkehr behindert, da es den Pkw und Lkw kaum möglich gewesen wäre, uns gefahrlos bei Gegenverkehr zu überholen.“ Wieder muss das Begleitfahrzeug herhalten. Vom Ötztal aus ging es mit dem Rennrad weiter nach Sölden. „Das Wetter war den ganzen Tag bescheiden und kalt. Wir waren froh, abends in unserem Hotelzimmer im Bett zu liegen und wieder Wärme in den Körper zu bekommen.“ Fazit des Tages: Muss man nicht wiederholen.

Die vierte Etappe: Sölden - Trient

„Die vierte Etappe mussten wir in wieder in warmer Kleidung antreten, denn es war eiskalt und neblig.“ Von Sölden bis zum Timmelsjoch mussten rund 1300 Höhenmeter am Stück überwunden werden. Rund 30 Kilometer lang schraubt sich die Timmelsjoch-Pass-Straße in 44 Kehren den Berg hinauf bis auf 2509 Meter. „Den ganzen Anstieg über sind wir in den Wolken vom Nebel umhüllt geradelt. Leider konnten wir nichts vom tollen Alpenpanorama sehen, nur Nebel und Wolken bei vielleicht 50 Meter Sicht.“ Das hatte aber den Vorteil, dass die Truppe nicht sah, wie hoch sie musste. Nach zwei Stunden Fahrt kamen die fünf Radfahrer oben an und waren aus dem Nebel raus. „Glücksgefühle machten sich breit, es geschafft zu haben. Alle Strapazen vergessen.“ Auf der italienischen Seite scheint die Sonne. Nach kurzer Pause ging es bei drei Grad gleich weiter. „Foto, Banane und ab. So stürzen wir uns in die rasende Abfahrt, entlang der in der Sonne glänzenden Schneefelder, die noch vom Winter übrig sind“, beschreibt Richter seine Eindrücke. Die Abfahrt sei gefährlich gewesen. Unbeleuchtete Tunnel, entgegenkommende Motorradfahrer, Autos und feuchte Stellen auf der Straße waren zu berücksichtigen. „Man musste ständig konzentriert fahren, durfte sich keinen Augenblick wegen der rasenden Geschwindigkeit von bis zu 80 Kilometern pro Stunde dem betörenden Alpenpanorama hingeben. Vor den Kehren mussten wir stark abbremsen“, so Richter, das Material sei stark gefragt gewesen. 2000 Höhenmeter weiter unten wurde es warm. Bei 25 Grad plus und strahlendem Sonnenschein wechseln die Radler die Kleidung von Winter auf Sommer. Nach 40 Kilometern Abfahrt wurde das Etsch-Tal erreicht. Weiter ging es entlang der Etsch, durch Meran, Richtung Bozen, dann rechts ab zum Kalterer See. Die Fahrt führte durch Apfelplantagen dem Etappenziel Trient entgegen. Nach einer Pause mit Pizza und Pasta ging es bei mit Rückenwind bis zum Etappenziel leicht bergab. Entspanntes Fahren. Fazit des Tages : Wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab.

Letzte Etappe Trient – Sotto Marina

Bei schönem Wetter, fast zu heiß, starteten die Radler Richtung Sotto Marina ihrem Ziel entgegen. Nach wenigen Kilometern traten die Alpen in den Hintergrund. Die Strecke wurde flach und auf schmalen Straßen näherte sich die Gruppe Venedig. „Diese Strecke war eben, so dass wir mit erhöhtem Tempo dahingleiten konnten. Rechts und links verschwanden die Apfelplantagen und Weinberge, dafür tauchen Getreidefelder auf.“ Auf den letzten Kilometern ging es kerzengerade entlang eines Kanals durch die Lagune von Venedig. Rechts und links sahen die Radler ausgedehnte Wasserflächen, wo wohl Fisch und Muschelzucht betrieben wird. Nach 205 Kilometern wurde am Abend Sotto Marina, eine italienische Stadt römischen Ursprungs erreicht. Sie ist Ortsteil der Gemeinde Chioggia, die zur Provinz Venedig in der Region Venetien gehört. Chioggia. Die auf Holzpfählen errichtete Stadt liegt im Süden der Lagune von Venedig. Sie trägt den Beinamen „Klein Venedig“, um 20 Uhr kamen die Radler aus dem Leiningerland dort an. „Leider haben wir die Fahrzeiten unterschätzt, sodass wir keine Zeit mehr hatten, uns Venedig anzuschauen. Venedig sehen und sterben ist uns erspart geblieben“, schließt Richter seine Reisebeschreibung. Fazit des Tages: Der Weg ist das Ziel und am Ende steht die Freude über das Erreichte.

Die Aussicht der Radler aus ihrem Hotel in Trient
Die Aussicht der Radler aus ihrem Hotel in Trient
Pause an einer Mautstation in Österreich.
Pause an einer Mautstation in Österreich.
In Asselheim sind die fünf Radfahrer gestartet.
In Asselheim sind die fünf Radfahrer gestartet.
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