Steinbach
Pfälzer Olivenöl mit griechischer Seele: Wie zwei Freunde Olivenöl neu denken
Wenn es um Olivenöl geht, scheiden sich die Geister. Alexandra Kröther aus Steinbach und Joachim Steiger aus Maudach kennen die Vorurteile zu genüge. Zusammen wollen sie mit ihrem Pfälzer Unternehmen Oil-live die Menschen vom Gegenteil überzeugen.
Leidenschaftlich gerne verbringen die beiden Freunde mit ihren Familien ihre Urlaube auf Peloponnes, einer Halbinsel im Süden Griechenlands. „Dort haben wir mit der Zeit festgestellt, dass das Olivenöl dort einfach anders als in Deutschland schmeckt“, teilt Alexandra Kröther, die von Haus aus Gymnasiallehrerin für Biologie und Chemie ist. Das erkannten auch bald darauf viele Freunde, die von dem Stückchen Griechenland profitierten, das Kröther und Steiger in Form von Souvenirs mit nach Hause brachten: Immer häufiger wünschten sie sich eine Flasche griechisches Olivenöl als Mitbringsel. „Irgendwann standen wir bei 35 Grad im Wasser rum, als wieder der nächste anrief und wollte, dass wir Olivenöl mitbringen“, erinnert sich Joachim Steiger.
Vom Mitbringsel zur Geschäftsidee
Daraus ergab sich schnell eine Geschäftsidee: „Wieso nicht das griechische Olivenöl in die Pfalz bringen und dort verkaufen, wenn die Nachfrage doch so groß ist?“ In der Urlaubsregion ergaben sich schließlich genug Möglichkeiten, um sich über die Ernte und die Produktion des goldgelben Liquids zu informieren und diese selbst mitzuerleben. „Die Urlaubsregion ist praktisch in einen Olivenhain eingebettet. Es gibt zwei Ölmühlen, zu denen alle Bauern ihre Oliven bringen“, berichtet Alexandra Kröther. „Uns war wichtig, genau zu wissen, wo die Oliven herkommen und wie sie verarbeitet werden.“
Mit der Ölmühle der Familie Kouris fanden Steiger und Kröther 2018 einen Produzenten, der ihren Vorstellungen entsprach. Das Besondere: „Kouris beliefert uns nur mit Öl aus seiner eigenen kleineren und festeren Koroneiki-Olive, die im Gebiet verbreitet ist“, versichert Steiger. Außerdem werden die Oliven nicht mithilfe einer Erntemaschine von den Bäumen gerüttelt oder gar abgesaugt. Denn das sorge dafür, dass das noch zarte Fleisch der noch jungen Früchte beim Herunterfallen eingedrückt werde und so schnell den für Menschen gesunden Pflanzenstoff Polyphenol verliere. „Daraus kann sich ein Geschmacksunterschied ergeben. Manchmal reicht es auch nur, wenn eine Olive schon etwas älter als die restlichen Früchte ist. Das überträgt sich sofort“, erklärt Steiger.
Schonende Ernte für Qualität-Erhalt
Im Gegensatz dazu erntet Kouris seine Oliven, in dem er ganze Äste von den Bäumen schneidet. „Damit erfolgt gleichzeitig eine Baumpflege durch einen Erhaltungsschnitt. Die Äste werden dann in die Ölmühle transportiert, dunkel gelagert und innerhalb von 24 Stunden von Hand geerntet“, beschreibt Kröther weiter. Bevor das Öl kaltgepresst – also bei einer Temperatur von höchstens 23 Grad Celsius verarbeitet wird – und anschließend in vier Paletten in die Pfalz kommt, durchläuft das Produkt einem Laboranalyse. „Wir wollen sichergehen, dass unser Öl einwandfrei ist und höchsten Qualitätswerten – auch nach deutschem Standard – entspricht“, versichert Alexandra Kröther.
Etwa 15.000 Liter Olivenöl verkaufen Kröther und Steiger mittlerweile über das Jahr hinweg – hauptsächlich über ihre Homepage, über Vertriebspartner wie Hofläden von Kaegy auf dem Bolanderhof, bei Enders in Albisheim, im Höringer Bürgerlädchen oder auf Wochen-, Weihnachts- oder Frühjahrs- und Sommermärkten in der Region. Alexandra Kröther ist oft sogar bereit, den Kunden entgegenzukommen: „Wenn es sich ergibt, bringen wir den Kunden das Öl vorbei oder sie können es sich bei uns in Steinbach abholen oder wir versenden es.“ Sogar Bestellungen aus Berlin, Köln und Wiesbaden erreichen das kleine Team von Oil-live regelmäßig.
Mit Vorurteilen aufräumen
Beim Kirchheimbolander Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende sind sie mit einem Stand ebenfalls dabei. Etwas Überzeugungsarbeit müssen die beiden manchmal dennoch leisten, verraten sie. „Viele Menschen mögen kein Olivenöl, weil sie glauben, dass es muffig schmeckt.“ Oftmals halte sich das Vorurteil, Olivenöl könne nicht allzu heiß erhitzt werden. „Klassisches Olivenöl lässt sich bis zu 180 Grad Celsius erhitzen und eignet sich damit sehr wohl zum Anbraten“, sagt Kröther, die selbst bei der Ernährung ihrer Familie großes Augenmerk auf gesundheitsförderliche Aspekte legt. Sogar Frittieren von Pommes frites sei unproblematisch.
Joachim Steiger weiß aus Erfahrung: Probieren die Marktbesucher trotz aller Skepsis das Olivenöl, sind diese meist vom angenehmen Geschmack überrascht. Der typisch kratzige, fast schon hustenauslösende Geschmack von Olivenöl spricht eigentlich für einen hohen Polyphenol-Gehalt, der die gesundheitsfördernde Wirkung mit sich bringt. „Das ist ein Qualitätsmerkmal, denn die Olive ist eigentlich bitter. Wer das nicht mag, kann aber auch auf unsere mildere Sorten zurückgreifen.“ Die Oliven dafür seien etwas später geerntet, enthielten etwas weniger Polyphenol.
Der Charme des persönlichen Kontakts
Um etwas Pepp in ihre Olivenöl-Varianten zu bringen, haben sich Kröther und Steiger mit der Wonnegauer Ölmühle zusammengetan. Zusammen kreieren sie saisonweise Olivenöl mit Bärlauch oder Trüffelöl. Auch Varianten mit Chili oder Zitrone sind gefragt. Neben Öl-Varianten bieten sie außerdem Geschenkesets und einen griechischen Bergtee aus Eisenkraut sowie einen Weihnachtstee aus Orange und Zimt an. „Alles was wir anbieten, steht unter dem Grundsatz: Was kannst du für deine Gesundheit tun“, betont Alexandra Kröther. Nach so vielen Jahren im Olivenöl-Geschäft stehe für sie und Joachim Steiger aber vor allem die Leidenschaft und der Spaß im Vordergrund. „Und in einer Welt, die immer unpersönlicher wird, finden wir den persönlichen Kontakt zu den Menschen besonders charmant.“