Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer macht Furore: Abgefahrene Brände, Gurken-Gin und Keltenwhisky

Die Whisky-Destille ist Bernhard Hönings ganzer Stolz.
Die Whisky-Destille ist Bernhard Hönings ganzer Stolz.

Mit kreativen Schnäpsen räumt Bernhard Höning seit Jahren Preise ab; daneben destilliert er charaktervolle Whiskys. Seine Philosophie: „Man muss alles mal ausprobieren.“

Es riecht rauchig, süßlich, holzig. „Probieren Sie mal“, sagt Bernhard Höning und schenkt ein. Sein Single Malt „Taranis Sweet and Peat“ schmeckt genau so, wie der Name verspricht: süß und torfig, mit einer deutlichen Rauchnote. Gereift ist er in einem Fass, in dem erst ein Whisky von der Hebrideninsel Islay lag und später Madeira. Das Malz dafür kam aus Schottland. „Geräuchert und getorft“, wie Höning betont. Auch der Torf selbst stammt von dort. An Wucht und Durchschlagskraft kann es sein Produkt durchaus mit einem Islay-Whisky aufnehmen.

Auf dem Etikett steht dennoch „Pfälzer Single Malt“, darauf legt Höning Wert. „Es geht mir um das Regionale“ erklärt er. „Wir sind Pfälzer, wir leben am Donnersberg. Das ist mir wichtig.“ Deshalb auch der Name des Whiskys: Taranis, benannt nach dem keltischen Gott des Donners. Sein Roggenwhisky heißt „Eagle Bow“, Adlerbogen. Für seine Brennerei in Winnweiler wirbt er mit den Slogans „From the dark side of the Donnersberg“ und „The true spirit of the Northern Palatinate“, auf Deutsch: „Von der dunklen Seite des Donnersberges“ und „Der wahre Geist der Nordpfalz“.

Von Haus aus Brauer – „beim Bischoff“ gelernt

Von Haus aus ist Bernhard Höning übrigens Braumeister – keine schlechte Basis für einen, der Whisky herstellt, basiert dieses „Lebenswasser“, so die ursprüngliche Bedeutung des gälischen Worts, doch auf einer ähnlichen Stammwürze wie das Bier, nur ohne Hopfen. Mit Hopfen würde daraus ein Bierbrand. Den hat er natürlich auch schon hergestellt, aus einem kräftigen Bockbier. Gelernt hat er „beim Bischoff“, heute ist er im „Brauhaus am Markt“ in Kaiserslautern für die Bierproduktion zuständig.

Auch die Label sind originell.
Auch die Label sind originell.

Seine große Liebe aber gehört seinen Hochprozentigen: Seit 2008 destilliert Höning in seiner „Kleinen Brennerei am Donnersberg“ in Winnweiler Whisky, Edelbrände und Gin. Da ein Single Malt Whisky mindestens drei Jahre im Fass reifen muss, kam sein erster Whisky 2011 auf den Markt – der erste der Pfalz. „Ich hatte ein Fass abgefüllt – innerhalb von vier Wochen war das weg.“ Inzwischen sind es drei bis vier Fässer pro Jahr. Besonderes Merkmal: rauchig und zugleich lieblich.

Gurken-Gin und „Grumbeerovka“

Neben Whiskys entstehen klassische Obstbrände, Liköre und Geister, aber auch Gin und Rum – und immer wieder ungewöhnliche Kreationen. Sein Wahlspruch: „Man muss alles mal probieren.“ Dann kommt man auch auf abgefahrene Ideen wie einen Gurken-Gin, aus dem man das Wasser der Dillgurken tatsächlich herausschmeckt und den er auf gut Pfälzisch „Gin Gummer“ genannt hat. Oder einen Wodka aus Pfälzer Kartoffeln. Der Name: „Grumbeerovka“. Das Ausgefallenste, wie er sagt, war ein Tequila, den er aus einer Agave destillierte, die ein paar Kilometer von Winnweiler entfernt in Wartenberg gewachsen war: „Ich hab den ersten Whisky der Pfalz gemacht und dann auch den ersten Tequila in Deutschland.“ Er nennt das „mein entartetes Hobby“ und fügt hinzu: „Ein bisschen einen Schatten muss man dafür schon haben.“

Der Keltenbezug bleibt auch beim „Donnersberger Kelten-Gin“ erhalten mit typisch „keltischen“ Kräutern wie Eisenkraut, Mädesüß, Herzgespann und Beifuß. Nordpfälzer Wald- und Wiesenkräuter sind im „Palatinus Dry Gin“ verarbeitet. Dass er, nicht nur zu Halloween, auch einen Kürbislikör im Angebot hat, versteht sich fast von selbst.

Jahr für Jahr gewinnt er Preise

Zu seinen Obstbränden gehören klassische Sorten wie Williams, Kirsche oder Mirabelle, er hat aber auch mit Mispeln – „sehr schwierig“ – oder Speierling experimentiert und handverlesene, vollreife Himbeeren nicht nur zum traditionellen Geist verarbeitet, sondern auch kalt vergoren und doppelt gebrannt. „Es kann auch mal was schiefgehen“, gibt er offen zu. „Das muss man dann aber auch wegschmeißen und nicht trotzdem verkaufen“ fügt er mit einem Seitenhieb auf die Konkurrenz hinzu.

Für seine Brände räumt er Jahr für Jahr Auszeichnungen ab. Den Ehrenpreis des Donnerbergkreises hat er bekommen, mehrfach auch den Staatsehrenpreis der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Der war auch in diesem Jahr wieder fällig. 2024 gab es sogar den Großen Staatsehrenpreis. Diese höchste Auszeichnung bekommt man, wenn man innerhalb von zehn Jahren fünfmal mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet wird. Der fünfte ist dann automatisch der Große. Höning schaffte das in aufeinanderfolgenden Jahren. „Wir schicken in der Regel zwischen 20 und 30 Sorten ein – Gold ist immer dabei“, sagt er. „In diesem Jahr gab es 13-mal Gold, unter anderem für den Williamsbirnenbrand, dazu achtmal Silber und einmal Bronze.“ Das Besondere an den Preisen: „Die gehen normalerweise an Winzer, die nebenher auch brennen. Ich war im vorigen Jahr der erste Nichtwinzer, der einen Großen Staatsehrenpreis bekommen hat.“

Weihnachtswhisky aus dem Tannenmet-Fass

Für das kommende Jahr plant Höning einen Weihnachtswhisky, gelagert in einem Fass, das zuvor mit Met aus Tannenhonig gefüllt war. Überhaupt, die Fässer: Die sind eine Wissenschaft für sich. Sie geben dem Whisky seine Abrundung. Hönig setzt gern auf Sherryfässer, es darf aber auch Marsala, Tequila oder Sauternes sein. Und natürlich experimentiert er auch hier gerne: Kürzlich wurden hinter seinem Haus mehrere Akazien gefällt. „Das Holz hab ich mir gesichert. Das wird beim Trocknen ein bisschen speckig und bekommt einen ganz besonderen Geschmack. Ich nenne das dann später ,von hinterm Haus’. Noch regionaler geht es nicht.“

Info

Mehr Informationen zur Brennerei gibt es unter www.nordpfalz-brennerei.de

Bernhard Höning, Ehefrau Christiane und der Donnergott.
Bernhard Höning, Ehefrau Christiane und der Donnergott.
1619_Pfalzgefühl_digital

Hast du die Pfalz im Blut?

Liebst du die Pfalz genauso wie wir? Gehst du gerne auf Weinfeste? Kennst du dieses Pfalzgefühl, das sich nicht beschreiben lässt, weil man es einfach erleben muss? Hier gibt es Artikel für alle Pfälzer, die die Pfalz im Herzen tragen. Für alle, die wissen, wo Hettrum, Hääschde und Harschem liegen. Und für alle, die warme Sommerabende am liebsten mit ihren Freunden und Dubbeglas in der Hand verbringen.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x