Obermoschel Neues Konzept: Stadtbücherei Obermoschel will zukunftsfähig werden
Seit 2021 herrscht wieder Leben in der Stadtbücherei. Zuvor war es um die kleine Bibliothek im Gebäude, in dem auch das Büro des Bürgermeisters untergebracht ist, ruhig geworden. „Die Betreiber waren verstorben und hier lagerten 5000 Bücher, die leider von der Rechtschreibung veraltet waren und ausgetauscht werden mussten“, blickt Büchereileiterin Erika Fischer-Janotta zurück. Seitdem der Stadtrat damals entschied, das kostenlose Leseangebot für die Obermoscheler und weitere Nutzer aus den umliegenden Dörfern aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, ist viel Arbeit in das Herzensprojekt geflossen.
„Allein seit Januar 2024 haben wir 500 Ehrenamtsstunden geleistet. Das ist schon eine Menge“, findet Fischer-Janotta. Ein Team aus neun ehrenamtlichen Mitgliedern kümmert sich seit der Wiedereröffnung um die Ausleihen, ordert neuen Lesestoff, organisiert Veranstaltungen wie Lesungen von lokalen Autoren und konzipiert einen Fahrplan, der die kleine Bücherei auch für die nachstehende Generation interessant und damit das Ausleihangebot zukunftsfähig machen soll.
Mehr als eine reine Ausleihstation
„Ab der vierten Klasse nimmt das Interesse der Kinder am Lesen nämlich ab“, beobachten Fischer-Janotta und ihre Kollegin Walburga Vögtle. Meist gehe das mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule einher. „Die Kinder haben weniger Zeit, an den Schulen gibt es oft ein Ausleihangebot oder sie nehmen andere Freizeitangebote wahr“, erklärt Fischer-Janotta. Entsprechend war bislang auch das Angebot auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet. Für Erika Fischer-Janotta ist klar: „Wenn unsere Bücherei zukunftsfähig sein soll, müssen wir mehr sein als nur eine reine Ausleihstation.“
Um dieses Ziel bis 2030 zu erreichen, haben Fischer-Janotta und Vögtle mit der Unterstützung eines Coaches der Landesbüchereizentrale in Neustadt über Monate hinweg ein seitenlanges Konzept erarbeitet. Der wohl größte Schritt in Richtung Zukunft soll ein Umzug in den seit einigen Jahren geplanten Bürger- und Quartiertreff sein. Wann allerdings die Bücherkisten gepackt werden können, ist noch unklar. Denn bei den Vorarbeiten zum Bau des neuen Gemeinschaftshauses gab es in der Vergangenheit immer wieder Verzögerungen.
Lesen ist noch immer essentiell
Dennoch sind Fischer-Janotta und Vögtle zuversichtlich, dass es mit einem Umzug klappt. „Wir erhoffen uns bessere Räumlichkeiten“, sagt Walburga Vögtle. „In der dunklen Jahreszeit ist der Zugang hier schwierig, die Lichtverhältnisse in der Toilette sind schlecht. Wir sind nicht barrierefrei, was insbesondere für ältere Menschen eine Schwierigkeit darstellt.“ Im Quartiertreff hingegen sei ein eigener Raum für die Bücherei angedacht, mit der Möglichkeit einen weiteren Veranstaltungsraum zu nutzen. „Es fehlt für Jüngere wie auch für Ältere ein Ort der Begegnung“, ergänzt die Büchereileiterin. Diesen sogenannten „dritten Ort“ wolle das Team der Stadtbücherei an einem neuen Standort leben. „Beispielsweise würden wir gerne ein Repair-Café etablieren, also eine Reparaturstation, bei der kaputte Gegenstände gemeinsam repariert werden. Und wir wollen Schulungen zum Thema Online-Banking oder dem Umgang mit dem Smartphone für Senioren anbieten“, nennt Fischer-Janotta Beispiele aus dem Konzept.
Vorlesetage gibt es weiterhin
Auch wolle die Stadtbücherei Eltern und Schulen ein größeres Angebot in Sachen Medienpädagogik machen, und dabei unterstützen, konsumierte Inhalte besser einzuschätzen. „Angepeilt haben wir das medienpädagogische Angebot etwa für 2028“, gibt Fischer-Janotta einen Einblick in den Fahrplan. Ein Teil der geplanten Aktionen existiert außerdem bereits: Seit Jahren besuchen Kita- und Grundschulkinder die Stadtbücherei, lernen ihr Angebot kennen. Das bringt einen großen Vorteil: „Die Familien, die durch ihre Kinder unser Angebot kennengelernt haben, bleiben uns länger erhalten.“ Ältere Kinder, die allerdings während der Zeit der Schließung der Bücherei nicht mit Lesen in Kontakt gekommen seien, hätten auch heute weniger Interesse am Angebot.
„Dabei ist Lesen auch heute noch essentiell“, betont Vögtle, auch wenn die Bücherei mittlerweile neben 1500 Kinderbüchern, Krimis und Belletristik auch eine große Anzahl von sogenannten Tonies, also Figuren mit Hörspielfunktion, oder Tiptoi-Bücher in ihrem Sortiment hat. Um das Lesen bereits in jungen Jahren zu fördern, hat die Bücherei eine neue Kinderecke eingerichtet, die sie bald schon einweihen möchte.
Auch weiterhin werde es Vorleseaktionen in Kitas oder Veranstaltungen wie das Bilderbuchtheater geben. Dabei kommt auch das große neue Smartboard zum Einsatz. „Die Anschaffung war ebenfalls als Teil unseres Zukunftskonzepts und für 2028 angedacht“, berichtet Fischer-Janotta. Dass es dank einer Förderung für digitale Medien nun doch schon früher geklappt hat, macht sie stolz. Der große Bildschirm soll nicht nur bei Schulungen unterstützen, sondern bei Vorleseaktionen mit Bildern die Inhalte untermalen – ohne dabei den Fokus vom Vorlesen zu nehmen. „Beispielsweise können wir Quizfragen zu dem Vorgelesenen einblenden.“
Bücher werden sogar geliefert
Ganz ohne Digitalisierung geht der Weg in die Zukunft eben auch in einer Bücherei nicht, wissen Vögtle und Fischer-Janotta. Aus diesem Grund gibt es in der Bibliothek seit 1. November auch die Onleihe – ein landesweites Angebot zur digitalen Bücherausleihe. Zehn Euro zahlen Kunden für den zusätzlichen Dienst, um E-Paper, E-Books, Filme, Sprachkurse und Fortbildungen nutzen zu können. Wer kein Endgerät hat, soll sich das schon bald ebenfalls in der Stadtbücherei ausleihen können. Wer weiterhin lieber analog liest, für den ist der Gang in die Stadtbücherei aber nicht zwingend. „Was viele nicht wissen: Zu unserem Angebot gehört auch, dass wir nach Absprache eine Buchauswahl liefern“, sagt Vögtle. Damit wolle das Team vor allem ältere Menschen entlasten, denen der Weg in die Bücherei manchmal schwer falle.
Denn mit dem Fortschritt soll nicht zwingend Altbewährtes weichen, betonen die beiden. So stehen bereits die nächsten Lesungstermine mit Autoren wie Marie Lacroix und dem Heimatdichter Richard Müller ab dem Frühjahr an.
Wenn sie sich nur eine Sache für die kleine Bücherei wünschen dürfte, dann wären es noch ein paar junge Leute, sagt Fischer-Janotta. „Die Veranstaltungen auf Tiktok oder Instagram begleiten.“ Dann nämlich besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Bücherei der kleinsten Stadt der Pfalz vollständig im digitalen Zeitalter angekommen ist.