Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Polizeichef: Es ist ländlich hier, Arbeit haben wir aber genug

Das ist der neue Leiter der Polizeiinspektion Kibo: Oliver Straub. Er sagt: „Die Sicherheit der Bürger ist gewährleistet.“
Das ist der neue Leiter der Polizeiinspektion Kibo: Oliver Straub. Er sagt: »Die Sicherheit der Bürger ist gewährleistet.«

Die Polizei hat einen neuen Chef. Im Interview spricht er über Kriminalitätshotspots, verrät, wo die meisten Anzeigen anfallen und welche Delikte zurückgehen.

Oliver Straub ist der neue Polizeichef in Kirchheimbolanden. Seit September ist er offiziell im Dienst. Der gebürtige Mainzer, Jahrgang 1970, blickt auf eine abwechslungsreiche Laufbahn zurück, die ihn zunächst zur Bereitschaftspolizei, dann zur Polizeihochschule auf dem Hahn und anschließend über Stationen in Alzey, Worms und Mainz nach Kirchheimbolanden geführt haben. Unter anderem war er Leiter des Kommissariats für Betrugs- und Vermögensdelikte in Mainz und stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Alzey. Der verheiratete Vater eines Sohnes wohnt mit seiner Frau, die ebenfalls Kriminalbeamtin ist, in Jakobsweiler.

Wie gefällt es Ihnen in Kibo? Ist hier ein eher ruhiges Pflaster?
Wenn ich es mit Alzey oder Mainz vergleiche, auf jeden Fall. Das ist aber auch der Einwohnerzahl geschuldet, weniger der Zusammensetzung der Bevölkerung. Man merkt schon, dass es hier ländlicher ist. Arbeit haben wir aber trotzdem genug.

Im vergangenen Jahr wurde die Kriminalpolizei aus Kirchheimbolanden abgezogen. Wo werden die Delikte, für die die Kripo zuständig ist, jetzt bearbeitet?
Was Tatort Kibo ist, wird bei der Kriminaldirektion Worms bearbeitet. Darüber hinaus gibt es pro Polizeipräsidium ein Kommissariat, das zusätzlich Aufgaben der Kriminalpolizei übernimmt. Für das Dienstgebiet der PI Kirchheimbolanden sitzt das zuständige Kommissariat in Alzey. Gleichwohl bearbeiten wir auch hier im Bezirksdienst nach wie vor Betrugsdelikte.

Welche?
Beispielsweise Warenbetrug, Warenkreditbetrug, Leistungsbetrügereien. Es gibt außerdem die zentrale Anzeigenbearbeitung bei der Kriminaldirektion Mainz. Das ist eine sinnvolle Einrichtung, die sowohl die Kommissariate, als auch die Inspektionen entlastet. Dort werden primär Strafanzeigen einfach gelagerter Sachverhalte bearbeitet, also beispielsweise Delikte wie Ladendiebstahl, Fahrraddiebstahl oder einfach gelagerte Betrugsdelikte. Die Anzeigenerstattung ist über die Onlinewache möglich. Aber natürlich kann man seine Anzeige auch nach wie vor hier in Kibo machen.

Wo werden die meisten Anzeigen erstattet?
Gemessen an der Bevölkerungszahl der drei Verbandsgemeinden Kirchheimbolanden, Eisenberg und Göllheim haben wir in der VG Eisenberg das stärkste Anzeigenaufkommen. Das sind in erster Linie Delikte wie Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Beleidigung. Es gibt in Eisenberg eigens eine Bezirksbeamtin als Anlaufstelle.

Was sind die Hauptdelikte in Ihrem Einzugsgebiet?
2024 haben wir insgesamt 1721 Straftaten gezählt – die niedrigste Zahl seit 2020. Was zugenommen hat, sind Fälle häuslicher Gewalt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der PI Kirchheimbolanden, sondern flächendeckend. Das Thema wird auch stärker in die Öffentlichkeit getragen, auch über die Medien. Das ist prinzipiell gut, denn es ist wichtig, dass Betroffene wissen, welche Anlaufstellen es gibt, und dass sie sich trauen, Anzeige zu erstatten. Es ist ein sensibles Gebiet, das uns personell und zeitlich sehr fordert. Wir sind da aber auf einem sehr guten Weg. Übrigens werden auch Männer Opfer häuslicher Gewalt. Sie trauen sich aber vermutlich viel weniger, das zur Anzeige zu bringen.

Kommt häusliche Gewalt in allen Gesellschaftsschichten vor?
Ja, es sind alle vertreten. Da geht es aber nicht immer nur um Körperverletzung. Es kann zum Beispiel auch psychische Gewalt sein. Was ebenfalls leicht gestiegen ist, sind Delikte wie Körperverletzung. Betrugsdelikte dagegen sind etwas zurückgegangen. Ebenso Wohnungseinbrüche. Das gilt für das gesamte Gebiet der Polizeidirektion Worms. Betrugsdelikte verlagern sich allerdings auch in den digitalen Raum.

Zu Gast in der RHEINPFALZ-Redaktion: Polizeichef Oliver Straub.
Zu Gast in der RHEINPFALZ-Redaktion: Polizeichef Oliver Straub.

Was ist mit Delikten wie dem bekannten Enkeltrick?
Das ist tatsächlich rückläufig. Wir führen aber auch regelmäßig Präventionsveranstaltungen durch, besonders bei Senioren. Man kann da nicht oft genug sensibilisieren. Wenn man einen solchen Anruf erhält, insbesondere sogenannte Schockanrufe angeblicher Polizeibeamter, ist man wie gefangen. Wenn der Anruf kommt „Mama, Mama, ich hab einen Unfall gebaut und jemanden totgefahren“ oder „ich muss ins Gefängnis“, auch noch mit einem angeblichen Polizeibeamten oder Staatsanwalt im Hintergrund, wenn dann eine Kaution gefordert wird, dann ist man wie in einem Tunnel. Sich dann rational zu verhalten, ist schwierig. Übrigens müssen wir verstärkt auch an die Kinder dieser Menschen denken und sie mit ins Boot nehmen. Das ist wirklich ein sehr, sehr wichtiges Thema, es geht ja auch um sehr viel Geld. Die Täter in den Callcentern wissen genau, was sie sagen müssen, um ihr Gegenüber unter Druck zu setzen.

Welchen Rat würden Sie den Betroffenen in einem solchen Moment geben?
Wachsam sein. Nicht sofort handeln. Im Zweifel erst einmal die Tochter oder den Sohn anrufen und das überprüfen. Man sollte sich klarmachen: Ein Polizist würde nie anrufen, um eine Kaution zu verlangen. Das tut auch kein Staatsanwalt. Die Polizei schickt auch nie jemanden vorbei, um Bargeld oder andere Wertgegenstände abzuholen. Niemals.

Betrifft das alle Altersgruppen?
Der Callcenterbetrug richtet sich tatsächlich hauptsächlich an ältere Menschen, aber zum Beispiel Phishing-Mails bekommen auch Jüngere. Die klicken dann einen Link an, und der Täter hat Zugriff auf den Rechner und kann Daten abziehen oder verschicken. Es gibt da verschiedene Maschen. Manche Täter verschicken auch SMS, um an sensible Daten zu gelangen.

Wie sieht es in der PI Kirchheimbolanden mit der Personalsituation aus?
Wir haben beim Wechselschichtbetrieb eine bestimmte Funktionsstärke, die auch gewahrt ist. Es ist gewährleistet, dass genügend Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr auf der Straße sind. Außerdem arbeiten wir mit Alzey, Grünstadt und Rockenhausen zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Die Sicherheit der Bürger ist auf jeden Fall gewährleistet. Das nehmen wir sehr ernst. Natürlich hätte ich gerne mehr Personal, aber welcher Dienststellenleiter hätte das nicht gern? Sogar die Überstunden halten sich im Rahmen.

Wie viele Mitarbeiter sind es insgesamt in Kirchheimbolanden?
Um die 45.

Gibt es Schwerpunkte in Kibo, wo Sie öfter mal vorbeifahren müssen? Vandalismus? Oder Jugendliche, die sich irgendwo sammeln und randalieren?
Nein. Es gibt keine örtlichen Schwerpunkte. Ich bin auch sehr froh, dass wir das so nicht haben.

Es gibt aber doch bestimmte Treffpunkte? Gerade im Parkdeck gab es in der Vergangenheit öfter Probleme. Oder zwischen Hitmarkt und Unterführung.
Ja, da gab es in der Vergangenheit Probleme, aber dass sich da jetzt ein Hotspot gebildet hätte, das kann man nicht sagen.

Frauen können sich also nachts sicher in Kibo bewegen?
Natürlich können wir nicht jede Straftat verhindern, aber wenn wir irgendwo einen Schwerpunkt erkennen würden, dann würden wir den selbstverständlich in den Fokus nehmen.

Wie bewerten Sie die Vorgänge kürzlich in Gauersheim mit der AfD?
Wir als Polizei unterliegen dem Neutralitätsgebot. Wir haben das natürlich alles mitbekommen, und ich bin überzeugt, dass es auch weitergehen wird. Darauf stellen wir uns ein. Unabhängig von Gauersheim sorgen wir dafür, dass jede Versammlung, die angemeldet ist, auch friedlich durchgeführt werden kann. Wir beurteilen jede Lage im Vorfeld und werden dann auch angemessen Kräfte einsetzen.

Hat die Polizei ein Nachwuchsproblem?
Natürlich könnten wir noch mehr Bewerber haben, aber im Grunde sind die Zahlen in Ordnung. Polizist ist ein toller Beruf, ich kann nur dafür werben. Es gibt kaum einen Beruf, der so vielfältig ist. Ich komme jeden Tag gerne zur Arbeit.

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