Winnweiler
Neuer Kinderwanderweg geplant: Rätselspaß in der Natur für die ganze Familie
Gut fünf Jahre liegt der Beginn der Corona-Pandemie nun zurück. Auf die 14-jährige Magdalena Gaedtke und den 15-jährigen Adrian Bogner aus Hochstein hatte die Zeit voller Kontaktverbote und Lockdowns einen prägenden Einfluss. Allerdings nicht im negativen Sinn: Mit ihrer Idee, einen Kinderwanderweg rund um Winnweiler umzusetzen, wollen sie Familien auf Entdeckungstour schicken.
Inspiriert dazu haben sie damals ihre eigenen Erfahrungen. „Corona war 2022 noch präsent und wir dadurch viel in der Natur“, berichtet Adrian Bogner. Besonders der Rocki-Kinderwanderweg in Rockenhausen und der Dachsi-Wanderweg in Göllheim habe ihnen gut gefallen. Schnell sei bei den beiden, die sich auch in ihrem Heimatort gemeinsam ehrenamtlich engagieren, der Wunsch gewachsen, „so etwas auch zuhause auf die Beine zu stellen“.
Info-Tafeln und Rätsel rund um die Natur
Gut drei Jahre später sind sich die Jugendlichen immer noch sicher: Ein Kinderwanderweg in ihrer Nähe, das wäre eine feine Sache. Schließlich sind familienfreundliche Wanderwege mit Aktions- und Erkundungsstationen wie der Spürnasenweg in Albisheim und der Wichtelweg bei Kirchheimbolanden bei Klein und Groß beliebt. Im Nachbarkreis Kusel gibt es sogar den sogenannten Scheeseweg in Herschweiler-Pettersheim, also eine Wanderroute für Senioren im Rollstuhl oder junge Eltern, die ihren Nachwuchs noch im Kinderwagen schieben.
Mit ihrer Begeisterung fürs Wandern sind die beiden Jugendlichen seit der Pandemie nicht allein. Laut den Ergebnissen des Umfrageinstituts Statista ist die Anzahl der Deutschen, die seit der Pandemie häufig oder gelegentlich wandern gestiegen. Zum Vergleich: 2019 gaben rund 31 Millionen Menschen in Deutschland an, der Freizeitaktivität nachzugehen. 2024 waren es etwa 39 Millionen. Viele Familien haben dabei die positiven Effekte der Natur auf die Gesundheit ihrer Sprösslinge erkannt: Der Aufenthalt im Grünen stärkt nicht nur das Immunsystem, die Motorik und kognitive Fähigkeiten von Kindern. Laut Kinderärzten entwickeln Kinder, die häufig in der Natur unterwegs sind, ein ausgeprägteres Sozialverhalten. Zudem reduziert Wandern Stress, steigert die Konzentration und verringert in vielen Fällen Symptome von ADHS.
Rundweg von 3,4 Kilometern Länge
Schnell überzeugten Adrian Bogner und Magdalena Gaedtke Ortsvorsteherin Christiane Demmerle von ihrem Vorhaben. „Alleine lassen mit den Herausforderungen, die eine Planung mit sich bringt, wollte ich die beiden nicht“, berichtet Demmerle, die auch erste Beigeordnete im Ortsgemeinderat Winnweiler ist, sichtlich stolz auf die engagierten Freunde.
Denn Magdalena Gaedtke und Adrian Bogner wissen bereits genau, was sie sich von einem Kinderwanderweg in der Verbandsgemeinde Winnweiler erhoffen: Auf dem künftig 3,4 Kilometer langen Rundweg sollen zwischen sechs und acht Stationen aufgebaut werden, an denen es kleinere Rätsel zu lösen und interessante Fakten rund um Natur, Klima- und Artenschutz, Umweltbildung und Tierwelt zu lernen gibt. „Der Rundweg soll außerdem nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein“, findet die 14-Jährige, „schließlich sollen jüngere Kinder mitlaufen können, und sie können sich ja oft noch nicht allzu lange konzentrieren.“ Denn es soll niemand unter- oder überfordert werden. „Es soll eben wie ein längerer Spaziergang sein, der etwa anderthalb bis zwei Stunden dauert“, so Gaedtke weiter.
Ursprünglich Hochsteiner Kreuz im Visier
Um ihre Ideen bald schon in die Tat umsetzen zu können und sich über die nötigen Anforderungen für einen Kinderwanderweg zu informieren, habe sich das Dreiergespann Unterstützung vom Pfälzerwald-Verein sowie einem Förster, der Tourismusförderung der Verbandsgemeinde und Landrat Rainer Guth geholt und dabei gleich einen wichtigen Hinweis erhalten. „Unsere ursprüngliche Idee, den Wanderweg entlang des Hochsteiner Kreuzes zu errichten, klappt leider nicht, weil die Verkehrssicherungspflicht nicht gewährleistet gewesen wäre“, erklärt Adrian Bogner das Problem.
Als alternative Route sei stattdessen der Weg rund um die Igelborner Hütte in Winnweiler vorbei am Wanderpunkt „Am Bild“ an der Kreuzung in Richtung Leithöfe ins Gespräch gekommen. Denn die Strecke bietet einige Vorteile, so Bogner: „Sie ist bereits etabliert und wird schon stark frequentiert. Es gibt außerdem Parkplätze und mit der Igelborner Hütte, die Start- und Endpunkt des Rundwegs sein wird, auch eine Möglichkeit einzukehren.“ Mit ihrem angeschlossenen Spielplatz bietet die Igelborner Hütte vor allem Familien Abwechslung bei der Rast. Zudem zieren bereits einige Skulpturen die Strecke, die sich gut in den Kinderwanderweg integrieren lassen. Ein weiterer Vorteil: Das Wegenetz im Winnweilerer Wald soll ohnehin neu ausgeschildert werden. „Den Kinderwanderweg entsprechend zu integrieren, würde sich anbieten. Ein Schilderwald soll aber nicht entstehen“, findet Christiane Demmerle.
Wertvolle Tipps für die Umsetzung
Einige weitere Ideen, die die Jugendlichen erarbeitet hatten, haben mit der Erfahrung des Pfälzerwald-Vereins ebenfalls einen neuen Dreh bekommen, erzählt Adrian Bogner. „Erst wollten wir Flyer im Wald platzieren, auf denen die Strecke für die wandernden Familien beschrieben ist. Mittlerweile sind wir auf QR-Codes zum Scannen umgestiegen.“ Schließlich müssten Flyer immer wieder nachgefüllt werden, und das achtlos weggeschmissene Papier verschmutze den Wald. „Ein Handy hat heutzutage jeder dabei, deswegen ist das die umweltfreundlichere Alternative“, sagt Magdalena Gaedtke. Abgekommen seien sie von der Idee, die Infotafeln mit Papier bekleben und drucken zu lassen. „Wir wollen ja, dass der Wanderweg mindestens zehn bis 15 Jahre gut genutzt werden kann. Deswegen sind PVC-Tafeln die bessere, wenn auch teurere Alternative“, so Bogner.
Um einen Überblick über die finanziellen Anforderungen zu bekommen, hätten ihre Unterstützer Informationen und Einblicke in Planungen von Wanderwegen zur Verfügung gestellt. „Ich habe zwar am Anfang mal rumgerechnet, aber eine Kostenübersicht von früheren Projekten hilft uns wesentlich weiter, auch weil wir gerne Förderanträge stellen wollen“, sagt Bogner. „Aus diesem Grund wollen wir bis Sommer die Planung und ein Konzept fertig haben“, versichert Christiane Demmerle, die die beiden auch in Sachen Bürokratie weiter unterstützen will.
Dringend Mitstreiter gesucht
Allerdings gibt es auch noch einige offene Fragen. So muss beispielsweise noch die Verkehrssicherungspflicht geklärt werden, berichtet Bogner. „Sobald Schilder aufgestellt werden, gelten besondere Regeln. Wir müssen klären, wer die Verantwortung übernimmt.“ Zusätzlich erforderten Förderprogramme Verträge unter anderem mit dem Forstamt um Bindungen zu fixieren. Auch die Standorte und die Konzepte für die Infotafeln stünden noch aus. „Die müssen wir noch mit Fachleuten abstimmen“, so Bogner weiter.
Damit die Kosten für das Projekt möglichst gering gehalten werden, brauchen die Jugendlichen weitere Unterstützung: „Wir suchen aktuell noch Mitstreiter, die uns nicht nur dabei helfen, die Stationen aufzubauen, sondern auch den Weg zu unterhalten und zu pflegen“, sagt Bogner mit Blick auf die Zukunft. Immerhin: Die Schreinerei Buhrmann aus Winnweiler hat bereits sechs Holzpfähle für die späteren Stationen gespendet. Drei Familien und fünf Einzelpersonen sind ebenfalls mit an Bord. Auch die Aufträge beispielsweise für den Druck der PVC-Infotafeln soll in der VG vergeben werden. „Gerne dürfen sich noch weitere Personen bei uns melden, die uns unterstützen wollen“, appellieren die beiden Schüler. In einigen Wochen soll bereits ein erstes Informationstreffen stattfinden.
Kontakt
Freiwillige Helfer, die sich bei der Entstehung des Kinderwanderwegs in Winnweiler engagieren wollen, können sich an Adrian Bogner per E-Mail an adrian.bogner@gmx.net wenden.
