Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Hebammenkreißsaal: Eine Geburt ist auch politisch

Hier bringt der Storch noch die Kinder – oder verrät zumindest die Namen der Babys.
Hier bringt der Storch noch die Kinder – oder verrät zumindest die Namen der Babys.

Schwangerschaft und Geburt geht nicht nur Frauen etwas an. Die ganze Gesellschaft profitiert von funktionierenden Strukturen für Frauen mit Kinderwunsch.

Während überall im Land die Kreißsäle schließen, weil sie nicht rentabel sind und Hebammen ihren Beruf aufgeben, weil sie nicht ausreichend verdienen, baut das Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden die Geburtshilfe aus. Die Klinik ist nun eine von fünf in Rheinland-Pfalz mit einem hebammengeführten Kreißsaal. Seit Anfang 2025 haben sechs neue Hebammen dort mit ihrer Arbeit angefangen.

Das sind für alle Familien und Frauen mit Kinderwunsch fantastische Nachrichten. Sie haben hier in der ländlichen Region kurze und schnelle Wege zu einem Kreißsaal, hier können sie ihr Baby sicher zu Welt bringen.

Die Geburtsklinik sollte nah am Wohnort sein

Für schwangere Frauen ist es wichtig, dass diese Strukturen erhalten bleiben. Denn: Wird an den Hebammen gespart, hat das negative Auswirkungen für die werdenden Mütter und ihre Babys. Wer jetzt denkt, das sei nicht sein Problem, der denkt zu kurz.

Seit ein paar Jahren geht die Geburtenrate zurück, das ist ein Problem der ganzen Gesellschaft. Damit sich mehr Frauen für Kinder entscheiden, müssen äußere Umstände stimmen. Dazu gehören genügend Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder, bezahlbarer Wohnraum für Familien, sichere Arbeitsplätze, gute Bildungsmöglichkeiten, eine Gesellschaft, der Kinder wichtig sind – und eben auch ein wohnortnaher Kreißsaal. Werden die Frauen in eben jenem noch ernst genommen, ihre Bedürfnisse und Wünsche in den Mittelpunkt gestellt, dann sind das gute Voraussetzungen für eine selbstbestimmte und friedliche Geburt.

Frauen müssen sicher gebären können

Als Tochter einer Hebamme und selbst Mutter von drei Kindern weiß ich, wie wichtig es ist, dass Frauen in einer Umgebung ihr Kind auf die Welt bringen, in der sie sich sicher und geborgen fühlen. Und genau das ist der Anspruch des hebammengeführten Kreißsaals im Klinikum in Kirchheimbolanden. Im neugebauten Krankenhaus wird es künftig wieder drei Kreißsäle geben, 700 bis 800 Geburten im Jahr könnte die Klinik dann bewerkstelligen – eine enorme Zahl. Die aber auch zeigt, dass das Klinikum die Wichtigkeit von Geburtshilfe anerkennt und weiter ausbauen möchte.

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