Obermoschel
Nach nur 78 Tagen: Bürgermeister Piotr Fidurski tritt zurück
Mit ihm sollte wieder Ruhe einkehren. Nachdem die Stadt Obermoschel von Haushaltsproblemen und Streitigkeiten zerrüttet war, trat Piotr Fidurski im Sommer als Außenseiter und Politik-Neuling zur Bürgermeisterwahl an und gewann überraschend deutlich und im ersten Wahlgang gegen seine zwei verbliebenen Kontrahenten. Wohlwissend, dass viel Arbeit auf ihn warten würde, war der 49-Jährige noch voller Tatendrang. Keine drei Monate später ist die Euphorie verklungen. Am Montag erklärte Fidurski überraschend seinen sofortigen Rücktritt. Über die Hintergründe möchte er noch nicht reden, erbittet sich ein paar Tage, um zur Ruhe zu kommen. In der Erklärung des Ersten Beigeordneten Hans Ruppert ist jedoch von „privaten und gesundheitlichen Gründen“ die Rede.
Ruppert wird nun auch bis zu einer Neuwahl die Amtsgeschäfte übernehmen. „Ich weiche da jetzt nicht zurück. Ich wusste ja, dass das theoretisch passieren kann und ich als Erster Beigeordneter dann übernehmen muss“, erklärte Ruppert am Montag. Und viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt ihm nicht. Schon am Donnerstag steht die wichtige Bürgerversammlung an. Dann treffen sich ab 18 Uhr alle interessierten Einwohner in der Turnhalle, um über eine mögliche Grundsteuer-Erhöhung zu diskutieren. Finanz-Experten der Verbandsgemeinden werden ebenso Rede und Antwort stehen, wie Vertreter der Kommunalaufsicht. Der Termin entstand auf Wunsch des Stadtrates, als dieser sich im Frühsommer zunächst gegen den Konsolidierungspfad der Kommunalaufsicht aussprach und somit aktuell ohne gültigen Haushalt ist. Die Versammlung soll nun dazu dienen, möglichst transparent zu sein und die Bürger vor dieser Entscheidung mit ins Boot zu holen. Eine Aufgabe, die nun Hans Ruppert moderieren und vermitteln soll.
Wichtige Bürgerversammlung findet dennoch statt
Was die Hintergründe von Fidurskis Rücktritt angeht, will sich auch Ruppert nicht äußern. „Ich bin aber sicher, dass er da nichts vorschiebt und ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist“, sagt Ruppert. Fidurski hatte sich im Wahlkampf viel vorgenommen, wollte Dinge verändern, vor allem was das Miteinander in der Stadt und das Stadtbild im Allgemeinen angeht. Dem gegenüber stand und steht aber auch die Schieflage der Stadtfinanzen, die große oder gar kleine Schritte schon erschwert. Auch die Fertigstellung des Bürger- und Quartiertreffs erfordert weiterhin Geduld und bringt immer wieder Diskussionen mit sich. Fidurski, der keine vorherigen Ämter in der Politik innehatte, erhoffte sich im Vorfeld, von der Verbandsgemeinde und dem Kreis in den wichtigen Fragen unterstützt zu werden. In seiner ersten Sitzung nach dem Sommerpause hatte er VG-Büroleiter Hans Feld an seiner Seite, der bei Unsicherheiten im Ablauf auch gerne aushalf und beriet.
„Das Amt kann schon sehr intensiv sein und ist nicht zu unterschätzen“, meint Ruppert. In den kommenden Wochen wird sich nun zeigen, wer für eine Neuwahl zur Verfügung steht. Es wäre schon der dritte Stadtbürgermeister in dieser Legislatur, nachdem im Februar Ralf Beisiegel zurückgetreten war. Im Anschluss stellten sich mit Fidurski, Frank Wagner, Markus Roth und Melissa Metz zunächst vier Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl – Metz zog dann jedoch zurück. Am Ende gewann Fidurski deutlich mit 61,3 Prozent der Stimmen. 78 Tage später steht Obermoschel nun wieder am Anfang.