Rockenhausen
Nach Aus für Privatzoo und Druck auf Betreiber: Tiere werden anderswo untergebracht
Für Nicol Spieß ist Urlaub ein Wort aus einer anderen Welt. Fremd. Nicht wirklich existent. Mehr Schall und Rauch als Meer und Berge. Seit mehr als 20 Jahren haben sie und ihr Mann keinen Urlaub gemacht, erzählt sie, „sondern immer nur gearbeitet und sind für die Tiere dagewesen.“ Tagein, tagaus haben sie sich um Primaten, Faultiere, Raubkatzen und andere Exoten gekümmert, sie versorgt, verarztet, gefüttert. „Mein ganzes Leben habe ich dafür aufgegeben; alles andere und mich selbst vernachlässigt“, sagt sie. Aus ihr spricht kein Frust, eher Stolz – und ein bisschen der Drang, sich zu erklären.
Nicol Spieß, 50 Jahre alt, und ihr Mann Andreas, 53, betreiben seit 2006 in Rockenhausen auf dem Parkplatz zwischen Tedi-Markt, Spielothek und Tankstelle einen Privatzoo. Wie erst vergangene Woche bekannt wurde, ist der Tierpark jedoch seit Februar für Besucher geschlossen (wir berichteten). Der Grund: Das Veterinäramt des Donnersbergkreises hatte die notwendige Erlaubnis für das gewerbsmäßige Zurschaustellen von Tieren nicht mehr erteilt. Die Genehmigung war zuvor befristet gewesen und wurde nun nicht verlängert; deshalb darf der Zoo nur noch privat genutzt werden. Für Nicol und Andreas Spieß ist das „in Ordnung“, sie hatten es sich so gewünscht, erzählen sie der RHEINPFALZ. Denn: „Wir werden nicht jünger, müssen an unsere Gesundheit denken und wollen endlich mal wieder ein paar freie Tage genießen.“ Aus diesem Grund suchten sie schon vor einiger Zeit einen Nachfolger für ihr „Herzensprojekt“ – fanden aber niemanden. Der Sohn wollte anfangs ins Geschäft einsteigen, überlegte es sich dann aber doch anders.
Und somit sind die letzten Kapitel in der komplexen, mal schönen und mal traurigen Geschichte des Zoos angebrochen. „Einige Tiere haben wir schon an andere Einrichtungen gegeben“, sagt Nicol Spieß. Es sei nur noch etwa die Hälfte da. Behalten wollen sie diejenigen, die schon sehr lange bei ihnen leben, alt sind, und denen der Umzug in eine fremde Umgebung zu schaffen machen würde. „Das tun wir ihnen nicht an“, erklärt die 50-Jährige. Zeitweise lebten in dem Rockenhausener Zoo bis zu 200 Tiere, rund 100 Arten. Das Ehepaar Spieß hatte viel Geld in ihr Lebenswerk investiert, die Rede war von rund zwei Millionen Euro.
Gemischte Gefühle für die Zukunft
In den vergangenen Jahren hagelte es jedoch immer wieder heftige Kritik an dem privaten Tierpark, die Tierschutzorganisation Peta hatte mehrfach auf die Schließung gedrängt, Whistleblower auf das Areal geschickt, Videos veröffentlicht, Klagen bei Gericht eingereicht. Die Liste der Beanstandungen durch Bürger und Behörden war lang; bemängelt wurden Hygiene- und Haltungsbedingungen. Immer wieder gab es Vorwürfe der Vernachlässigung, der nicht-artgerechten Haltung, Defiziten bei der Versorgung. Dabei hatte das Veterinäramt des Kreises in den vergangenen zehn Jahren engmaschig die Anlage kontrolliert und auch stets darauf hingewiesen, dass die Mindestanforderungen erfüllt seien.
Das Gutachten eines Tierarztes, ausgestellt im Juni 2025, bestätigte den ordentlichen Zustand des Zoos, und Nicol Spieß beteuert: „Wir haben unsere Tiere niemals vernachlässigt, und sie erhielten und erhalten bis heute gutes Futter.“ Es brauche sich niemand zu sorgen, dass die noch dort lebenden Tiere nicht mehr ernährt werden könnten, jetzt wo das Eintrittsgeld fehle. „Wir hatten auch früher schon Wintermonate, in denen keine Besucher kamen oder die Jahre vor der offiziellen Eröffnung – und die Tiere haben überlebt“, verteidigt sich Spieß. „Wir sind keine Tierquäler“, entgegnet sie den Vorwürfen durch Peta und der Bevölkerung.
Sie und ihr Mann blicken nun mit gemischten Gefühlen, zwei lachenden und zwei weinenden Augen in die Zukunft. „Es tut schon ein bisschen weh, weil uns die Tiere ans Herz gewachsen sind und weil wir uns verantwortlich fühlen. Aber es ist die richtige Entscheidung“, sagen sie. Aber vielleicht wollen sie in naher Zukunft auch einfach mal ein bisschen Urlaub machen.