Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Mut zur Zeit: Wie Ehrenamt weniger Einsamkeit bringt

Im hektischen Alltag sind bewusste Momente besonders wertvoll.
Im hektischen Alltag sind bewusste Momente besonders wertvoll.

Es braucht nicht nur Mut, Zeit zu investieren, sondern auch, sich seine eigene Einsamkeit einzugestehen. Beide Schritte können die Welt persönlicher machen.

Wie oft am Tag sagen wir „gleich“ oder „warte kurz, das mache ich später“? Unser Leben ist eng getaktet. Was uns fast allen fehlt, ist Zeit. Umso schöner ist es, wenn es Menschen gibt, die ihre Zeit verschenken und Menschen besuchen, die einsam sind. Deswegen ist die Initiative „Zeit schenken“ im Donnersbergkreis so wichtig. Und beides ist mutig: Es ist mutig, seine Zeit zu „opfern“, aber auch mutig, sich einzugestehen, dass man einsam ist.

Die Zeit ist eines der wertvollsten Güter, die wir besitzen. Sie lässt sich nicht zurückholen oder vervielfältigen, und im Gegensatz zu materiellen Dingen ist sie unwiederbringlich. Wenn wir einem anderen Menschen Zeit schenken, schenken wir ihm ein Stück von uns selbst: unsere Aufmerksamkeit, unser Mitgefühl und vielleicht auch einen Moment des Trostes. Gerade in einer Welt, die sich immer schneller dreht und in der echte Gespräche und Begegnungen seltener werden, hat dieses Geschenk einen besonders hohen Wert.

Ehrenamt steigert Wohlbefinden

Doch genauso viel Mut erfordert es, Einsamkeit zu benennen – für viele ein tabuisiertes Gefühl in unserer Gesellschaft. Sich selbst einzugestehen, dass man Nähe und Kontakt vermisst, und vielleicht sogar um Hilfe zu bitten, ist ein Schritt, zu dem nicht jeder die Kraft findet. Umso wichtiger sind Initiativen und Menschen, die Einsame nicht nur unterstützen, sondern auch einen Raum schaffen, in dem Begegnung stattfinden kann.

Zeit in Begegnungen und andere Menschen zu investieren, bereichert unser Leben, auch wenn das Wort „Ehrenamt“ ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Es ist ein Akt der Menschlichkeit und Empathie in einer zunehmend distanzierten Welt. Diejenigen, die ihre Zeit schenken, tragen damit nicht nur zu einer besseren Gesellschaft bei, sondern erinnern uns alle daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein – ohne „gleich“ oder „später“. Und: Es gibt sogar etliche wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass ehrenamtliches Engagement das eigene Wohlbefinden steigern kann.

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