Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Lernen macht mehr Spaß“: Wie drei Abiturienten die Digitalisierung an Schulen sehen

Wollen auf Tablets im Schulalltag nicht mehr verzichten: Max Schatto, Paul Rutz und Meva Ciftci (von links) vom Nordpfalzgymnasi
Wollen auf Tablets im Schulalltag nicht mehr verzichten: Max Schatto, Paul Rutz und Meva Ciftci (von links) vom Nordpfalzgymnasium.

Vom Tafelbild zum Podcast: Drei Abiturienten berichten, wie Corona den Unterricht verändert und I-Pads zur Pflicht gemacht hat – und warum Bücher trotzdem bleiben.

Meva Ciftci (19), Paul Rutz (19) und Max Schatto (18) erhalten Ende März am Nordpfalzgymnasium ihr Abiturzeugnis. Dort wurden sie 2017 eingeschult, haben die Coronazeit und auch die zunehmende Digitalisierung miterlebt. Ursula Hillrichs hat sich mit dem Trio über Tafelbilder, I-Pads und ihren persönlichen Podcast unterhalten.

Schulzeit ist immer bewegt. Eure war es allerdings besonders – nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil ihr im Analogen angefangen habt und im Digitalen mit all den Entwicklungen dazwischen gelandet seid.
Paul Rutz: Ja, das stimmt. Wir haben in der Orientierungsstufe Schulbücher getragen und mit Heften oder Ordnern gearbeitet. Auch Tafelbilder kennen wir noch.

Meva Ciftci: Wir waren in der siebten Klasse, als es den ersten Lockdown gab. Ich erinnere mich, dass wir am Anfang mit 36 Arbeitsblättern für Zuhause ausgestattet wurden.

Paul Rutz: Corona hat die Digitalisierung dann stark beschleunigt. 2022 – also nur zwei Jahre später – waren I-Pads für alle schon fast normal.

Das heißt, ihr kanntet in den vergangenen drei Jahren gar keine Hefte, habt nicht mehr mit Büchern gearbeitet?
Paul Rutz: Doch, schon. Im Deutschunterricht beispielsweise lesen wir ja Lektüren, also Reclam oder andere Ausgaben. Und jeder Schüler kann sich natürlich entscheiden, ob er nach wie vor mit Heften oder mit Büchern arbeitet. Und alle Klassenarbeiten werden mit Hand auf Papier geschrieben.

Aber es ist schon so, dass I-Pads inzwischen für alle Schüler Pflicht sind?
Meva Ciftci: Ja, ab der achten Klasse. Die werden privat gekauft und dann in der Schule an ein System angeschlossen mit zeitlichen und inhaltlichen Begrenzungen. Die können nur Lehrer anders gestalten. Das klappt auch bei den allermeisten gut. Die machen wohl regelmäßig Fortbildungen.

Wie geht es Euch mit der Digitalisierung?
Paul Rutz: Erst einmal bringt einen das natürlich technisch voran. Wir sind sehr fit im Umgang mit Medien. Und die Schultasche ist leichter.

Ja, das liegt auf der Hand. Aber hat es Euch auch in anderen Bereichen etwas gebracht?
Meva Ciftci: Ja, auf jeden Fall! Lernen macht tatsächlich mehr Spaß und man wird kreativer. Wenn man beispielsweise die Aufgabe erhält, eine Präsentation zu machen zu der Frage „Was ist ein Vulkan?“ kann ich – auch im vernetzten Team – kreativ alles zusammentragen, was ich brauche. Das ist sehr viel effektiver, als nur zwei, drei Texte dazu zu lesen. Und das Gelernte bleibt besser hängen.

Paul Rutz: Oder wir machen gemeinsam einen Podcast. Dafür haben wir in der Schule extra einen Raum, der heißt „IdONo“ – Ideen-Oase-Nordpfalz. Der ist technisch professionell ausgestattet und wir können ihn jederzeit nutzen, was wir auch häufig tun. Das macht richtig Spaß.

Meva Ciftci: Es ist auch toll, dass Lernen mit dem I-Pad überall möglich ist. Ich habe beispielsweise während der Weihnachtsferien im Urlaub ganz viel für mein Abi tun können. Und KI lässt sich dabei gut für Zusammenfassungen einsetzen, um anschließend in die Einzelheiten zu gehen, die man dann besser versteht.

Paul Rutz: Auch der Kontakt zu Lehrern ist leichter geworden. Viele kann man bei Fragen einfach anschreiben.

Max Schatto: Zwischendurch tun dann aber Bücher auch wieder gut. Den ganzen Tag auf einen Bildschirm zu gucken, ist schon anstrengend. Aber verzichten möchte in auf das I-Pad nicht mehr.

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