Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Kreisjugendkonzert: Ein Ensemble sticht hervor

Das Jugendorchester der Gesangvereinskapelle Rockenhausen eröffnete den Abend.
Das Jugendorchester der Gesangvereinskapelle Rockenhausen eröffnete den Abend.

Zweifellos schuf das Kreisjugendkonzert am Samstag in der VTR-Halle in Rockenhausen wieder Aufbruchstimmung. Die Corona-Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen – auch im Kreismusikverband Westpfalz. Der Gastgeber des Konzerts, das Jugendorchester der Gesangvereinskapelle Rockenhausen, bildet dabei aber eine Ausnahme.

Den Auftakt des Kreisjugendkonzerts am Samstag gestaltete der Gastgeber: Das Jugendorchester der Gesangvereinskapelle Rockenhausen erwies sich bei seiner beachtlichen Vortragsfolge als ein quantitativ wie auch qualitativ ausgeglichener Klangkörper. Leistungsstark, klanglich gut ausbalanciert und im Auftreten diszipliniert, couragiert und engagiert, könnte die Gruppe schon problemlos in die Rolle vieler Mittelstufen-Hauptorchester schlüpfen und scheint nach diesem überzeugenden Eindruck auch noch viel Potenzial zur Weiterentwicklung in sich zu tragen.

Ein homogener, expressiver Wohlklang stellte sich sowohl bei Kurt Gäbles Fantasie „Zauberland“ als auch danach bei sehr ansprechenden Solo-Kantilenen von Flöten und Klarinetten ein. Fazit: Jugendarbeit von ihrer schönsten Seite. Innovativ und progressiv in der Werkauswahl – und als Steigerung in der durchdachten Programmfolge konzipiert. Dabei pflegt die Dirigentin Annika Geib einen sehr lockeren, lebendigen Dirigierstil, der Laune macht.

Der Name ist Programm

Kein anderes der folgenden Jugendorchester konnte da auch nur annähernd mithalten. Bedenkt man aber die große „Fermate“ durch Corona-Maßnahmen und die personellen Probleme des Musikvereins Winnweiler in manchen Registern, dann ist in Winnweiler der Name des Ensembles Programm – und gleichzeitig ein Hinweis auf seine Funktion als Hoffnungsträger. „Zukunftsmusik“ nennt sich diese Mischung aus Holz- und Blechbläsern, die von erfahrenen Kräften des Hauptorchesters vom Bassregister aus verstärkt wird.

Dirigent Jens Illichmann setzt vorwiegend auf ruhig fließende und getragene sowie melodisch gefällige und einprägsame Literatur, wie sich beim Konzert am Samstag zeigte: ein Spiritual wie „Deep River“ etwa. Und selbst beim „Baby Elephant Walk“ kam noch nicht ganz die Assoziation an einen ausgelassenen und verspielten Jungelefanten auf, sondern eher an einen sich bedächtig und vorsichtig herantastenden. Es fehlen also noch der zündende Impuls sowie die stilistische Charakterisierung und Unterscheidung zwischen betonten und unbetonten sowie gedehnten und gekürzten Noten sowie das Ausreizen typischer Akzente; dann könnte diese Formation nicht nur bei diesem Musikstück noch mehr bewirken und bewegen.

Der Sinn für Detailarbeit

Illichmann leitet auch die Orchester-AG der IGS Rockenhausen auf diese umsichtige, vorsichtige und manchmal nachsichtige Art und Weise. Arrangements von Michael Sweeney wirkten schön ausgeformt – und auch hier zeigte sich in der Vortragsfolge ein Bekenntnis zu gemäßigten Tempi und ruhig fließenden Titeln sowie verhaltener Vortragsweise. Dafür aber wurde der ausgeprägte Sinn für Detailarbeit deutlich.

In den Kinderschuhen steckt auch noch das Jugendorchester des Musikvereins Bolanden, das beim Kreisjugendkonzert unter Dirigent Tobias Füge aber straff und lebendig dem rhythmischen Impuls der Arrangements folgte. Besonders gelungen war die im Stil einer Rockballade zwar vereinfachte Bearbeitung von Johnnie Vinson, diese konnte aber gut umgesetzt werden. Im „Farmhouse Rock“ spürte man durchaus einen lebhaften Gestaltungswillen – und die Klanggruppen harmonierten unter- und miteinander. Mehr darf man bei diesem Neuanfang nicht erwarten.

Der Vorzeigecharakter ist da

Man kann festhalten, dass alle Beiträge werbenden Vorzeigecharakter hatten, letztlich aber auch nur da hinführen, wo Vorbilder schon sind: etwa zum Kolpingblasorchester Kaiserslautern mit 33 Instrumentalisten im Jugendorchester und vielen weiteren in Ausbildung. Wer jetzt zu bedenken gibt, dass Stadt und Land nicht vergleichbar seien, dem sei das leuchtende Beispiel von Bernau im Hochschwarzwald angeführt: In einem Dorf mit rund 2000 Einwohnern sind über 30 Mitglieder im Jugendorchester – und 125 werden insgesamt unterrichtet.

Eine Beobachtung am Rande in Sachen Konzertorganisation: Wenn ein Saal nur im vorderen Teil bestuhlt ist und manche Besucher und später die Ausführenden – nach ihren Vorträgen – stehen müssen, schafft dies unnötige Unruhe, beeinträchtigt die Konzentration und sollte organisatorisch überdacht werden.

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