Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kita in der Krise: Zwischen Notbetreuung und Bildungsauftrag

Zu wenig Fachkräfte: Fast überall in Kitas fehlen Erzieherinnen und Erzieher.
Zu wenig Fachkräfte: Fast überall in Kitas fehlen Erzieherinnen und Erzieher.

Ein RHEINPFALZ-Report zeigt, wie Personalmangel, Krankheitsausfälle und steigende Anforderungen den Alltag in Kindergärten im Donnersbergkreis prägen.

Wenn bei Eltern eine Nachricht aus dem Kindergarten im elektronischen Postfach erscheint, bedeutet das selten etwas Gutes: Oft heißt es dann Notbetreuung, verkürzte Öffnungszeiten, fehlende Betreuer, und Eltern merken: Die Kitas sind am Limit. Zu wenig Personal, viele Krankheitsausfälle, zusammengelegte Gruppen, hoher Druck auf Fachkräfte. Offen spricht kaum jemand darüber, sondern nur hinter vorgehaltener Hand. „Wir funktionieren nur noch, statt wirklich pädagogisch arbeiten zu können“, schreibt eine Erzieherin anonym an die RHEINPFALZ-Redaktion. Ein Satz, der deutlich macht, wie grundlegend sich der Alltag in manchen Einrichtungen verändert hat.

Wo eigentlich Bildung, Förderung und Begleitung im Mittelpunkt stehen sollten, geht es vielerorts vor allem nur noch darum, irgendwie den Betrieb aufrechtzuerhalten. Kinder werden aufbewahrt – und hoffentlich kommt dabei niemand zu Schaden. Die Probleme sind nicht neu, doch sie werden immer spürbarer: für Erzieherinnen und Erzieher, für Leitungen, Träger, Jugendämter und vor allem für Familien und für die Kinder. Denn wenn im Alltag ständig improvisiert werden muss, dann betrifft das nicht nur die Organisation. Es betrifft auch die Qualität der Betreuung, die Verlässlichkeit für Eltern und die Zeit, die für Zuwendung und individuelle Förderung bleibt.

Irgendwie den Tag überstehen

„Wenn mehrere Kolleginnen ausfallen, schauen wir nur noch, wie wir den Tag irgendwie überstehen“, schreibt eine weitere Erzieherin aus dem Donnersbergkreis anonym. Dieser Ausnahmezustand scheint in vielen Einrichtungen kein Einzelfall mehr zu sein. Krankheitsbedingte Ausfälle, unbesetzte Stellen und fehlende Vertretungskräfte verschärfen die Lage zusätzlich. Gruppen werden zusammengelegt, Angebote fallen aus, Eingewöhnungen laufen unter Zeitdruck, Gespräche müssen verschoben werden. Gleichzeitig ist von außen nicht immer erkennbar, unter welchem Druck die Teams arbeiten. „Nach außen soll alles laufen, aber intern ist die Belastung enorm“, schildert die Fachkraft.

Unsere Redaktion widmet sich deshalb ab dem 18. Mai in einem RHEINPFALZ-Report dem Thema „Kita in der Krise“. Im Mittelpunkt unserer Berichterstattung stehen ab Montag Erfahrungen aus dem Alltag, politische Rahmenbedingungen und die Frage, was sich ändern müsste, damit Kitas ihren Bildungs- und Betreuungsauftrag wieder verlässlich erfüllen können und mehr zu einem fröhlichen Ort werden, in dem die Kinder nicht nur beaufsichtigt werden, sondern gerne hingehen. Denn: „Für die Kinder bleibt oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich bräuchten“, schreibt eine Erzieherin. Wenn Personal knapp ist, fehlt im Alltag der Raum für Sprachförderung, Begleitung, Beobachtung oder Zuwendung. Was für Eltern wie eine organisatorische Einschränkung wirkt, hat im Hintergrund direkte Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit. Wir sprechen mit Leitungen, Erziehern, Mandatsträgern in der Politik, Eltern. Wir ordnen ein, analysieren und bewerten die Situation der Kitas im Donnersbergkreis. Wir versuchen Lösungen aufzuzeigen.

Mehr Kinder mit Förderbedarf

Denn die Anforderungen an die Einrichtungen steigen weiter an: Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen – mit Sprachförderbedarf, Entwicklungsverzögerungen oder Belastungen durch schwierige Lebenssituationen. Es gibt immer mehr Kinder, die individuell betreut werden müssen. Fachkräfte in den Einrichtungen sollen das auffangen, begleiten und fördern, oft unter Bedingungen, die sie selbst als kaum noch tragbar beschreiben. Viele Beschäftigte machen weiter, aus Verantwortung, aus Verbundenheit mit den Kindern, und weil sie ihren Beruf grundsätzlich gern ausüben. Viele Erzieher und Erzieherinnen kämpfen mit gesundheitlichen Problemen.

Unser Report soll sichtbar machen, was Familien und Fachkräfte täglich beschäftigt und welche Probleme sie haben. Denn die Frage, wie Kinder betreut werden, ist nicht nur eine Angelegenheit der Kitas. Sie betrifft den Alltag von Eltern, die Entwicklungschancen von Kindern und die Zukunft eines Berufsfeldes, das für die Gesellschaft unverzichtbar ist.

Info

Der erste Teil unseres Reports „Kita in der Krise“ erscheint am Montag, 18. Mai. Darin erzählen zwei Erzieherinnen anonym von ihrem Alltag in der Kindertagesstätte.

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