Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel „Kinder haben die besten Ideen“: Ute Knobloch lebt und liebt ein modernes Kita-Konzept

Ute Knobloch freut sich, im Ruhestand viel Zeit in ihrem Garten verbringen zu können.
Ute Knobloch freut sich, im Ruhestand viel Zeit in ihrem Garten verbringen zu können.

19 Jahre war Ute Knobloch Leiterin der protestantischen Kita in Winnweiler. Dort hat sie ein besonderes Konzept mitgeprägt, welches die Wünsche der Kinder im Fokus hat.

Fragt man Ute Knobloch, wie sie denn auf 19 Jahre als Leiterin der protestantischen Kindertagesstätte in Winnweiler zurückblickt, gerät die Neu-Ruheständlerin regelrecht ins Schwärmen. In fast zwei Jahrzehnten hat sie gemeinsam mit ihrem Team ein Konzept etabliert, das besonders ist. Und mit stolz erzählt Ute Knobloch von ihrem Weg dahin und davon, wie dieser Weg nun von einem starken Team weitergeführt wird. Kritisch wird sie hingegen dann, wenn es um die Vorgaben des Landes und das System geht, in dem sich die Einrichtungen zurechtfinden müssen.

Das „Offene Konzept“, in dem in der Kita in Winnweiler gearbeitet wird, wurde schon eingeführt, bevor Ute Knobloch dort mitgearbeitet hat. „Damals war ich noch als Mutter involviert, später dann erst als Mitarbeiterin und ab 2006 als Leitung“, blickt sie zurück. Die Erfahrung, die sie damals dort gemacht hat, brachte sie erst ins Umdenken. Denn eigentlich hatte sie die Arbeit in einer Kindertagesstätte für sich bereits ausgeschlossen. „Meine ersten Praxiserfahrungen in einer Kita waren nicht gut“, erinnert sie sich. Später studierte sie Sozialpädagogik. Und doch führte der Weg zurück zur Kita.

Partizipation: Kinderparlament und Raumwahl

Doch was macht das „Offene Konzept“ überhaupt so besonders? „Partizipation spielt dabei eine ganz besonders große Rolle“, erklärt Ute Knobloch. Auch dürfe man keine Scheu haben, „alte Zöpfe auch mal abzuschneiden und neue Wege zu gehen“. Die Kinder entscheiden in Winnweiler mit, wie sich ihr Tag in der Einrichtung gestaltet. „Wir wählen ein Kinderparlament, dass sich dann regelmäßig trifft und über Wünsche und Ideen der Kinder spricht“, so Knobloch. Im Alltag äußert sich das Konzept dann mitunter darin, dass es keine klassischen Kita-Gruppen gibt, sondern verschiedene Räume mit unterschiedlichen Themen-Schwerpunkten wie Bewegung, Kreativität, Lesen oder Ruhe. „Die Kinder entscheiden selbst, was sie gerade machen möchten“, sagt Knobloch. Ist ein Raum belegt, gibt es eine Warteliste, auf die man sich eintragen kann. Außerdem betont Ute Knobloch: „Kinder haben einfach die besten Ideen“. So sei in Zusammenarbeit mit den Kindern unter anderem die Idee entstanden, „Essenshelferkinder“ einzuführen, die beim Aufbau und der Durchführung des Mittagsbuffets helfen. „Und die Kinder wollen das sehr gerne machen und machen es auch sehr gut“, so Knobloch.

Für Ute Knobloch war das Kennenlernen dieses Konzeptes, damals noch als Mutter eines Kita-Kindes, eine Art Offenbarung. In ihrer späteren Zeit als Leiterin ging es dann viel darum, das Konzept im Team zu etablieren und weiterzuentwickeln. „Wir hatten über lange Zeit ein Coaching gehabt“, blickt sie zurück. „Auch die Eltern waren stets wichtige Partner. Man musste alle mitnehmen, oft auch Dinge erklären und verständlich machen.“ So sei etwa oft das Vorurteil gefallen, dass Kinder im „Offenen Konzept“ eben nicht alles lernen würden und so beim Schuleintritt Probleme bekommen würden. „Das stimmt aber nicht. Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, Dinge zu erlernen. Und verschiedene Zeitpunkte“, sagt Ute Knobloch. Ein Kind, das etwa nicht oft im Bastelraum ist, findet – auch durch Unterstützung der Erzieherinnen – stets anderswo eine Möglichkeit, sich in Sachen Kreativität zu versuchen.

Kritik an Betreuung verhaltensauffälliger Kinder

Die Erfahrungen, die Ute Knobloch in ihrer Zeit in der Kita Winnweiler gemacht hatte, waren jedenfalls durchweg positiv. Perfekt ist die Ausgangslage, aus der heraus die Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz arbeiten müssen, aus ihrer Sicht deshalb aber keineswegs. „Es wäre grundsätzlich schön, wenn mehr Geld für Bildung und das dafür benötigte Personal zur Verfügung stehen würde“, sagt Ute Knobloch. Auch würde sie es begrüßen, wenn freiere Konzepte, wie das an der Kita in Winnweiler, in angepasster Form an Grundschulen weitergeführt würden. „Man sollte immer im Blick haben, was ein Kind braucht und individuell auf diese Bedürfnisse eingehen“, ergänzt sie. Kontraproduktiv seien dabei allerdings Ansätze, wie eine verkürzte Ausbildung. „Wie soll dabei denn Qualität herauskommen?“, fragt sie.

Wo für Knobloch ebenfalls angesetzt werden müsste, wäre bei der Betreuung verhaltensauffälliger Kinder. Um für ein Kind einen Integrationshelfer, eine sogenannte I-Kraft, zu bekommen, muss zurzeit zunächst eine Diagnose vorgelegt werden, ehe das Jugendamt aktiv wird. „Bis dahin vergehen schon schnell mal ein, zwei Jahre“, sagt Knobloch. Das Kind, das eigentlich Hilfe benötigen würde, muss über diese Zeit dann irgendwie betreut werden – in Härtefällen folgt ein Ausschluss aus der Kindertagesstätte. „Hier müsste man mehr auf die Einschätzung des Fachpersonals aus der Einrichtung vertrauen, um die Abläufe zu beschleunigen“, findet Knobloch.

Nun warten Garten, Reisen und Enkelkinder

Viele Themen beschäftigen sie also weiterhin, auch wenn sie nicht mehr selbst in der Kita arbeitet. „Ich möchte mich wieder mehr politisch engagieren“, sagt Knobloch, die früher schon unter anderem im Verbandsgemeinderat saß. „Außerdem werde ich mehr reisen, radfahren und einfach mal meinen Garten genießen“, ergänzt sie. Und mit Kindern wird Ute Knobloch auch weiterhin ihre Freude haben, denn aktuell ist das bereits achte Enkelkind auf dem Weg.

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