Donnersbergkreis
Keine Termine möglich: Ärztemangel verschärft sich
1990 übernahm die Hausärztin Doris Kolb-Siebecker eine Praxis in Sippersfeld. Im Januar 2026 hört sie auf und gibt ihre Praxis ab. Bis heute hat sie keine Nachfolge gefunden – nun wird es ab Januar 2026 in Sippersfeld keinen Hausarzt mehr geben.
Das, was aktuell in der kleinen Gemeinde der Verbandsgemeinde Winnweiler passiert, könnte in den kommenden Jahren häufiger vorkommen: Eine Praxis schließt, weil der Arzt aus Altersgründen aufhört und ein Nachfolger nicht gefunden wird.
Wer zum Arzt muss, muss ins Auto steigen
Wer kurzfristig einen Termin beim Hausarzt braucht, der muss ins Auto steigen und zum Beispiel nach Alzey oder Eisenberg fahren – das ergab eine Recherche der RHEINPFALZ auf der Internet-Plattform Doctolib. Es war nicht möglich, einen Hausarzt zu finden, der in den kommenden Tagen einen Termin frei hat. Bei Fachärzten zeigt sich ein noch dramatischeres Bild: Für einen Kardiologen gab es gar keinen Treffer, einen Kinderarzt-Termin könnte man Ende Oktober in Eisenberg buchen, einen Augenarzt-Termin nirgends.
Der Ärztemangel betrifft inzwischen alle Fachbereiche und ist in ländlichen Regionen deutlich spürbar. Besonders die hausärztliche Versorgung leidet – im Mittelbereich Kirchheimbolanden, was den Donnersbergkreis meint, sind derzeit 12,75 hausärztliche Praxissitze unbesetzt. Nur im Kreis Bitburg sind mehr Plätze unbesetzt – 18,5. In vielen weiteren Kreisen ist die Zahl einstellig – und auch dort spricht man von gravierendem Ärztemangel. Im Landkreis Kusel sind 9,25 Sitze unbesetzt.
Generationenwechsel in der Ärzteschaft
Gründe liegen unter anderem in einer veralteten Bedarfsplanung, die aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) die aktuelle Versorgungslage nicht mehr abbildet. Weitere Faktoren sind: Budgetierung, Bürokratie, Fachkräftemangel, zu wenige Medizinstudienplätze und ein Generationenwechsel in der Ärzteschaft. Viele Mediziner arbeiten über das Rentenalter hinaus, weil sie keine Nachfolger finden – und irgendwann geben sie die Praxis trotzdem auf, weil sie einfach nicht mehr arbeiten können. Zudem könnten Hausärzte den Facharztmangel nur begrenzt auffangen, da es in der ambulanten Versorgung eine strikte Trennung zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Tätigkeit gibt.
Studenten für Arbeit in der Praxis begeistern
Die KV ist sich des Problems bewusst und engagiert sich intensiv, um den ambulanten Bereich für den ärztlichen Nachwuchs attraktiver zu machen. Medizinstudierende können schon während des Studiums Einblicke in die ambulante Versorgung gewinnen – etwa durch eine geförderte Hospitation in einer Arztpraxis mit 500 Euro monatlich oder finanzieller Unterstützung im Praxisjahr. Ärzte in Weiterbildung erhalten bis zu 5800 Euro monatlich, dazu persönliche Beratung und Workshops.
Mit der Kampagne „Ärztliche Weiterbildung – Ihre Chance. Mit uns in RLP“ und regionalen Weiterbildungsverbünden – auch im Donnersbergkreis – sorgt die KV für eine enge Vernetzung zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen. Nach abgeschlossener Weiterbildung steht ein Startkapital von bis zu 10.000 Euro für Praxisgründungen oder -übernahmen bereit. Über Strukturfonds werden zudem Niederlassungen und Praxisübernahmen mit bis zu 39.000 Euro gefördert.
„Arzt sucht Ort“ – ein Portal im Internet
Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie dem hiesigen, sehr engagierten und auch erfolgreich agierenden Verein Ärzte für die Westpfalz unterstützt die KV RLP Projekte zur Nachwuchsgewinnung, etwa durch Stipendien für Medizinstudierende im Ausland und regionale Praktikumsangebote. Gerade erst, im Sommer, hat der Verein in der Westpfalz acht neue Stipendiaten begrüßt. Vorsitzender des Vereins ist der Landrat des Donnersbergkreises, Rainer Guth. Er wird nicht müde, die Bedeutung des Vereins für ländliche Regionen zu betonen.
Bei den Projekten profitieren Kommunen von Beratung, Versorgungsanalysen und dem Portal „Ort sucht Arzt“ der KV – tatsächlich ist jedoch auf dieser Seite keine Praxis aus dem Donnersbergkreis zu finden, wie eine Recherche der RHEINPFALZ ergab.
Für diejenigen, die ihre Praxis aufgeben möchten, organisiert die KV RLP eine frühzeitige Nachfolgesuche, zeigt verschiedene Optionen auf und begleitet den Prozess einschließlich der Formalitäten und wirtschaftlichen Betrachtungen. In ländlichen Regionen sollte man dafür etwa fünf Jahre einplanen – und trotzdem klappt es in vielen Fällen nicht mit einem Nachfolger.
Mehr Studienplätze könnten das Problem lösen
Wie eben in Sippersfeld. Was dann bleibt, sind ein Ort ohne hausärztliche Versorgung und viele ratlose Gesichter. Eine schnelle Lösung des Problems wird es nicht geben, denn die KV RLP macht deutlich: Neben Förderungen und Beratungsangeboten braucht es politische Reformen – unter anderem eine neue Bedarfsplanung, weniger Bürokratie, Abschaffung der Budgetierung und mehr Studienplätze –, um die ambulante Versorgung insbesondere im ländlichen Raum langfristig zu sichern und die flächendeckende ärztliche Versorgung auch im Donnersbergkreis zu gewährleisten.