Donnersbergkreis
Kein Trail, kein Wandermarathon: Protest wegen Auflagen für Pfälzer Veranstalter
Seit 2011 gehört der Wandermarathon am Donnersberg für viele Wanderfreunde fest zum Frühjahr. Die Nachfrage ist groß: Die 700 Startplätze sind meist schon am ersten Anmeldetag vergeben. Auch für dieses Jahr war alles vorbereitet: An diesem Samstag, 9. Mai, sollte die Veranstaltung stattfinden, Start und Ziel sollten in Steinbach sein, Ankündigungen waren bereits veröffentlicht. Dann kam die Absage: Der Donnersberg-Touristik-Verband (DTV) strich die Veranstaltung kurzfristig. Zuvor war bereits der Donnersberg Trail des LC Donnersberg abgesagt worden.
Die Organisatoren machen dafür verschärfte Sicherheitsauflagen im Wald verantwortlich. Dach Darstellung des DTV wären entlang der Strecke umfangreiche Kontrollen und Sicherungsmaßnahmen nötig gewesen. „Wir hätten mehrere hundert Bäume fällen und an weiteren Bäumen Äste entfernen müssen“, sagt DTV-Geschäftsführer Simon Lauchner. „Dieser finanzielle und organisatorische Aufwand war für uns nicht zu stemmen.“
Der Knackpunkt ist die Frage, welche Regeln bei größeren Veranstaltungen im Wald gelten. Grundsätzlich ist es so: Der Wald darf zur Erholung genutzt werden. Dabei gilt aber auch: Wer ihn betritt, tut dies auf eigene Gefahr. Zwar haben Waldbesitzer – im Donnersbergkreis ist dies in erster Linie das Land – Verkehrssicherungspflichten, typische Waldgefahren wie herabfallende Äste oder umstürzende Bäume sind davon aber in der Regel ausgenommen.
Wie Lauchner erläutert, galt diese Linie bislang im Wesentlichen auch für größere organisierte Veranstaltungen. Schon immer mussten dafür Gestattungsverträge mit dem Forstamt Donnersberg als Vertreter der Landesforsten abgeschlossen werden. Die Auflagen seien aber überschaubar gewesen und hätten sich gut umsetzen lassen.
Jetzt ist eine fachkundige Kontrolle nötig
Das habe sich nun geändert. Auslöser sei ein neuer Mustervertrag des Landes. Dieser sehe vor, dass vor jeder Veranstaltung eine fachkundige Kontrolle der betroffenen Waldabschnitte stattfinden müsse. Werde dabei eine erhöhte Gefahr festgestellt, könnten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen verlangt werden, um Risiken entlang der Strecke zu reduzieren.
Genau das bringt die Organisatoren an ihre Grenzen. Das Problem dabei: Die Lage in den Wäldern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Trockenheit und Klimastress setzen vielen Bäumen zu. Ihre Standfestigkeit nimmt ab, die Gefahr von Astbruch wächst. Was für einzelne Spaziergänger ein allgemeines Lebensrisiko ist, wird bei organisierten Veranstaltungen zu einem kaum beherrschbaren Problem – auch, was die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen angeht. „Das können wir nicht leisten“, sagt Lauchner.
Das Forstamt Donnersberg, das die Vorgaben des Landes umsetzen muss, hat als Alternative eine Verlagerung des Marathons in den strukturell noch gesünderen Stumpfwald (zwischen Göllheim und Kerzenheim) ins Gespräch gebracht. Für den DTV ist das aber keine Lösung: „Der Donnersberg ist der Mittelpunkt unseres Kreises, mit ihm werben wir, ihn kennt man in der ganzen Region. Deswegen kann der Wandermarathon auch nur hier stattfinden“, sagt Lauchner. Hinzu komme, dass am Donnersberg zahlreiche Hütten als Verpflegungsstellen eingebunden seien. „Außerdem: Wo sonst gibt es so viele großartige Aussichtspunkte? Nein, wir müssen am Berg bleiben.“
Es geht auch um ehrenamtlichen Einsatz
Für ihn geht es ganz grundsätzlich auch um die Frage, was im Wald künftig überhaupt noch möglich ist. Der Wandermarathon beispielsweise wird vom DTV organisiert, getragen wird er aber auch vom Einsatz vieler Ehrenamtlicher, allen voran von die Pfälzerwaldvereins-Ortsgruppen rund um den Berg. Auch beim Donnersberg Trail steckt viel freiwillige Arbeit hinter Planung, Streckensicherung und Versorgung. Wenn die Anforderungen weiter steigen, befürchten die Veranstalter, dass genau dieses Engagement an seine Grenzen stößt.
Sie fordern deshalb eine politische Lösung und rechtliche Klarheit. „Das Waldgesetz muss auf Bundes- oder Landesebene an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Grundsätzlich muss gelten: Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr, unabhängig davon, ob dies privat oder bei einer organisierten Veranstaltung geschieht“, so Lauchner. Landes- und Bundespolitik seien daher aufgefordert, praktikable Regeln zur Entlastung von Organisatoren und Waldbesitzern zu schaffen, ohne den Wald zu sperren oder Veranstaltungen faktisch unmöglich zu machen.
Um dieser Forderung Nachdruck verleihen, laden DTV und LC Donnersberg für Samstag, 9. Mai, 10 Uhr, zu einer Protestkundgebung nach Steinbach vor das Bürgerhaus ein. Nach Angaben der Veranstalter werden dort neben Lauchner auch ein Vertreter des LC Donnersberg, der Erste Kreisbeigeordnete Karl Landfried sowie der Bürgermeister der VG Winnweiler, Rudolf Jacob, sprechen. „Es ist enorm wichtig, dass sich etwas tut“, betont Lauchner. „Sonst wäre das das Ende für alle organisierten Veranstaltungen im Wald.“