Kriegsfeld RHEINPFALZ Plus Artikel „Jede Sekunde zählt“: Informationsabend über First Responder

Bei medizinischen Notfällen zählt jede Sekunde – First Responder überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
Bei medizinischen Notfällen zählt jede Sekunde – First Responder überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

Ein Notfallsanitäter möchte über First Responder informieren. Die qualifizierten Ersthelfer sind oft vor dem Rettungsdienst vor Ort und können so Leben retten.

Herr Reusch, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „First Responder“?
Ein First Responder ist ein qualifizierter Ersthelfer, der bei einem medizinischen Notfall zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert wird. Das passiert automatisch, wenn die 112 gewählt wird, das läuft für den Patienten im Hintergrund, der Anrufer muss nichts weiter tun, als über die 112 den Rettungsdienst zu rufen. Über eine App werden die Helfer vor Ort aktiviert. Da diese Helfer direkt vor Ort in der Gemeinde leben oder arbeiten, sind sie oft schon nach wenigen Minuten am Patienten, also deutlich vor dem Rettungswagen oder dem Notarzt, die von weiter her anfahren müssen. Es geht darum, das therapiefreie Intervall so kurz wie möglich zu halten.

Warum ist dieser Zeitfaktor medizinisch so entscheidend?
In der Notfallmedizin zählt jede Sekunde, besonders bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder schweren Atemnotzuständen. Da das Gehirn bereits nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff unwiederbringliche Schäden zu erleiden beginnt, ist schnelles Handeln lebensnotwendig. Mit jeder Minute, in der keine Reanimation erfolgt, sinkt die Überlebenschance um circa zehn Prozent. Ein First Responder überbrückt diese kritische Zeit mit qualifizierten Basismaßnahmen, bis die professionelle Besatzung des Rettungsdienstes eintrifft und die erweiterte Versorgung übernimmt.

Sie planen in Kriegsfeld eine Informationsveranstaltung dazu, an wen richtet sich dieser Abend?
Der Abend richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger, da es uns primär um Transparenz und Aufklärung geht. Wir möchten zeigen, was medizinisch passiert, wenn der First Responder alarmiert wird, wie eine Erstversorgung aussehen könnte und welche Geräte dem Helfer zur Verfügung gestellt werden, wie etwa ein automatisierter externer Defibrillator. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung weiß: Wenn jemand mit medizinischem Equipment angerannt kommt, ist das ein Teil der Rettungskette, der professionelle Hilfe einleitet.

Muss man bereits medizinischer Profi sein, um mitzuwirken?
Ein medizinischer Hintergrund – etwa als Pflegekraft, Rettungssanitäter oder Arzt – ist aufgrund der fachlichen Anforderungen natürlich ideal. Man hat es oft mit kritischen Patientenzuständen zu tun, was neben Fachwissen auch eine gewisse psychische Stabilität erfordert. Aber auch engagierte Laien können sich über erweiterte Erste-Hilfe-Kurse, zum Beispiel von Hilfsorganisationen, qualifizieren lassen. Das Ziel ist eine hohe medizinische Qualität der Erstversorgung, weshalb eine fundierte Ausbildung die Grundvoraussetzung für die aktive Teilnahme ist.

Warum ist dieses System gerade für unsere ländliche Region so wichtig?
Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Die medizinische Versorgung auf dem Land steht vor einer riesigen Herausforderung. Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes sind bereits heute rund einundvierzig Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte sechzig Jahre oder älter; in Rheinland-Pfalz liegt dieser Anteil mit achtundvierzig Prozent sogar noch deutlich höher. Das bedeutet für uns ganz konkret: Wenn fast jeder zweite Hausarzt in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht, bricht die gewohnte Vorsorge vor Ort weg. Erkrankungen, die mit dem Alter oder dem Lebensstil einhergehen, werden oft gar nicht oder viel zu spät entdeckt, weil der regelmäßige Blick des Arztes fehlt. So werden schleichende Probleme plötzlich zu akuten, lebensbedrohlichen Notfällen. Wenn dann noch der Rettungswagen eine weite Anfahrt hat, wird es kritisch. Wir können die Lücken im Gesundheitssystem nicht schließen, aber wir können dafür sorgen, dass im schlimmsten Moment trotzdem sofort jemand Fachkundiges an Ihrer Seite ist.

Info

Die Veranstaltung „First Responder Kriegsfeld“, ist am Donnerstag, 16. April, 19 Uhr, in der Turn- und Festhalle Kriegsfeld, Kleiner Saal. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Zur Person

Daniel Reusch wohnt im Donnersbergkreis und ist seit 2015 im Rettungsdienst tätig. Von 2016 bis 2019 absolvierte er die Ausbildung zum Notfallsanitäter und war anschließend von 2019 bis 2021 im Fahrdienst aktiv. Seit 2021 arbeitet er an der Rettungsdienstschule Mainz des Deutschen Roten Kreuzes und ist nebenberuflich weiterhin im Fahrdienst tätig. Darüber hinaus engagiert er sich im Katastrophenschutz für den Kreis Mainz-Bingen.

Daniel Reusch informiert über die Rolle von First Respondern in der Notfallversorgung.
Daniel Reusch informiert über die Rolle von First Respondern in der Notfallversorgung.
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