Kommentar
Im Nachgang zum Windradbrand haben Behörden eine Chance verpasst
Eine Aufregung war das ja schon: Weithin sichtbar brannte am 2. Januar auf dem Hungerberg ein Windrad ab. Und dann? – Geschah erst mal nicht viel. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten und sich der Brandstelle nicht zu nähern. Anschließend wurden die Zufahrtswege abgesperrt. Damit war für die Behörden die Sache erledigt.
Wir bei der RHEINPFALZ hatten uns da allerdings schon vorgenommen, die Hintergründe näher zu beleuchten. Nicht was das Feuer selbst angeht – so etwas kommt vor. Aber was ist mit Umweltschäden? Was mit Schäden für die Gesundheit von Mensch und Tier? Denn so ein Windrad ist ja nicht aus Holz oder Pappe. Vielmehr ist es aus hochkomplizierten Verbundstoffen, die unter anderem Karbonfasern enthalten können. Dann spricht man von CFK – C für Carbon, F für Faser, K für Kunststoff.
Dieses Material ist in den Rotorblättern von vielen Windrädern enthalten. Auch in denen des dänischen Herstellers Vestas, von dem auch die Hungerberg-Anlagen stammen. Und karbonfaserverstärkter Kunststoff ist nicht ungefährlich, vor allem wenn er durch Feuer freigesetzt wird. Beim Einatmen ähnelt die Wirkung auf die Lunge der von Asbest. Er ist biologisch nicht abbaubar und sehr leicht, kann also vom Wind über weite Strecken getragen werden. Und wie wir uns sicher alle erinnern, hat es um den 2. Januar herum ordentlich gestürmt. Da kann man schon mal besorgt werden als Bürger, vor allem wenn man in den umliegenden Ortschaften wohnt.
Leser fordern Informationen
Das dachten außer uns auch unsere Leser: Noch bevor wir selbst mit der Recherche loslegen konnten, kamen schon die ersten E-Mails in der Redaktion an. Tenor: Das kann man doch so nicht stehenlassen, da muss doch die Bevölkerung informiert werden!
Richtig! – Doch wer ist für die Information der Bevölkerung zuständig? - Klar, die Zeitung, das versteht sich von selbst, deshalb haben die Leute uns ja abonniert. Aber in allererster Linie natürlich die Behörden. Und was kam von denen? – Genau. Nichts. Wir mussten um jedes Fitzelchen Information ringen, und selbst dann kam nur das Allernötigste. Der Betreiber war erst einmal auf Tauchstation gegangen. Ob mit Absicht, oder weil man dort mit den Nachwehen des Brandes genug zu tun und keine Kapazitäten für uns frei hatte, sei dahingestellt. Tatsache ist: Auf unseren Fragenkatalog kam zunächst keine Antwort.
Nach sachlich kommt alarmistisch
Und die Behörden? Wir hatten Anfragen an Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung und Struktur- und Genehmigungsdirektion gerichtet. Zunächst sachlich, dann etwas alarmistischer formuliert. Der Gedanke dahinter: Das muss den Verantwortlichen doch klar sein, dass die Bürger hier in heller Aufregung sind. Da muss man sie doch entsprechend informieren, auch um sie zu beruhigen – selbst wenn seitens der Behörden dafür keine Verpflichtung besteht.
Denn rein nominell haben sie tatsächlich das getan, was sie tun mussten. Aber eben auch kein bisschen mehr. Eine kurze Meldung in der RHEINPFALZ: „Die Kreisverwaltung teilt mit, dass durch den Windradbrand keine gefährlichen Partikel in die Umwelt gelangt sind, da diese in diesem speziellen Typ nicht verbaut waren“, hätte doch schon genügt, um die meisten besorgten Anwohner zu besänftigen. Denn wie sich schließlich herausstellte, war das wohl tatsächlich der Fall: Kein CFK, sondern das deutlich harmlosere, wann auch nicht vollkommen unbedenkliche GFK, ein Glasfaser-Kunststoff-Gemisch. Von den Behörden war das allerdings nicht zu erfahren, sondern vom Betreiber, der sich schließlich, wohl auch, weil die Kreisverwaltung hinter den Kulissen Druck gemacht hatte (immerhin!), doch meldete.
Danke für nichts
Wie gesagt: Direkt falsch haben die Behörden nichts gemacht. Was ihnen in der Sache aber völlig abging, war ein Gefühl für die Stimmung in der Bevölkerung: Die Leute wollen wissen, was los ist, da macht man doch keinen Dienst nach Vorschrift, da geht man aktiv in Vorlage und teilt mit, was man weiß. Nicht nur weil die RHEINPFALZ nervt, sondern vor allem auch um zu vermeiden, dass sich Gerüchte verbreiten.
Nur um die Sache einmal zu verdeutlichen: Die erste Antwort der Kreisverwaltung auf unsere Frage nach der potenziellen Gefährdung durch CFK lautete: „Hierzu möchten wir Sie bitten, sich gegebenenfalls direkt an die Struktur- und Genehmigungsdirektion Gewerbeaufsicht zu wenden.“ Was wir natürlich taten. In ihrer Antwort ging die SGD zunächst gar nicht direkt auf die Frage ein. Erst auf unser Nachhaken ließ sie verlauten: „Für die angesprochenen Fragestellungen sind die Unteren Bodenschutz-/Abfallbehörden bzw. ggf. das Gesundheitsamt zuständig.“ Die SGD verwies also zurück an den Kreis, der zuvor auf die SGD verwiesen hatte. Danke für nichts.
Beim nächsten Mal wird’s besser
Mag ja sein, dass das alles seine Richtigkeit hat –, unterm Strich bleibt jedoch der Eindruck, dass Behörden hier mal wieder das tun, was man ihnen sowieso immer nachsagt: Zuständigkeiten abwälzen und sich hinter bürokratischen Formulierungen verschanzen. Dabei wäre das doch eine echte Chance gewesen, mal zu zeigen, dass die Klischees eben nicht stimmen. Damit der Bürger sieht: Wir kümmern uns. Werbung in eigener Sache vor dem Hintergrund wachsender Politik- und auch Behördenverdrossenheit. Dafür müsste man sich dessen aber auch bewusst sein. Deshalb ist dieser Beitrag auch nicht als Behördenschelte, sondern als konstruktive Kritik gemeint. Wir suchen doch alle nach Gelegenheiten, uns zu verbessern. Und wer weiß, vielleicht bewegen sie sich ja doch. Beim nächsten Mal.