Donnersbergkreis „Ich lasse mich oft einfach treiben“

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GRÜNSTADT. Im April ist in Grünstadt eine nach der örtlichen Rockband SuperVishnu benannte Konzertreihe gestartet. Im Gewölbekeller La Cave/Le Bistro veranstalten Musiker und DJ verschiedener Stilrichtungen eine gemeinsame Show. Die Auftritte am 14. und 15. November gestalten neben der namensgebenden Gruppe und den DJs Krämer (Köln), Lumpy (Frankfurt), Joe Pomponio (Speyer) und Seebase (Mannheim) auch Nils Brunkhorst. Wir fragten den Wahl-Berliner, der in Kirchheimbolanden aufgewachsen ist, was von ihm zu hören sein wird und was seine nächsten Projekte sind.

Herr Brunkhorst, was wird man beim SuperVishnuFestival von Ihnen hören?

Ich werde in Grünstadt vorwiegend Songs von meinem neuen Album spielen. Stilistisch bewegt sich das Ganze zwischen Folk-, Soul- und Rockmusik. Für mich ist es aber am Wichtigsten, eine gute, starke Melodie zu haben, das Genre ist dann zweitrangig. Live interpretiere ich auch mal ein Coverstück, allerdings auf meine ganz eigene Weise. Treten Sie nur als Sänger auf oder auch als Gitarrist? Welche Instrumente spielen Sie noch? Bei Konzerten spiele ich momentan „ganz altmodisch“ einfach nur Gitarre und singe dazu. Ich arbeite dabei auch mit ein paar Effekten. Beispielsweise hab ich den so genannten „Bass Stomp“. Das ist ein kleiner Holzkasten, der den Sound einer Bassdrum imitiert. Ich mag solche Spielereien. Wie lief das Crowdfunding zur Verwirklichung Ihres Debütalbums, für das Sie drei Jahre lang Songs komponiert haben? Konnten Sie es tatsächlich zum geplanten Zeitpunkt aufnehmen? Ja, das hat geklappt! Ich hab einen kleinen Teil der Albumproduktion über Crowdfunding finanziert. Es war einfach an der Zeit, eine Platte zu machen! Ich hab mich gegen die ganzen Studios in Berlin entschieden, um bei Jens Krause in seinem wunderschönen Capitano-Studio aufzunehmen. Es liegt im Umland von Hannover, ein umgebauter Bauernhof, wo ich im ehemaligen Schweinestall schlafe. Ich bin dort jetzt seit Mitte August zu Gange, musste ein paar Mal wegen Filmdrehs unterbrechen, aber wir waren extrem fleißig. Ende November ist die Platte fertig, aber ich schätze, vor Frühjahr 2015 wird sie wohl nicht erscheinen. Ihre ersten Singles Ende der 1990er waren ja nicht so der Hit. Woran lag es und was machen Sie jetzt anders? Ich glaube, hierzu könnte ich einen Roman erzählen; ich versuch′s kurz zu machen: Ende der 90er bekamen wir ein recht „unmoralisches Angebot“ von einem großen Musikproduzenten. Die Songs, die dabei herauskamen, waren musikalisch und künstlerisch sehr fragwürdig, aber ich war Anfang 20. Die Kompromisse, die ich eingehen musste, waren zwar enorm, aber ich hatte die Hoffnung, irgendwann das machen zu können, worauf ich wirklich Lust hatte, also hab ich mich einfach treiben lassen. Ehrlich gesagt, hatte ich damals auch noch nicht so viel zu erzählen und konnte nicht wirklich eine relevante Platte aufnehmen. Heute ist das anders, ich spiele Instrumente, schreibe alles selbst und gehe hinsichtlich der Musik keine Kompromisse mehr ein. Was ist Ihr nächstes Projekt? Ende November, wenn ich mit dem Mischen meines Albums fertig bin, fahre ich nach Wien und drehe dort einen neuen Werbespot für den österreichischen Waffelhersteller, dessen Gesicht ich seit fast drei Jahren bin. Nächstes Jahr kommen zwei Filme mit mir in die Kinos: Die deutsche Komödie „Los Veganeros“, in der ich in einer Hauptrolle zu sehen bin, und die amerikanische Verfilmung des Computerspiels „Hitman“. Sind Sie lieber Schauspieler oder Musiker? Ich liebe beides und hatte bisher das große Glück, mit beidem meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Phasen, in denen es nicht so gut läuft, gehören dazu, sie machen ja auch erfinderisch und sind Futter für die Kreativität, sowohl in der Musik als auch im Schauspiel. Haben Sie Vorbilder? Es gibt Menschen in beiden Bereichen, die ich bewundere, die mich sehr inspirieren. Ich liebe Charlie Chaplin, die Mischung aus Komik und Tragik in seinen Figuren habt mich schon immer gefesselt und fasziniert. Mein Musikgeschmack ist ziemlich breit gefächert: Ich liebe Musik von den Beatles, Fleetwood Mac, White Stripes, Nirvana, Prince, Beasty Boys, A Tribe Called Quest und, und, und. Was haben Ihre Eltern zu der Entscheidung gesagt, dass Sie Schauspieler werden wollten? Meine Eltern standen schon immer hinter mir. Die Schauspielschule hab ich sehr schnell abgebrochen, weil ich recht früh die Möglichkeit bekam, in Film- und Fernsehproduktionen mitzuwirken. Da hab ich mich dann einfach wieder treiben lassen. Sie wohnen seit zirka drei Jahren in Berlin. Kommen Sie noch manchmal in die Pfalz? Ich versuche ein bis zwei Mal im Jahr in die Pfalz zu fahren, ein Großteil meiner Familie lebt noch dort. In Grünstadt war ich ehrlich gesagt bestimmt vier, fünf Jahre nicht mehr. Das heißt, es wird Zeit. Ich freue mich auch schon auf einen Cappuccino im Rialto, da war ich früher fast jeden Tag. Was ist Ihr großes Ziel? Mein großes Ziel ist es, glücklich zu sein und gesund zu bleiben. Beruflich hangele ich mich von einem kleinen Ziel zum nächsten. Ich kann eben nicht anders und lasse mich – wie so oft – einfach treiben…

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