Donnersbergkreis „Heute ist Mathematik enorm vielschichtig“
Heute steht an der Technischen Universität (TU) alles im Zeichen der Mathematik. Der Fachbereich lädt zum „Tag der Mathematik“, rund 1000 Schüler werden zu dem Infotag in Kaiserslautern erwartet. Andreas Sebald hat sich mit dem Organisator des „Tags der Mathematik“, Mathias Schulze, Professor für Algebra und Geometrie an der TU, über die Faszination seines Fach, Google und Berufschancen unterhalten.
Kaiserslautern. Herr Schulze, „früher musste man mit Zahlen rechnen, heute muss man mit allem rechnen“. Ein alter Spruch, aber Mathematik ist in der Tat mehr als nur Rechnen, oder? Das ist richtig. Die Anfänge der Mathematik liegen tatsächlich oft in Problemen über ganze Zahlen. Viele dieser Probleme sind einfach zu formulieren und trotzdem bis heute ungelöst. Um solche Probleme anzugehen, haben Mathematiker über die Jahre hochkomplexe Methoden entwickelt, die weit über das naive Rechnen hinausgehen. Heute ist die Mathematik enorm vielschichtig. Das Fach hat sich, insbesondere in Kombination mit dem Fortschritt der Computertechnik, zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt. Den wenigsten wird bewusst sein, dass wir fast überall von Mathematik umgeben sind. Wo kann ich Mathematik finden? In ganz vielen Dingen. Am „Tag der Mathematik“ erklären wir zum Beispiel, wie man Auftrieb und Strömungswiderstand bei Flugzeugen optimiert. Das klingt erst mal technisch, beeinflusst aber auch die Kosten des nächsten Sommerurlaubs. Ein anderes Beispiel sind Methoden der Bildverarbeitung und Verschlüsselungstechniken, die ja heute in jedem Smartphone stecken. Und wie nutzt Google Mathematik? (lacht) Das werde ich an dieser Stelle jetzt nicht verraten. Deshalb soll man ja zum „Tag der Mathematik“ kommen. Wir bieten eine Menge spannende Vorträge und Workshops an. Wir wollen zeigen, dass Mathematik viel mehr ist als nur Dreisatz und Kurvendiskussion. Mathematik kann zum Beispiel auch Kunst sein. Bitte? Wir zeigen in der Ausstellung „Imaginary“ Objekte aus der algebraischen Geometrie. Dabei handelt es sich um Flächen, die Lösungen polynomialer Gleichungen sind. Die sehen toll aus, das sind wahre Kunstwerke. In einem Workshop kann dann jeder selbst solche Flächen mit dem Computer erzeugen. Dennoch hat Mathematik, sind wir ehrlich, mit dem Vorurteil zu kämpfen, nicht ganz einfach zu sein. Mathematik kann beliebig schwer sein, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Und es erfordert auch ein gewisses Durchhaltevermögen, Mathematik zu lernen. An der TU bieten wir aber eine hervorragende Ausbildung mit intensiver persönlicher Betreuung und führen die Studenten schrittweise an mathematische Probleme heran. Sie sprechen mit dem „Tag der Mathematik“ auch viele unterschiedliche Niveaus an, indem Sie Schüler von der fünften bis zur 13. Jahrgangsstufe eingeladen haben. Richtig, wir haben für jede Altersstufe etwas zu bieten. Jüngere Schüler können zum Beispiel bei einer Mathe-Rallye den Campus erforschen und dabei kleine Rätsel lösen. Oberstufenschüler können mit dem Computer faszinierende fraktale Mengen erkunden oder mit Markov-Ketten eigene Musik komponieren. |bld